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Was mit Social Media Profilen nach dem Ableben passiert Wie das Internet den Tod verändert

Fast jeder Mensch führt heutzutage ein virtuelles Leben im Internet. Mit E-Mails, Blog-Einträgen, Filmen, Musik, Fotos, Crowdfunding oder Social Networks - auf unterschiedliche Art hinterlassen wir unsere Spuren im World Wide Web. Immer stärker stellt sich daher die Frage, was nach unserem Ableben mit dem digitalen Erbe geschehen soll. Denn eines ist sicher: Das Internet hat nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch den Tod massiv beeinflusst.

Diese Netzwerke sind am bekanntesten
Das Netzwerk Facebook kennen 96 Prozent der Deutschen. Quelle: REUTERS
Das Video-Portal Youtube ist 87 Prozent der Deutschen ein Begriff. Quelle: dapd
Den Kurznachrichtendienst Twitter kennen immerhin 80 Prozent der Deutschen, gefolgt von Werkenntwen.de (72 Prozent) und Stayfriends (71 Prozent). Quelle: dpa
Einst waren die VZ-Netze deutlich bekannter als Facebook. Heute liegt das StudiVZ bei 69 Prozent, das SchülerVZ bei 68 Prozent und MeinVZ bei 58 Prozent. Quelle: dpa
MySpace ist 58 Prozent der Deutschen ein Begriff. Quelle: dpa
62 Prozent der Deutschen kennen laut Umfrage MyVideo. Quelle: dpa
Das Karriere-Netzwerk Xing kennen 56 Prozent der Deutschen. Damit liegt das Portal nur knapp hinter Lokalisten.de (55 Prozent). Quelle: dpa

Einer, der sich darüber viele Gedanken gemacht hat, ist Jörg Eisfeld-Reschke. Der 28-Jährige ist der Gründer des Instituts für Kommunikation in sozialen Medien. Am 28. September wird er im Rahmen der Social Media Week in Berlin einen Vortrag zu dem Titel “Wie das Internet den Tod verändert” halten. Das Thema hat ihn von heute auf morgen gepackt, nachdem ein guter Freund plötzlich gestorben ist.

Auf einmal stand die Frage im Raum, was mit den Profilen des Verstorbenen passieren soll. “Ein paar enge Freunde und ich haben uns gefragt, was in seinem Sinne gewesen wäre”, erzählt Jörg Eisfeld-Reschke. Am Ende sei man zu dem Schluss gekommen, die “Digitale Persona” am Leben zu erhalten. “Ich war seitdem dreimal an seinem Grab, aber duzende Male auf seinem Facebook-Profil.” Ein Stück weit lebe der Freund dort weiter. “So behalte ich ihn lebendig und positiv in Erinnerung.” Das Internet ist zu einer Stätte der Trauerverarbeitung geworden.

Digitale Trauerarbeit

Seit diesem Erlebnis beschäftigt sich der 28-Jährige intensiv mit dem Tod im Internet. Dabei ist ihm aufgefallen, dass sich weder die Social-Media-Unternehmen noch die User wirklich mit dem Tod auseinandersetzen. „Dabei gibt es heute über den Tod hinaus viele Möglichkeiten das Internet zu nutzen“, sagt er und zählt einige auf.

Da ist zum Beispiel der Anbieter “My last will”. Hier lässt sich im Netz eine Nachricht eintragen, die erst nach dem Tod via Twitter veröffentlicht wird. Ähnlich funktioniert DeadSoci.al. Hier können Facebook-User einen letzten Gruß aus dem Jenseits über ihre Facebook-Timeline schicken. Außerdem gibt es dank Fundraising ganz neue Möglichkeiten einen Nachruf zu gestalten. Wie in normalen Traueranzeigen, können Hinterbliebene so über das Internet zum Beispiel zu einer Spende an eine Organisation aufgerufen werden. Der Vorteil hierbei: Die Summe kann direkt per paypal, Kreditkarte oder anderen elektronischen Wegen überwiesen werden kann.

Merkregeln für sichere Passwörter

„Das sind ganz neue Möglichkeiten, über die sich bisher ein Großteil der Gesellschaft kaum Gedanken macht”, sagt Jörg Eisfeld-Reschke. Überhaupt wird beim Einrichten von Blogs, Profilseiten oder E-Mail-Accounts selten nachgedacht. Meist sind die User sehr schnell dabei auf den OK- oder Weiter-Button zu drücken, ohne sich das Kleingedruckte in dem jeweiligen Vertrag durchzulesen. Dass alles was wir uns im Netz einrichten, nach unserem Tod von Hinterblieben betreut, gepflegt oder gelöscht werden muss, wird bisher kaum bedacht. Dieses digitale Erbe kann zur echten Belastung werden. Vor allem wenn klare Wünsche nicht geäußert und Passwörter nicht hinterlegt wurden.

Wie viele Verstorbene in Deutschland noch ein Social-Media-Profil haben, ist nicht seriös zu erfassen. Schließlich ist nicht zu unterschieden, ob jemand tot oder einfach inaktiv ist. Doch künftig wird wohl fast jeder einmal mit der Frage konfrontiert werden, was zum Beispiel mit der Facebookseite eines Freundes oder Verwandten passieren soll - wie Jörg Eisfeld-Reschke.

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