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SpaceX gegen VirginWettkampf um das WLAN aus dem Weltall

Die Milliardäre Elon Musk und Richard Branson vernetzen den Planeten neu. Eine Armada Tausender Satelliten soll das Web auch in den letzten Winkel der Erde bringen.Andreas Menn 28.01.2015 - 17:48 Uhr

Elon Musk und Richard Branson wollen mit einer Armada Tausender Satelliten den Planeten neu vernetzen.

Foto: Presse

Menschen gegen Borgs, Jedis gegen Siths: Das All war schon immer ein beliebter Schauplatz für Duelle zweier Mächte – zumindest im Kino. Der jüngste Wettstreit spielt im Orbit der Erde, vor unserer Haustür also. Seine Protagonisten sind dieses Mal keine Filmfiguren, sondern zwei Milliardäre: Elon Musk, Gründer des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX und der Elektroautoschmiede Tesla Motors, gegen Richard Branson, Chef der britischen Virgin-Gruppe.

Beide sind in den vergangenen Jahren ins All aufgebrochen. Musk mit Raketen, die Fracht zur Internationalen Raumstation ISS liefern; Branson mit einem Gleiter, der Touristen und Satelliten in die Schwerelosigkeit bringen soll. Nun gehen die Weltraum-Visionäre in die Vollen: Sie wollen jeweils riesige Satellitenflotten betreiben, die den Planeten mit Drahtlos-Internet versorgen.

Drei Projekte wollen das Internet in den letzten Winkel der Welt bringen
Gründer: Elon MuskInvestoren: Google u. a.Zahl der Satelliten: bis zu 4000 (geplant)Flughöhe: 1.200 kmInvestitionsvolumen: 10 MilliardenStart: 2020
Gründer: Greg WylerInvestoren: Virgin Group, QualcomZahl der Satelliten: 648 (geplant)Flughöhe: 1.200 kmInvestitionsvolumen: 2 Milliarden (geplant)Start: 2018
Gründer: Greg WylerInvestoren: Google u. a.Zahl der Satelliten: 12Flughöhe: 8.000 kmInvestitionsvolumen: unbekanntStart: 2013

„Wir bauen das Internet im All nach“, verkündete Musk vor wenigen Tagen auf einer SpaceX-Veranstaltung in Seattle. Bis zu 4.000 Kommunikationssatelliten will er in den Himmel schießen. Das wären dreimal so viele, wie derzeit insgesamt in Betrieb sind. Langfristig soll sein fliegendes Netzwerk mehr als die Hälfte des interkontinentalen Datenverkehrs schultern – und jene 4,3 Milliarden Menschen ins Web bringen, die laut dem Verband International Telecommunication Union (ITU) bis heute offline sind.

Am Mittwoch stellte der Unternehmer zwei mächtige Investoren für sein Projekt vor: Google und der Finanzier Fidelity Investments stiegen mit insgesamt einer Milliarde Dollar bei SpaceX ein. Langfristig, erklärte Musk, wolle er zehn Milliarden Dollar in seine Satellitenarmada stecken und 1000 Mitarbeiter anheuern.

Kleine Späher: Billige, kompakte Satelliten erobern in Massen das All. So wie die des Start-ups Planet Labs, mit denen es die gesamte Erde beobachtet.

Foto: Presse

Nur wenige Tage zuvor hatte Branson ähnliche Pläne vorgestellt. Der Chef von Virgin Galactic investiert zusammen mit dem kalifornischen Chiphersteller Qualcom in das britische Start-up OneWeb. Das Ziel: eine Flotte von 648 Internet-Satelliten. Der Preis: zwei Milliarden Dollar.

Der Wettlauf privater Unternehmen in den Weltraum, der in den Neunzigerjahren losging, ist damit so spannend wie lange nicht mehr. Der Einstieg von Google bei SpaceX zeigt, dass die junge Branche nun auch die ganz großen privaten Investoren lockt. Vor allem aber könnte das Satelliten-Internet das erste wirklich sinnvolle Großprojekt der privaten Raumfahrer werden.

Bisher ging es den meisten Anbietern darum, Nutzlast preiswert ins All zu fliegen. Doch was die vielen Weltraumfähren überhaupt befördern sollen, blieb vage. Menschen zum Mars? Gerät zum Goldschürfen auf Asteroiden? Bisher reine Visionen. Nun aber, mit seinem Datennetzwerk im Orbit, schafft sich Musk seine eigene Nachfrage. Sein Satellitenprojekt könnte Hunderte Raketenstarts erfordern.

