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SpitzelaffäreNutzer wollen mehr Datenschutz im Netz

Ganz gleich ob E-Mail-Programme oder Suchmaschinen – die User scheinen zu realisieren, dass ihre Kommunikation oder Recherchen im Netz nicht so anonym sind, wie sie es gerne hätten. Wer nun mit Datenschutz wirbt, profitiert. 03.07.2013 - 15:12 Uhr

Verschiedene Netzwerkkabel vor einem Monitor, auf dem das Logo der US-amerikanischen National Security Agency (NSA) zu sehen ist. Die Spionage der USA und Großbritanniens hat die etliche Verbraucher aufgeschreckt.

Foto: dpa

Für Google, Facebook und. Co entwickelt sich die PRISM- und TEMPORA-Affäre zum Image-Desaster. Auch wenn sich die großen Internetkonzerne heftig bestritten haben vom Ausmaß der PRISM-Überwachung gewusst zu haben – für den Nutzer ändert das wenig. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die User ihre Konsequenzen ziehen und nach Alternativen im Netz suchen, die mehr Wert auf Datenschutz legt als der Super-Durchleuchter Google. Die Zeit für DuckDuckGo, IXQUICK, Posteo und AikQ scheint gekommen.

Suchmaschinen

Anders als Google speichert die ebenfalls amerikanische Suchmaschine DuckDuckGo nicht sämtliche Daten ihrer Nutzer. Während das Sammeln und Analysieren von Daten für Larry Page und sein Team das erklärte Geschäftsmodell ist, setzt DuckDuckGo voll auf Datenschutz und speichert keine IP-Adressen. Das IT-Magazin TechCrunch bezeichnet das Portal als Hybrid-Suchmaschine, da auf die Such-APIs großer Anbieter zurückgegriffen wird – wie zum Beispiel Yahoo, Search BOSS und Wikipedia.

Auto-Transporter

Wer sensible Daten mit Kollegen oder Freunden über Online-Dienste wie Dropbox & Co. tauscht, läuft Gefahr, dass Spitzel und Hacker mitlesen. Eine smarte Alternative bietet der Speicher- und Synchronisationsdienst des US-Startups Connected Data. Bei dessen Transporter genannten Festplatten kann der Nutzer selbst bestimmen, welche Dateien per Direktverbindung automatisch und verschlüsselt mit den Transporter-Disks anderer Nutzer synchronisiert werden.

Preis: ab 299 Dollar

Foto: Presse

Platten-Sperre

Wer verhindern will, dass Spionagesoftware die Passworteingabe für die verschlüsselte Festplatte aufzeichnet, sollte externe Speicher mit eigener Entsperrtechnik einsetzen – wie die DataLocker-Festplatte von Origin. Das Modell Enterprise 2.0 besitzt ein Tastenfeld für die Code-Eingabe und ist von der US-Technologiebehörde NIST unter anderem für den militärischen Einsatz zertifiziert.

Preis: ab 390 Euro

Foto: Presse

Passwörter-Buch

Wer kann sich noch die Passwörter merken, die er auf Hunderten Web-Seiten eingibt? Der MyIDkey des US-Startups Arkami hilft da weiter: Der USB-Stick, der sich nur über den eingebauten Fingerabdruck-Scanner aktivieren lässt, merkt sich sämtliche Benutzernamen und Passwörter, die der Nutzer in Web-Seiten eingibt – und füllt die Zugangsdaten bereits besuchter Web-Seiten automatisch in die vorgegebenen Eingabefelder ein. Via Bluetooth-Funk funktioniert das auch mit Smartphones.

Preis: 170 Dollar

Foto: Presse

Merkel-Berry

Private Daten und Unternehmensinformationen hält die Spezialversion des Blackberry Z10 vom deutschen Sicherheitsspezialisten Secusmart strikt getrennt. Möglich macht das, neben Sicherungen im Betriebssystem, die Zusatz- verschlüsselung per Smartcard, die der Technik Secusuite gerade die Freigabe als Regierungshandy beschert hat.

Preis: 2500 Euro

Foto: Presse

Sprech-Stelle

Abhörsicher telefonieren, unabhängig von Handy oder Notebook, das ermöglicht das Sprachverschlüsselungssystem Topsec mobile des Berliner Spezialisten Rohde&Schwarz SIT. Die Krypto-Box mit eigenem Headset wird per Bluetooth mit internetfähigen Handys oder Computern gekoppelt und baut hochverschlüsselte Sprachverbindungen zu baugleichen Topsec-Modulen auf.

Preis: 2300 Euro

Foto: WirtschaftsWoche

Abdruck-Analyst

Nicht ganz so sicher wie ein komplexes Passwort, aber deutlich komfortabler – und allemal besser als kein Zugriffscode: Das sind Fingerabdruckleser, die viele Business-Notebooks eingebaut haben, wie etwa das Thinkpad X1 Carbon von Lenovo.

