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Medizintechnik Herzinfarkte aus den Arterien bürsten

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Pflaster statt Tabletten

Johnson & Johnson won U.S. approval to sell Ortho Evra, the first contraceptive skin patch. Quelle: REUTERS

Bisher werden die meisten Medikamente geschluckt. Doch auch in der Pharmaindustrie hat sich herumgesprochen, dass sich viele Arzneimittel über Hautpflaster einfacher und schonender in den Körper verfrachten lassen – und dabei viel weniger Wirkstoff benötigen. Die von SHS finanzierte Firma AMW (Arzneimittelwerk Warngau) in der Nähe Münchens hat diese Erkenntnis zum Anlass genommen, ein sogenanntes transdermales Pflaster mit vollelektronischer Steuerung zu entwickeln. „Unsere Pflaster lassen sich mit einem Sender an- und ausschalten“, sagt AMW-Gründer und Chef Wilfried Fischer. So kann ein Patient, der genau weiß, dass ihn vor allem am späten Nachmittag und in der Nacht chronische Schmerzen quälen, das Pflaster vormittags ausknipsen. Er schaltet es erst dann ein, wenn er den Wirkstoff wirklich braucht.

Der Trick dabei: Das Pflaster besteht aus zwei elektrisch leitenden Kunststofffolien. Wird per Knopfdruck Spannung an die Folien angelegt, bewegt sich der Wirkstoff zur unteren, negativ geladenen Folie. Und weil diese Folie wie ein Sieb aufgebaut ist, kann das Medikament dort nun in die Haut eindringen. Ohne elektrische Spannung bleibt das Wirkstoffpflaster inaktiv. Die Verkabelung des Pflasters hat aber nicht nur den Effekt, dass der Patient das Medikament gezielter aufnehmen kann. Mithilfe des Stroms lässt sich das Pflaster auch regelrecht leerpumpen, sagt Fischer: „Ohne diese Technik bleiben oft noch große Mengen des wertvollen Wirkstoffs ungenutzt im Pflaster zurück.“

Das aber sei nicht nur Verschwendung – es führe auch dazu, dass Drogenabhängige sich die Pflaster ganz gezielt aus dem Müll von Kliniken suchten und noch vorhandenes Betäubungsmittel quasi auslutschten.

Welch große Erwartungen die Branche an den Pflastermarkt knüpft, zeigt die Bieterschlacht um LTS Lohmann. Das Unternehmen aus dem Rheinanlieger-Städtchen Andernach, das 1100 Mitarbeiter beschäftigt, ist nicht nur Weltmarktführer für transdermale Pflaster. Es steht auch zum Verkauf. Investoren vom japanischen Pharmakonzern Hisamitsu Pharmaceutical über Beteiligungsfirmen wie Blackstone, EQT, CVC, Nordic Capital und der Finanzinvestor KKR haben Insidern zufolge Kaufsummen bis zu 1,3 Milliarden Euro geboten.

Ähnlich spektakuläre Erfolge wie die Hautpflaster könnte bald auch eine ganz neue Technik zum Heilen von Knochenbrüchen feiern. Ausgedacht hat sie sich das Unternehmen IlluminOss: Statt Knochen mit Nägeln und Schrauben zusammenzuflicken und von außen mit Gips oder Metallstäben zu fixieren, schient IlluminOSS die Knochenbrüche von innen. Und das funktioniert so: In jedem Knochen befindet sich ein großer Hohlraum. Den füllt der Chirurg mit einem flüssigen Kunststoff aus. Dazu spritzt er das Material mit einer Kanüle ins Knocheninnere. Dann belichtet er den Flüssigkunststoff. Das Licht löst eine chemische Reaktion aus – und der Kunststoff wird beinhart. Der Vorteil: Weil die Patienten dank der Kunststofffüllung in den Knochen nur zwei statt sechs Tage in der Klinik liegen und anschließend kein Gips entfernt oder Nägel gezogen werden müssen, spart das Knochenflicken von innen immens Kosten.

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