Kreuzfahrer als Pioniere

Branson wiederum erschließt sich mit dem Satelliteninvestment eine zweite Erlösquelle für seine Raketenflieger. Dessen Touristenfähre SpaceShipTwo war Ende Oktober bei einem Test zerschellt. Sie startete von einem Trägerflugzeug in 15 Kilometer Höhe – genauso wie es der Transporter namens LauncherOne künftig tun soll, den Bransons Ingenieure entwickeln. Er soll Kleinsatelliten ins All bringen.

Tesla ins All

Der schillernde Unternehmer will im Januar einen Tesla in die Mars-Umlaufbahn schicken. Das kündigte Musk am Wochenende auf Twitter an. Sein eigener roter Roadster solle dort „eine Milliarde Jahre lang“ kreisen und dabei „Space Oddity“ von David Bowie spielen. Motto der Aktion: „Rotes Auto für einen roten Planeten.“ Der Start, der von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX durchgeführt wird, ist zugleich ein wichtiger Test der neuen Rakete „Falcon Heavy“.

Foto: dpa

„Big Fucking Rocket“

Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX will Menschen bereits in sieben Jahren per Rakete auf den Mars schicken. Das Hatte Musk im September 2017 beim Internationalen Astronauten-Kongress im australischen Adelaide angekündigt. SpaceX plane derzeit die Entwicklung einer Mega-Rakete namens „Big Fucking Rocket“ (BFR), die frühestens 2024 ein bemanntes Raumschiff mit Platz für bis zu 120 Menschen auf den Roten Planeten bringen soll. Bereits 2022 würden zwei Raumschiffe technische Ausrüstung auf den Mars bringen, um das Überleben von Menschen zu ermöglichen, sagte Musk. Die Mars-Pläne von Musk sind nicht ganz neu. Bereits Ende September 2016 hatte er eine Besiedlung geplant.

Foto: SapceX,AP

Mehrweg-Raketen
Es gilt als Meilenstein der Raumfahrt: Im Dezember 2015 kehrt mit der „Falcon 9“ erstmals eine Trägerrakete nach einer Mission heil und aufrecht zum Startplatz auf die Erde zurück. Nachdem sie elf Kommunikationssatelliten im All ausgesetzt hat, beschreibt sie in etwa die Bahn eines Kugelschreibers, der sich in der Luft um 180 Grad dreht. Auf dieser Kurve fliegt die „Falcon 9“ zurück und landet elf Minuten nach dem Start wieder in Florida. Im April 2016 bringt die „Falcon 9“ erstmals einen Frachter auf den Weg Richtung Raumstation ISS. Zuvor waren einige Versuche gescheitert.

Foto: dpa

Autopilot
Seit Oktober 2015 lässt der Elektroauto-Hersteller Tesla, an dessen Spitze Musk steht, seine Fahrzeuge automatisch die Spur und den Abstand halten. Außerdem sollen sie auch die Spur wechseln und einparken können. Kritik kommt an dem Fahrassistenz-System, als einige Monate später der erste Mensch bei einem Unfall in einem vom Computer gesteuerten Auto stirbt.

Foto: REUTERS

Autonomes Fahren
Im Oktober 2016 teilt Tesla mit, dass das Unternehmen als erstes in der Branche alle seine künftigen Fahrzeuge zu selbstfahrenden Wagen machen will. Dafür werden neu gebaute Autos mit der nötigen Technik für komplett autonomes Fahren ausgerüstet.

Foto: REUTERS

Super-Ladestationen
Die sogenannten „Supercharger“ brauchen rund 75 Minuten, um einen Tesla-Akku komplett aufzuladen und eine halbe Stunde für eine halbe Ladung. Ende 2017 gibt es laut Tesla 1.043 Supercharger-Stationen mit 7.496 Ladeplätzen.

Foto: REUTERS

Hyperloop
Mit einer „Hyperloop“ genannten Röhre will Musk irgendwann in der Zukunft per Unterdruck Passagiere mit nahezu Schallgeschwindigkeit wie eine Art Rohrpost transportieren. Im August 2013 stellt er seine Pläne für auf Luftkissen schwebende Kapseln vor. Das Vorhaben berechnet er mit bis zu 7,5 Milliarden US-Dollar.

Foto: REUTERS

Schon nächstes Jahr, so der Plan, wird die schwebende Abschussbasis in Dienst gehen, die ersten Internet-Satelliten könnten dann 2018 um die Erde kreisen. Musk wiederum will 2020 die ersten fliegenden Funkstationen in den Orbit schicken. Aber gibt es überhaupt eine Nachfrage nach WLAN aus dem Weltall? Und rechnen sich die milliardenschweren Projekte am Ende?

