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Digitaler Krieg um GazaWie Hamas-Hacker in Israel Angst und Panik verbreiten

Während die israelische Armee im Gazastreifen gegen die Hamas vorgeht, sind die Menschen in Israel einem digitalen Dauerfeuer durch pro-palästinensische Hacker ausgesetzt.Thomas Kuhn 21.11.2023 - 09:13 Uhr aktualisiert

Weiteres Schlachtfeld: Die Hamas attackiert Israel nicht nur mit Gewehren und Raketen, sondern setzt der Bevölkerung offenbar auch mit Cyberangriffen zu.

Foto: imago images

Gerade einmal zwölf Minuten lagen am 7. Oktober zwischen dem realen Angriff von Hamas-Kämpfern gegen Ziele in Israel und dem Beginn massiver Cyberattacken auf israelische Webseiten, auf denen israelische Zivilisten Warnungen und wichtige Informationen zu Raketenangriffen finden. Die erste der digitalen Attacken auf die israelischen Server gipfelte in rund 100.000 Abrufversuchen pro Sekunde und dauerte rund zehn Minuten, wie der auf den Schutz von Webangeboten spezialisierte IT-Sicherheitsanbieter Cloudflare anschließend dokumentierte

Rund eine dreiviertel Stunde später folgte der zweite, noch massivere Versuch, die israelischen Warndienste im Netz mithilfe sogenannter DDoS-Attacken lahmzulegen: Bis zu eine Million Seitenabrufe prasselten auf die Warnangebote im Netz, während die Angreifer der Hamas Hunderte von Raketen auf israelische Städte und Dörfer abfeuerten.

Hinter beiden Wellen stehen vermutlich Hamas-nahe Hacker, deren Kriegsführung im Datenraum als Begleiterscheinung der realen Kämpfe zwischen Israel und der Hamas bis heute nicht nachgelassen hat. Millionenfach stehen seit Anfang Oktober vor allem IT-Systeme in Israel seit dem Kriegsausbruch unter digitalem Dauerfeuer von Hackern und sogenannten Hacktivisten. 

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Im einen Fall sind es zumeist fest organisierte Zirkel von Cyberkriminellen oder staatsnahen Cybergruppen. Im anderen Fall vielfach lockere, oft unorganisierte Einzeltäter, vielfach auch ohne besonderes technologisches Knowhow. Sie stützen sich bei ihren Aktionen auf im Netz frei verfügbare Schadprogramme oder Hacker-Plattformen, die sogenannte Hacking-as-a-Service-Dienste anbieten. 

„Das Problem für die Angegriffenen“, sagt Mirko Ross, Chef und Gründer des Datensicherheitsdienstleisters Asvin aus Stuttgart, „ist die Asymmetrie der Attacken“. Der Aufwand zum Schutz der IT-Systeme für Unternehmen und Behörden sei weit aufwendiger als das Lancieren von breiten Angriffen aus dem Netz durch die Hacktivisten, so der deutsche Sicherheitsexperte. Umso mehr als es die Hacker nicht dabei belassen, nur vergleichsweise leicht erreichbare Web-Angebote mittels DDoS-Angriffen zu attackieren. Die seien sozusagen die „Steinewerfer des digitalen Zeitalters“, sagt Experte Ross. „Die Angriffe reichen weit darüber hinaus.“

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Parallel dazu suchen die Cyberkämpfer etwa Schwachstellen in sicherheitsrelevanten IT-Systemen. So wollen Angehörige der pro-palästinensischen Hackergruppe AnonGhost Sicherheitslücken in der Architektur der Smartphone-Warn-App „RedAlert“ ausgenutzt haben. Der Handydienst warnt die israelische Bevölkerung vor Raketenangriffen und anderen Gefahren. Tatsächlich berichtete der israelische IT-Sicherheitsdienstleister Group-IB, es sei Hackern gelungen, über RedAlert gefälschte Warnungen vor drohenden Raketeneinschlägen und sogar einem Atombombenangriff zu verschicken.

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Ziel solcher Attacken und auch der DDoS-Angriffe ist, Verunsicherung bis hin zu Panik in der Bevölkerung zu verbreiten. Wie gravierend die Störungen der IT-Systeme am Ende tatsächlich sind, ist fast nachrangig. Es ist ein klassisches Muster der psychologischen Kriegsführung, nur mit digitalen Mitteln.

Dabei spielt es den Pro-Hamas-Hackern in die Karten, dass die Angriffe – anders als etwa der Abschuss von Raketen auf Israel aus dem Gazastreifen – nicht an die physische Präsenz vor Ort gebunden sind. Schließlich hat die israelische Armee inzwischen mit der Besetzung von Teilen des Gebiets nicht bloß den Abschuss von Raketen von dort unterbunden. Parallel sind durch den Krieg auch der Großteil der Internet- und sonstigen Kommunikationsverbindungen ins Gaza-Gebiet gekappt. Zudem sollen Cybereinheiten der Armee und der israelischen Geheimdienste gezielt gegen die IT-Strukturen von bekannten Hackergruppen vorgehen.

Weil aber digitale Angriffe gegen Israel oder auch nur Unternehmen, die von Hacker und Hacktivisten mit Israel in Verbindung gebracht werden, im Internet von nahezu überall im Netz durchgeführt und zudem sehr wirksam verschleiert werden können, können die Cyberschützer fast nur reaktiv handeln und versuchen, die Schäden einzudämmen. „Hamas hat die Wirkung digitaler Aktionen und von Social Media von Beginn an mitbedacht“, so Asvin-Experte Ross. „Damit haben sie in Israel und im Westen Verunsicherung ausgelöst und zugleich Unterstützung durch Hacktivisten und Teile der Bevölkerung anderer muslimischer Länder in der Region aktiviert.“

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Wie extrem die Asymmetrie der Attacken ist, belegen auch Auswertungen der IT-Analyseplattform CyberKnow. Sie wertete bisher unter anderem die Aktivitäten von Cyberakteuren in Russlands Krieg gegen die Ukraine aus und analysiert nun auch die Cyberaktivitäten um den Gaza-Konflikt. Danach stehen im globalen Meinungskampf im Netz derzeit knapp 120 pro-palästinensischen beziehungsweise anti-israelischen Hacktivistengruppen gerade einmal 19 identifizierbare Akteure gegenüber, die pro Israel tätig werden. „Antisemitismus ist leider auch im Netz ein weit verbreitetes Phänomen“, so Sicherheitsexperte Ross.

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