Preis: 1470 Euro

Foto: Presse

Post-Geheimnis

Mit den Verschlüsselungsverfahren PGP und S/Mime gibt es wirksame Technologien, um elektronische Post gegen unerwünschte Mitleser zu sichern. Nur ist die Konfiguration gerade für Laien teils recht aufwendig. Einfacher und für den Unternehmenseinsatz geeignet sind Programme wie gpg4o des Softwarehauses Giegerich&Partner. Das Paket gibt’s als Erweiterung für Microsofts Outlook 2010 und 2013.

Preis: ab 94 Euro

Foto: Screenshot

Blick-Fänger

Längst nicht immer kommen Spione übers Netz. Oft genug – etwa im Zug oder am Flughafen – lesen sie einfach von der Seite mit, was Geschäftsleute auf dem Laptop-Display anschauen. Abhilfe schafft der Vikuiti Blickschutzfilter von 3M, der nur direkt von vorne freie Sicht aufs Display von Smartphone, Tablet oder PC ermöglicht. Neugierige Späher von der Seite sehen dagegen Schwarz.

Preis: ab 30 Euro

Foto: Presse

Gesichts-Login

Auch das eigene Gesicht kann den PC-Zugriff freigeben. Programme wie KeyLemon des gleichnamigen Schweizer Unternehmens nutzen dafür die in fast allen neuen Laptops integrierte Webcam. Die Software erkennt den rechtmäßigen Nutzer an dessen Gesichtsproportionen. Experten warnen aber grundsätzlich, dass sich derartige biometrische Sicherungen leichter knacken lassen als gute Passwörter.

Preis: kostenlos

Foto: Screenshot

Spion-Späher

WLAN-Kameras als Wächter für daheim oder im Büro sind Bestseller. Dumm nur, dass viele Nutzer die Bilderströme offen ins Netz stellen und damit fast jedem Einblick auf ihren Schreibtisch ermöglichen. Die Überwachungskamera In.Sight von Philips dagegen verschlüsselt die Aufnahmen, bevor sie die per WLAN und Internet zur passenden Smartphone-App überspielt.

Preis: 130 Euro

Foto: Presse

Bundes-Fon

Den Komfort eines modernen Smartphones, gepaart mit vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifizierten Sicherheitsfunktionen, das bietet auch die Simko3-Softwareplattform. T-Systems und der Softwareanbieter Trust2Core haben sie gemeinsam entwickelt und vertreiben sie unter anderem für Galaxy-Handys von Samsung.

Preis: ab 1700 Euro

Foto: Presse

Funk-Fresser

Smartphones sind nicht nur Datenspeicher ersten Ranges, sondern auch ein Paradies für Datendiebe: Sie lassen sich per GPS orten oder über WLAN-Funk attackieren. Spitzel-Apps täuschen sogar vor, dass das Telefon aus- geschaltet ist, und durchsuchen das Gerät dann heimlich. Die Handytasche Rapp It Up unterbindet solche Zugriffe rustikal: Ein ein- genähtes Drahtgitter soll jede Funkverbindung unterbinden.

Preis: 37,50 Dollar

Foto: Presse

Software-Safe

Informationen gegen fremde Zugriffe zu schützen ist viel leichter als gedacht, denn bei den Profi-Versionen von Windows liefert Microsoft die Festplattenverschlüsselung Bitlocker gleich mit. Auf Mausklick wandern die Daten in den Software-Safe. Neue Versionen des Apple-Betriebssystems Mac OS X kommen mit einer ähnlichen Software namens Filevault. Sicherheitsexperten vermuten, dass die Hersteller Schlupflöcher für US-Geheimdienste offen lassen, doch Wirtschaftsspione oder Kriminelle müssen draußen bleiben.

Preis: Teil des Betriebssystems

Foto: WirtschaftsWoche

Geheimnis-Träger

Die Smartphone-App oneSafe verschlüsselt Zugangscodes: Benutzernamen und Passwörter, Kreditkarten- und Pin-Nummern, Texte oder Fotos. Via Apples Online-Service iCloud lassen sich die Daten zwischen iPhones, iPads und Mac-Rechnern synchronisieren. Um die App zu öffnen, gibt der Nutzer ein Passwort ein. Wer ein falsches Passwort eingibt, den fotografiert die Frontkamera des Handys.

Preis: 5,49 Euro

Foto: Presse

Zweit-Schlüssel

Doppelt hält besser – das gilt auch für die Absicherung von Rechnern und Datennetzen. Experten empfehlen daher, bei der Anmeldung am PC oder für den Zugriff auf gesicherte Datenbanken eine Kombination aus Passwort und digitalem Sicherheitsmedium zu nutzen. Der SecurID 800 Hybrid Authenticator des US-Sicherheitsunternehmens RSA Security speichert solche Signaturen und dient so bei der sicheren Anmeldung als zweite Sicherheitsstufe. Preis: 60 Dollar

Foto: WirtschaftsWoche

Daten-Tunnel

Sicherheitsexperten staunen immer wieder, wie schlecht Unternehmen ihre Netze absichern. Der IT-Spezialist Lancom Systems bietet jetzt als erster Anbieter Übertragungsrechner an, deren Verschlüsselung vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert ist; wie den Router 1781A-4G CC. Über so gesicherte Daten-Tunnel dürfen nun selbst Behörden und Militärs Dokumente abhörsicher austauschen und Telefonate führen.

