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GamechangerEin digitaler Zwilling der Menschheit als Patient

Ideen, die unsere Welt ­ver­ändern und verbessern. Wir stellen sie vor. Diesmal: Milliarden Bilder und Datensätze aus dem Körperinneren.Celine Imensek 04.08.2025 - 13:08 Uhr
Mithilfe von vielen Millionen Körperscans im Digitalarchiv der UK Biobank können
Ärztinnen und Ärzte die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten analysieren. Foto: Getty Images/Image Source

Die Idee

Um Krankheiten frühzeitig erkennen und behandeln zu können, müssen Ärzte ihre Ursachen und Verläufe im menschlichen Organismus verstehen. Dabei ausschlaggebend: Erfahrung. Wenn eine Hautärztin Hunderte Melanome untersucht hat, weiß sie, wie Hautkrebs in verschiedenen Stadien aussehen kann. Das verbessert ihre Fähigkeit, künftigen Patienten zu helfen.

Doch wie schafft man es, allen Medizinerinnen und Medizinern mehr Erfahrung zur Verfügung zu stellen als ein einzelner Mensch sie je für sich sammeln könnte? Ganz einfach: Man stellt zig Millionen MRT-Bilder, Blutprobenwerte, Ultraschallaufnahmen und Angaben zum Lebensstil von Tausenden Menschen in eine gigantische Datenbank – und macht sie weltweit verfügbar.

Die Köpfe

UK Biobank arbeitet an solch einer einzigartigen Datensammlung bereits seit Jahren. Die Organisation, die öffentlich und privat gefördert wird, zählt zu den bedeutendsten biomedizinischen Datenbanken weltweit. Leitender Forscher und Geschäftsführer der UK Biobank ist Sir Rory Collins, Professor für Medizin und Epidemiologie der British Heart Foundation an der Universität Oxford.

Die Umsetzung

Seit 2006 hat ein Team aus Ärzten, Datenexperten und Radiologen medizinische Daten von 500.000 Freiwilligen gesammelt, um sie der Welt kostenfrei zur Verfügung zu stellen. 100.000 Probanden hat die UK Biobank seit 2014 erneut untersucht: Dabei haben die Mediziner pro Proband 12.000 MRT-Aufnahmen von Gehirn, Herz und Bauchraum erstellt, die Knochendichte und den Körperfettanteil gemessen, Blutproben genommen, per Ultraschall die Arterien gescannt sowie das Gewicht, die Größe und die Griffkraft der Probanden erfasst. Und jeder Teilnehmer gab abermals detailliert Auskunft zu seinem Lebensstil.

Die zusätzlichen Informationen sollen noch dieses Jahr allen für den Zugriff auf die Datenbestände der Biobank zugelassenen Forschern zur Verfügung gestellt werden. Sie können die Daten dann nutzen, um die Diagnostik und Therapie von Leiden wie Krebs und Demenz weiter zu verbessern.

Aber auch das ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer Art digitalen Doppelgänger der Menschheit als Patient. Denn seit 2022 und noch bis 2029 untersucht das Biobank-Team 60.000 Probanden mindestens zwei Jahre nach ihrem letzten Termin ein drittes Mal. Ziel auch dieser Studie: Verläufe von Krankheiten noch besser verstehen.

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