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Bargeldloses Schweden Ohne Krone lebt es sich gefährlich

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Zustimmung trotz Risiken

Ein Aufschrei in der Bevölkerung? Fehlanzeige. „Wir sind eine technikbegeisterte Gesellschaft, die an die Vorteile der Digitalisierung glaubt“, sagt Leif Trogen, Chef der Abteilung finanzielle Infrastruktur beim schwedischen Bankenverband. Auch sei das Vertrauen der Schweden in die Politik und die Banken überdurchschnittlich hoch – zentrale Voraussetzung für eine bargeldlose Gesellschaft. Mittlerweile würden in Schweden jährlich 3,5 Milliarden Geldtransaktionen per Karte getätigt. Weitere 1,5 Milliarden Transaktionen übernimmt Schwedens populärste Mobile-Payment-App Swish.

Dass Bankenmann Trogen mit dem Verschwinden des Bargelds kein Problem hat, ist nicht verwunderlich. Die Kreditinstitute gehören zu den Profiteuren dieser Entwicklung. Sie sparen sich die Kosten für die Bargeldhaltung und verdienen gut an Gebühren von Kunden, die die Internetdienste nutzen. Außerdem erhalten sie wertvolle Daten über das Zahlungsverhalten ihrer Kunden. Auch die Riksbank, Schwedens Zentralbank, kann die Kosten für die Bargeldlogistik senken. Und was für die Währungshüter noch wichtiger ist: Ihre geldpolitischen Instrumente bekommen eine größere Durchschlagskraft. Ohne Bargeld können Sparer zum Beispiel den von Zentralbanken gesteuerten und von Geschäftsbanken weitergereichten Negativzinsen nicht mehr ausweichen, indem sie ihr Geld abheben. Die Bürger haben dann nur die Wahl zwischen realer Enteignung und Zwangskonsum.

Um den Marsch in die bargeldlose Gesellschaft zu erleichtern, denkt die schwedische Notenbank sogar über einen revolutionären Schritt nach: die Etablierung einer eigenen Kryptowährung. Dann könnte man Bürgern, die keine Kreditkarten und Bezahl-Apps besitzen (oder besitzen wollen), ein Konto bei der Notenbank einrichten und sie auf diese Weise in den bargeldlosen Zahlungsverkehr integrieren.

Gegenbewegung pro Bargeld

Björn Eriksson sieht in all dem eine Gefahr für sein Land. Der ehemalige Präsident von Interpol ist in Schweden eine kleine Berühmtheit und das bekannteste Gesicht im Kampf für den Erhalt des Bargelds. Die Warnung des 72-Jährigen: Schweden mache sich ohne Not im hochsensiblen Bereich der Zahlungssysteme angreifbar. Andere Länder oder Hacker könnten in das digitalisierte Geldsystem eindringen und „ganz Schweden destabilisieren“. Irrational sind solche Ängste nicht: Schon heute florieren Kartenbetrug und Identitätsdiebstahl in Schweden. In keinem anderen EU-Land nehmen die Betrugsfälle in der digitalen Welt so stark zu, zeigen Zahlen des Forschungsinstituts Euromonitor International.

Auch außerhalb Stockholms entsteht daher so etwas wie eine schwedische Graswurzelbewegung pro Bargeld. Die Aussage von Bankenfunktionär Trogen, die meisten Ladenbesitzer seien „glücklich, wenn Kunden mit Karte oder Swish zahlen und sie in ihren Kassen weniger Bargeld halten müssen“, können Menschen wie Christina Pilar nicht teilen. Die 58-jährige Schwedin betreibt im 8000-Einwohner-Dorf Knivsta in der Nähe von Uppsala die Gaststätte Grekens. Sie selbst hat weder Kreditkarte noch Smartphone, und sie zahlt, sofern es geht, alles in bar. Es stört sie, dass Staat und Banken sehen können, was sie wann und wo einkauft, wenn sie bargeldlos zahlt. Auch teilt sie Erikssons Skepsis hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Technik: „Was passiert, wenn die Systeme ausfallen? Wie wollen wir dann in Schweden bezahlen?“

Kurze Zeit später darf sie sich bestätigt fühlen. Eine Kundin kommt ins Restaurant, um ihre vorbestellte Pizza abzuholen. Sie reicht Pilar ihre Visa-Karte, doch das Lesegerät streikt. Mit Bargeld kann die Kundin aber nicht zahlen.

Sie hat, natürlich, keins dabei.


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