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Länger Leben Diese Ameise wird nie älter

Den Alterungsprozess zu bremsen ist das Ziel vieler Forscher. Tierversuche verliefen bereits erfolgversprechend. Biologen aus Boston haben jetzt eine Ameisenart untersucht, die nicht altert.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt erforschen den menschlichen Alterungsprozess schon seit Jahren. Ihre Ergebnisse in Tierversuchen werden immer konkreter und sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Noch lassen sie sich aber kaum auf Menschen übertragen, wie zwei aktuelle Beispiele aus den USA zeigen.

So konnten Biologen der Universität Boston vor Kurzem in einer Studie zeigen, dass die Arbeiterameisen der Art Pheidole dentata während ihres rund 140 Tage langen Lebens nicht altert. Die Forscher beobachteten hunderte Ameisen jeweils über einen Zeitraum von vier Monaten. Im Anschluss untersuchten sie die Tiere, um herauszufinden, ob sie ähnliche altersbedingte Phänomene wie Menschen aufweisen, wie zum Beispiel eine erhöhte Anzahl abgestorbener Gehirnzellen, ein geringeres Vorkommen von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin oder eine schlechtere Leistung bei Alltagsaufgaben.

Tiere, die im Alter fit sind

"Uns war klar, dass die Ameisen am Anfang viel lernen müssen. Also hatten wir eine ganz normale Kurve für diese Funktionen erwartet: Eine die ansteigt und dann wieder fällt, genau wie bei uns Menschen", sagt James Traniello, einer der Studienautoren. Mit diesen Vermutung lagen die Forscher aber ziemlich daneben. Bis zu ihrem Tod sei kein Leistungsabfall anhand der untersuchten Parameter festzustellen. Ganz im Gegenteil: Mit dem Alter seien die Insekten immer aktiver geworden.

Wie es die Insekten schaffen den Alterungsprozess zu umgehen, können die Forscher bisher nicht sagen. Ebenso unklar ist, woran und warum die "Anti-Aging-Ameisen" dann schlussendlich sterben. Möglich ist, dass die Ameisen durch ihr hochentwickelte Gesellschaftsorganisation das Gehirn effizienter nutzen können. Das seien aber nur Vermutung. Insgesamt müsse noch weiter geforscht werden, bis für den Menschen wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden könnten, heißt es.

Ganz ähnlich ist eine aktuelle Studie von Molekularbiologen aus Minnesota zu bewerten, die im Fachmagazin "Nature" veröffentlich wurde. Sie haben untersucht, welchen Einfluss sogenannte seneszente Zellen - alte Zellen, die nicht mehr in der Lage sind, sich zu teilen und in Verbindung mit Alterserkrankungen wie Diabetes stehen - haben. "Wir haben vermutet, dass diese Zellen schädlich sind, wenn sie sich anhäufen", sagt Darren Baker, einer der Studienautoren.

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Die Forscher hatten die Mäusen eine bestimmte Substanz gespritzt, die dazu führt, dass die alten Zellen absterben. Dieser Schritt habe unter anderem dazu geführt, dass sich die Lebensspanne der Mäuse um bis zu 30 Prozent erhöht habe und Organe wie Herz und Nieren besser funktioniert hätten. Ähnliche, lebensverlängernde Maßnahmen gelingen bereits auch bei anderen Tieren, zum Beispiel bei der Taufliege.

Inwiefern beispielweise wir Menschen von diesen Ergebnissen profitieren könnten, bleibt Gegenstand weiterer Forschung. Die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer in Deutschland beträgt 77 Jahre, für Frauen knapp 83 Jahre. Die Zahlen steigen kontinuierlich und mit ihnen nehmen die Belastungen für das Gesundheitssystem zu. Denn typische Alterserkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Altersdemenzen und Gelenkschäden treffen immer mehr Menschen, bis 2060 soll sich die Zahl der Pflegefälle in Deutschland verdoppelt haben.

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