Planetary Resources Der Weltraum ist ein riesiges Rohstofflager

Die Nasa-Mission Osiris-Rex soll erstmals Material von einem Asteroiden holen. Chris Lewicki plant längst Größeres: Der Chef des Start-ups Planetary Resources will Rohstoffe im All gewinnen – und die Erde vermessen.

Quelle: Getty Images

WirtschaftsWoche: Herr Lewicki, die Nasa will den Asteroiden Bennu erforschen. Er gilt als Gefahr für die Erde, kann Kontinente verwüsten. Sie dagegen sehen Asteroiden als Chance für die Menschheit. Warum?

Chris Lewicki: Die Nasa besucht Bennu aus vielen Gründen. Die Abwehr von gefährlichen Asteroiden ist einer davon; ein anderer ist, seine Rohstoffe zu studieren. Wir gehen davon aus, dass Asteroiden einen der wertvollsten Rohstoffe im All enthalten. Und an den wollen wir ran.

Gold? Diamanten?

Wasser. Es gehört zu den wichtigsten Dingen, die Sie dabeihaben sollten auf einer Raumstation, auf dem Mond oder dem Mars – zum Trinken, Kochen und Atmen von Sauerstoff. Außerdem schützt Wasser Sie vor gefährlicher Strahlung. Wie in Kernkraftwerken, wo Wasser die Radioaktivität der Brennstäbe abschirmt.

Zur Person

Warum nicht Wasser von der Erde mitnehmen?

Weil der Transport per Rakete extrem teuer ist. Das Gleiche gilt für Treibstoff. Wenn wir Wasser von Asteroiden gewinnen, können wir Treibstoff daraus produzieren – und Zapfsäulen im All bauen. Raumschiffe könnten weiter ins All reisen als je zuvor.

Ein tollkühner Plan. Womöglich zu tollkühn?

Viele Regierungen glauben daran. Luxemburg hat im Frühjahr eine 200 Millionen Euro starke Initiative für den Weltraumbergbau gestartet, bei der wir Partner sind. Und die USA haben ein Gesetz für die Vergabe von Schürfrechten im All verabschiedet.

Das internationale Weltraumrecht

Sie haben vergangenes Jahr ein Weltraumteleskop zum Test in den Orbit geschickt. Was ist das Ziel?

Wir suchen Asteroiden, die es lohnt, näher zu untersuchen. Mit Wärmebildkameras und Infrarotsensoren – ähnlich wie in Nachtsichtgeräten – fahnden wir nach Hinweisen auf Wasser. Wir arbeiten zusammen mit der Nasa auch an Sensoren, die anhand des reflektierten Lichts genau erfassen, woraus ein Asteroid besteht. Die Technik wird uns bald auch auf der Erde nützlich sein.

Wie das?

Wir bringen 2018 eine Flotte von Satelliten in den Erdorbit, die die Erde überwachen. Mit der Nasa arbeiten wir daran, schädliche Algenblüten im Wasser von harmlosen zu unterscheiden. Gerade haben wir auch eine Partnerschaft mit Bayer gestartet, um Landwirte mit Informationen aus dem All zu versorgen. Landwirtschaft ist ein Drei-Billionen-Dollar-Geschäft, das sich zunehmend digitalisiert.

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