Preis: 1100 Euro

Foto: Presse

Wolken-Schloss

Was nützt die sicherste Internet-Verbindung, wenn sensible Daten auf den Cloud-Servern von Google bis Microsoft unverschlüsselt für Hacker oder Geheimdienste erreichbar sind? Die Software Boxcryptor des Augsburger Startups Secomba ändert das, indem sie Dokumente vor der Ablage im Netz verschlüsselt. Beim Öffnen auf PC, Tablet oder Smartphone werden die Dateien wieder entschlüsselt.

Preis: Basisversion gratis

Foto: WirtschaftsWoche

Sicherheits-Glas

Strategiemeetings, vertrauliche Projektbesprechungen: In vielen Situationen sind Zuschauer unerwünscht. Nun lassen sich ganze Fensterfronten, etwa die Glaswände von Konferenzräumen, blitzschnell gegen neugierige Blicke absichern: Die Klebefolie Sonte wird per WLAN-Funk vom Smartphone aktiviert und verwandelt sie in Milchglasscheiben.

Preis: 280 Dollar

Foto: Presse

Taschen-Tresor

Das iWallet des gleichnamigen US-Startups besitzt ein Karbongehäuse, das Geld, Kreditkarten oder Zugangsausweise fest umschließt. Wer es öffnen will, muss es über den eingebauten Fingerabdruck-Sensor öffnen.

Preis: ab 459 Dollar

Foto: Presse

Seit Edward Snowden mit der NSA-Affäre an die Öffentlichkeit gegangen ist und klar ist, in welchem Ausmaß auch private Nutzer durchsucht wurden, ist der Traffic auf der Seite massiv angestiegen. Auf Twitter teilte der DuckDuckGo-Gründer Daniel Weinberg mit: „Es dauerte 1445 Tage, bis wir bei einer Millionen Suchanfragen täglich waren, 483 Tage bis es zwei Millionen waren und nun nur acht Tage um drei Millionen Suchanfragen zu erreichen.“

Ähnlich erfolgreich sieht es bei der niederländischen Variante IXQUICK aus. Das Angebot bezeichnet sich selbst als die diskreteste Suchmaschine der Welt. Auch hier werden keine Daten gespeichert, außerdem steht eine geschützte SSL-Verbindung für die Anfragen zur Verfügung. Die Logdateien werden angeblich bereits nach 48 Stunden wieder vollständig gelöscht. IXQUICK kombiniert für die Suche mehrere Portale. Relevante Ergebnisse erhalten entsprechend mehr oder weniger Sterne.

WirtschaftsWoche Online Redakteur Tim Rahmann kommentiert, was die deutsche Politik gegen die Spionage tun muss.

Seit der PRISM-Affäre hat auch auf dieser Seite der Traffic massiv zugenommen. Vor Snowdens Enthüllungen wurden bei Ixquick 2,8 Millionen Suchbegriffe eingegeben – nun sind es binnen kürzester Zeit bereits knapp vier Millionen.

Im Vergleich zu mehr als einer Milliarde Suchanfragen am Tag auf Google sind das natürlich Peanuts. Dennoch zeigen die Zahlen, dass immer mehr User sensibilisiert sind – und nach Alternativen suchen.

E-Mail-Programme

Das gleiche gilt für entsprechende E-Mail-Programme. Hier lauert nicht nur die Gefahr der Datenspionage. Kostenfreie E-Mail-Dienste zahlen die Kunden mit ihren Daten, die dann an die Werbewirtschaft weiterverhökert werden. Entsprechend ist der E-Mail-Verkehr

Vor allem die Portale Posteo und AikQ haben einen erheblichen Zulauf. Bei dem Berliner Anbieter Posteo werden die Nachrichten standardmäßig verschlüsselt. Dabei bietet Posteo unterschiedliche Schlüssel zwischen 128 und 256 Bit an. Auf einer Internetseite können die Nutzer selber nachschauen, welche Schlüssel angeboten werden. Nicht alle Empfänger unterstützen das Format gleichermaßen, so dass zum Beispiel Mails an Adressen bei Hotmail, web.de, T-Online oder GMX bisher gar nicht verschlüsselt übertragen werden. Für Anbieter wie Posteo oder auch AikQ ist das besonders frustrierend, da somit die eigene saubere Verschlüsselung nichts mehr wert ist. Damit eine E-Mail von einem Ort zum anderen sicher übertragen wird, müssen sich die Server auf eine Verschlüsselung einigen. Lässt sich nur eine der Parteien darauf nicht ein, bringt die Mühe der anderen nichts.

Ein weiteres bekanntes sicheres Programm heißt Startmail, das gerade in der Testphase ist. Hier werden die Dateien mit einem 256-Bit-Schlüssel gesichert. Zum Einsatz kommt hier eine PGP-Technologie („pretty good privacy“). Der Start in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist für den Winter avisiert.

mlo
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