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Nutzergruppen-Chef „Die Reise der SAP-Kunden geht klar in Richtung Cloud“

Quelle: DSAG

SAP-Kunden müssen vom Walldorfer Softwarekonzern mehr Unterstützung bei der digitalen Transformation bekommen, fordert Jens Hungershausen, Chef der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG. Unverzichtbar: die Cloud.

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WirtschaftsWoche: Herr Hungershausen, SAP-Chef Christian Klein hat kürzlich seine neue Initiative „Rise with SAP“ vorgestellt, eine Charmeoffensive für die Cloud. Wie kommt die Botschaft bei denen an, die mit SAP arbeiten?
Jens Hungershausen: Für die SAP-Kunden ist die Cloud wichtig – weil da die Reise in Zukunft einfach hingeht. Daher glauben wir, dass jede Initiative von SAP in diese Richtung grundsätzlich eine gute Sache ist. Aber einfach nur eine bestehende Software im Unternehmen in die Cloud hinüber zu heben, ist keine sinnvolle Strategie. Schließlich geht es hier vor allem um die digitale Transformation von Geschäftsprozessen. Das bedeutet: Sie müssen ihre Abläufe an die neue Software anpassen und automatisieren, nicht einfach nur eine neue Software einführen. Das ist für viele Unternehmen aktuell die größte Herausforderung beim Umstieg in die Cloud.

Viele Unternehmen scheinen zumindest nicht mit ihrem kompletten SAP-System in die Cloud wechseln zu wollen. Lässt SAP seinen Kunden da ausreichend Spielraum?
Wir erleben diesen Zwiespalt bei unseren Mitgliedern: Die einen sehen den Vorteil der Cloud bereits, etwa bei der Skalierbarkeit oder dem schnellen Start einer Anwendung. Auf der anderen Seite gibt es viele Kunden, die ihre Software im Unternehmen betreiben – und die auch nicht vorhaben, daran etwas zu ändern. Dabei zeigt sich ja heute schon, dass kein Unternehmen um die Cloud herumkommt. Aber ob am Ende wirklich die komplette Unternehmenssoftware in die Cloud wandert?

Es gab zuletzt einige Unzufriedenheit unter den SAP-Anwendern.
Vor allem wegen der Integration der vielen zugekauften Software-Lösungen.

Hat SAP inzwischen auf die Nöte reagiert?
Da hat SAP in den vergangenen Monaten tatsächlich geliefert. Daher hat sich das Risiko für viele Unternehmen, verschiedene SAP-Lösungen einzuführen und dann auch noch aufwändig integrieren zu müssen, deutlich minimiert. Allerdings sind davon noch längst nicht alle SAP-Kunden wirklich überzeugt.

Resultiert der Unmut vieler SAP-Kunden nicht auch in dem mittelbaren Zwang, bis spätestens zum Jahr 2027 zu dem neuen Softwarepaket S/4Hana wechseln zu müssen, weil dann der Support der Vorläufersoftware Business Suite ausläuft? 
Der eigentliche Nutzen von S/4Hana stellt sich erst durch eine Transformation der Unternehmensprozesse ein. Eben die kann SAP seinen Kunden aber nicht abnehmen – die müssen die Unternehmen schon selbst durchführen. Wir als Anwendervereinigung fordern jedoch, dass SAP hier mehr Unterstützung leistet und zeigt, an welchen Stellen die Chancen liegen und wo über neue Technologien Mehrwerte zu schöpfen sind. Nur so kommen die Unternehmen auch dahin, dass sich der Umstieg auf S/4Hana betriebswirtschaftlich rechnet.

SAP-Chef Christian Klein gilt als jemand, der besonders auf Kunden hört  im Unterschied zu manchen seiner Vorgänger. Hat er die Wünsche nach mehr Unterstützung also schon mitbekommen?
Ja, er nimmt die Kunden wie auch uns als Anwendergruppe ernst. Bei mehr Unterstützung denke ich beispielsweise an die Übernahme des Start-ups Signavio Ende Januar: Das soll bei der Prozessgestaltung und -optimierung helfen. Da wird spannend zu beobachten sein, wie genau SAP das Unternehmen jetzt integriert – und wie dann daraus der Mehrwert für den Kunden generiert wird. 

Wie schnell kann denn die Integration von Signavio gelingen?
Signavio verfügt schon über existierende Werkzeuge und bringt einen Berg an Erfahrung mit SAP mit. Wie schnell die Integration gehen wird, wissen wir nicht.
Bisher ist erst ein kleiner Teil der Bestandskunden auf die Unternehmenssoftware S/4Hana gewechselt. Was sind denn die größten Hürden für die Unternehmen?
Am Ende lautet immer die Frage: Wie gehe ich so ein Projekt an? Wie viel Budget stelle ich für eine Transformation zur Verfügung? Denn nur durch den rein technischen Umstieg von der SAP Business Suite auf S/4Hana habe ich erst einmal wenig gewonnen – meine Prozesse funktionieren im Prinzip genauso wie vorher. Interessant wird das Ganze dann, wenn mich der Wechsel wirklich voranbringt. SAP muss deutlich machen, worin der Wert seiner neuen Technologie liegt, welche Prozesse sich automatisieren lassen – und welche neuen Geschäftsmodelle möglich sind.



Ist das nur eine Frage der Kommunikation, oder muss SAP noch technisch nacharbeiten?
Es ist eine Mischung: SAP muss seinen Kunden klar machen, dass ein richtiges S/4-Transformationsprojekt auch organisatorische Auswirkungen im Unternehmen hat, etwa weil Aufgaben durch die Automatisierung wegfallen. Dann müssen sich die Kunden auch technologisch mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzen: Wer beispielsweise Machine Learning einsetzen will, muss verstehen, was genau diese Technologie bewirkt und wie sie funktioniert. Und gewiss gibt es auch an der einen oder anderen Stelle noch Dinge, die SAP nachbessern muss. So sind etwa die modernen SAP-Nutzeroberflächen mit dem Namen „Fiori“ noch nicht durchgängig überall verfügbar.

Ein Teil der SAP-Anwender nutzt den Umbruch und schaut sich nach Alternativen zu SAP um – nach dem Motto: Wenn ich sowieso eine neue Software einführen muss, kann ich auch eine andere Lösung nehmen. Spüren Sie das auch innerhalb der DSAG?
Wenn sich unsere Mitglieder mit Alternativen beschäftigen, bekomme ich das nicht unbedingt mit. Aber eine Absetzbewegung im großen Stil nehmen wir nicht wahr.

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Sehen Sie die Gefahr, dass sich SAP mit den vielen Produkten, die in den kommenden Jahren auslaufen und auf neue Lösungen überführt werden, verzettelt?
Die grundsätzliche Richtung und die Roadmap der Produkte sind richtig. Die Frage ist vor allem, ob bei jedem auslaufenden Produkt jetzt schon die Alternativlösung fertig ist oder nicht. In dem Unternehmen, in dem ich als CIO tätig bin, haben wir den technischen Umstieg von der Business Suite auf S/4Hana bereits durchgeführt – dafür sind alle Funktionen da, das läuft.

Mehr zum Thema: SAP-Chef Christian Klein sitzt auf einem Zahlenschatz. Den will er nutzen – und so den Softwarekonzern zum Amazon der Industrie machen.

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