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Elon Musk beim MWC21 „Das oberste Ziel ist, mit Starlink nicht Konkurs zu gehen“

Starlink-Präsentation auf dem Mobile World Congress: Elon Musk spricht zu der internationalen Telekommunikations-Branche – die Branche, die er als nächstes auf den Kopf stellen will. Quelle: REUTERS

Mit seinem Satelliten-Internet-Start-up Starlink will Elon Musk der Branche beim Aufbau ihrer 5G-Netze unter die Arme greifen. Dabei ist das Satelliten-Internetgeschäft für ihn derzeit alles andere als gewinnbringend.

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Blaues Licht flackert, Nebenmaschinen verbreiten Dampf. 550 Leute haben hier in der Halle mit 1,5 Meter Abstand zueinander Platz, und alle Plätze sind belegt. Nirgendwo sonst auf dem Mobile World Congress hat sich bislang eine so große Menschenmenge versammelt. Auf dem Großbildschirm erscheint Elon Musk: weißes Hemd, schwarzes Sakko, neutraler Hintergrund.

Der Technologie-Papst spricht zu der internationalen Telekommunikations-Branche – die Branche, die er als nächstes auf den Kopf stellen will. Schon bei anderen großen Industrien gelang ihm die Disruption: Mit Paypal veränderte er die Bankenlandschaft für immer, mit Tesla die Autobranche und mit SpaceX das Weltraumgeschäft. Starlink ist sein Angriff auf das Geschäft mit der Konnektivität – auch wenn er selbst das gar nicht so aggressiv ausdrücken würde: „Starlink füllt den Raum zwischen Breitband und 5G“, sagt er, und: „Unser Angebot wird beide Technologien ergänzen, denn es ist gedacht für die drei bis fünf Prozent der Erde, die am schwierigsten zu erschließen sind.“

Zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar will Musk in sein Satelliten-Internetgeschäft investieren, ehe es Cashflow-positiv ist. Dann plant er weiter Gelder reinzustecken: „Insgesamt wohl 20 Milliarden Dollar. Kurz: Eine ganze Menge.“



Aktuell fliegen schon mehr als 1700 Satelliten von Starlink am Himmel. Gemeinsam schaffen sie eine Datenkapazität von 30 Terabytes pro Sekunde: „Im August schaffen wir die globale Abdeckung.“ Bereits heute sind weltweit 69.000 Nutzer auf Starlink registriert. Der Satelliten-Internet-Dienst soll heute in in zwölf Monaten die 500.000-Nutzer-Marke durchbrechen, wenn es so läuft wie Musk plant: „Wir wachsen rapide.“

Wie so oft verspricht Musk Superlative: Die Latenz des Satellitensystems soll so schnell sein, dass sie auf der Erde basierten 5G- und Breitband-Anwendungen ähnelt: „Die Latenz beträgt weniger als 40 Millisekunden. Videospiele sind damit möglich“, so Musk. Die Technik, die Starlink einsetze, sei so ausgeklügelt wie nichts sonst auf der Welt.

Aktuell sucht Musk Verbündete im Telekommunikations-Sektor: Zwei große nationale Telekommunikations-Anbieter seien bereits Partnerschaften eingegangen, mit mehreren weiteren sei er im Gespräch. Namen könne er aber noch keine nennen. Für die Telekommunikations-Anbieter sei das Satellitensystem für den Daten-Backhaul interessant – so werden die Antennenstationen an das Netzwerk angeschlossen. Klassisch werden Antennenstationen mit Glasfaser ans Netz angeschlossen, doch das ist im ländlichen Raum bei Weitem nicht kostendeckend: „Mit Starlink können Telkos die Anbindung viel kostengünstiger realisieren“, so Musk. Telekommunikations-Tnternehmen sind oft von Staats wegen genötigt, eine bestimmte Anbindung des ländlichen Raums zu garantieren, um neue Frequenzen für den 5G-Bieter zu erhalten. Hier sieht Musk seine Chance.

„Das oberste Ziel ist, mit Starlink nicht Konkurs zu gehen“, sagt Musk nur halb scherzend. Bislang habe es kein Satelliten-Kommunikationsanbieter geschafft, unter den ursprünglichen Besitzern zu überleben.

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Die Starlink-Satellitenschüsseln verkauft er Kunden aktuell für 500 Dollar – dabei kosten die Geräte Starlink selbst 1000 Dollar. „Wir verlieren mit jeder verkauften Station Geld.“ Deshalb sei eine der Prioritäten, die Terminals deutlich günstiger und effizienter herzustellen, so dass sie am Ende nur noch 250 bis 300 Dollar kosten. Dazu kommt eine monatliche Servicegebühr von 100 Euro. Die Gebühren seien überall auf der Welt gleich – abgesehen von Transportkosten und Zoll. Entscheidend für den Erfolg von Starlink sei, dass die Satellitenschüsseln extrem einfach aufzubauen sind – denn viele Kunden würde extrem weit ab von der Zivilisation leben, etwa auf einer Berghütte, die mit Solarstrom betrieben wird. Der Aufbau sei in weniger als fünf Minuten zu erledigen: „Man muss nur die Schüssel zum Himmel ausrichten und den Stecker in die Steckdose stecken – oder umgekehrt. Einen Service-Mitarbeiter auf einen Berg zu schicken, ist wirklich nicht drin.“

Mehr zum Thema: Die EU hat eine neue Raumfahrtagentur mit einem Milliardenbudget gegründet. Was sie vorhat – und wie sie neue Hightech-Dienste via Weltall ermöglichen will.

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