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Tracking-Apps Wenn Eltern das Handy der Kinder ausspähen

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Umstrittene Überwachung

Paula Honkanen-Schoberth ist Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes. Sie sagt, Programme zur Kontrolle von Smartphone-Aktivitäten „erzeugen eine Atmosphäre der Angst. Sie vermitteln das Bild einer gefährlichen Welt, in der nur Überwachung schützt.“ Tracking-Apps dagegen lehne sie nicht gänzlich ab. „Beim Spielen im Wald kann es tröstlich sein, zu wissen, dass ich das Kind orten kann“, sagt sie. „Aber das darf keine alltägliche Überwachung legitimieren.“ Die Eltern sollten zudem nicht die Technikkenntnisse ihres Nachwuchs unterschätzen: Es gibt zahlreiche Forenbeiträge und Videos mit Tipps, wie sich die Überwachung durchaus auch umgehen lässt.

Immerhin: Aus Sicht der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Andrea Voßhoff, verstoße es nicht gegen das Datenschutzgesetz, wenn Eltern ihre Kinder im Rahmen ihrer elterlichen Fürsorge – auch heimlich – überwachen. Die Infos blieben ja in der Familie.

Zustimmung zur Aussage: "Ich sehe meine Privatsphäre durch die Nutzung digitaler Technologien bedroht"

Weit kritischer sieht das Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, etwa wenn personenbezogene Daten des Kindes an Provider oder App-Anbieter übermittelt würden. Aus Sicht des Juristen sind Tracking- und Überwachungs-Apps zudem verfassungsrechtlich heikel. Ihre Nutzung könne die Persönlichkeitsrechte des Kindes verletzen, so Weichert: „Gerade in einem Alter, in dem Kinder eigenständig entscheiden können, sollten sich Eltern hüten, den Nachwuchs zu überwachen.“ Ob aus persönlichkeits- oder datenschutzrechtlichen Gründen: Theoretisch könne ein Kind seine Eltern verklagen. Dann müssten Gerichte urteilen. Keiner der befragten Juristen aber kennt bisher einen solchen Fall.

Digitale Welt



Gut abwägen sollten Eltern auch aus psychologischer Sicht, ob sie ihr Kind virtuell überwachen, sagt Professor Peter Fischer, Dekan der Fakultät für Psychologie, Pädagogik und Sportwissenschaft an der Universität Regensburg. Er könne die Ängste der Eltern nachvollziehen. Sowohl Tracking als auch die Handyüberwachung finde er grundsätzlich sinnvoll. Er warnt aber auch: „Das Gefühl der Kontrolle kann süchtig machen. Eltern müssen sich immer wieder bewusst machen, dass es keine absolute Sicherheit geben kann.“ Auch für Kinder sei es nicht gut, wenn Eltern wie Helikopter um ihren Nachwuchs kreisten. „Die Gefahr ist, dass sie ängstlich werden – oder sich selbst zu wichtig nehmen.“

Theos Vater Andreas Flemm versichert denn auch, er prüfe nicht permanent auf dem Smartphone, wo sich sein Sohn gerade aufhält. Und er möchte seinen Sohn auch nicht aus der Eigenverantwortung nehmen: „Wir haben ihn so erzogen, dass er uns sagt, wohin er geht.“

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