Wer Antworten dazu sucht, sollte vielleicht eine Kreuzfahrt buchen. Auf der Oasis of the Seas etwa, einem der größten Touri-Dampfer der Welt, können die 6.000 Gäste auch auf hoher See in der Karibik per WLAN schnell und bequem im Web surfen. Betreiber Royal Caribbean verbindet das Schiff dazu via Satellit mit dem Internet.

Im Jahre 2013 schickte Planet Labs die ersten Satelliten zu Testzwecken ins All. Sie konnten ihre Mission erfolgreich abschließen und lieferten dem Startup erste Bilder.

Foto: Planet Labs Inc.

Mit den Bildern der Mikro-Satelliten will das Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, die Welt besser zu verstehen.

Foto: Planet Labs Inc.

Die Satelliten ermöglichen die Aufnahme von hochauflösenden Bildern der Erde. Diese sollen sogar helfen Naturkatastrophen oder Waldbrände besser zu bewältigen.

Foto: Planet Labs Inc.

Bereits die Bilder der ausgesandten Test-Satelliten Dove 1 und Dove 2 sind detailreicher und insbesondere aktueller als die Fotos bei Google Earth.

Foto: Planet Labs Inc.

Noch in diesem Jahr will das Startup unter dem Namen "Flock 1", einen Schwarm aus 28 Mini-Satelliten ins All schicken.

Foto: Planet Labs Inc.

Datenschützer halten die Bilder der neuen Mini-Satelliten für eine Bedrohung der Privatsphäre. Juristisch gesehen sind die Bilder mit einer Auflösung von mehr als 20 Zentimeter pro Pixel zunächst jedoch nicht bedenklich. Ein Problem könnte durch die hohe Frequenz der Abbildungen entstehen, aus der sich personenbezogene Informationen ableiten lassen.

Foto: Planet Labs Inc.

Die Bits und Bytes aus dem Weltall liefert der europäische Anbieter O3b. Das Kürzel steht für „Other 3 billion“ – den Plan also, den „übrigen drei Milliarden“ Menschen Zugang zum Internet zu verschaffen, für die es bisher keine Angebote gab. Zwölf Satelliten hat O3b in 8.000 Kilometer Höhe verfrachtet. Von dort versorgt jeder von ihnen eine Kreisfläche mit einem Durchmesser von 700 Kilometern auf der Erde mit Daten. Fliegt der Satellit weiter um die Erde, übernimmt sein nächster Kollege die Übertragung.

Traumschiff-Kapitän: Virgin-Chef Richard Branson will Touristen ins All befördern – und baut eine fliegende Raketenbasis.

Foto: Reuters

Um das Internet von O3b zu empfangen, installieren lokale Netzbetreiber eine mannshohe Satellitenschüssel. Einmal aufgebaut, lassen sich auch mitten in der Wildnis problemlos datenmächtige Netflix-Serien anschauen. Denn die ersten acht Satelliten von O3b erreichen zusammen immerhin eine Übertragungsrate von 84 Gigabit pro Sekunde – das entspricht der Datenmenge von mehr als zwei DVDs.

Neben Royal Carribean hat O3b Kunden in Entwicklungsländern. Etwa einen Mobilfunknetzbetreiber auf Palau, einer Ansammlung von 250 Inseln im Pazifik mit 21.000 Bewohnern. Auch Juba, die Hauptstadt des Südsudans, nutzt den Dienst. O3b will weitere Kunden in der Schifffahrts- und Offshore-Industrie gewinnen, die etwa Bohrinseln im Golf von Mexiko betreiben.

Tesla-Gründer Elon Musk ist bekennender Raumfahrt-Enthusiast. Sein 2002 gegründetes Unternehmen SpaceX gehört heute zu den wichtigsten Partnern der Nasa.

Foto: REUTERS

Mit dem unbemannten Raumtransporter Dragon versorgt SpaceX im Auftrag der Nasa die Raumstation ISS mit Vorräten. Die Dragon-Kapsel ist aber auch mit Blick auf einen möglichen bemannten Einsatz konzipiert worden.

Foto: dapd

Die Dragon V2 - hier eine Computer-Illustration - soll bis zu sieben Astronauten gleichzeitig ins All befördern können.

Foto: dpa

Bei der Rückkehr zur Erde soll die Dragon-Kapsel in aufrechter Position landen können.

Foto: dpa

Ins All befördert werden soll die Raumkapsel durch die ebenfalls von SpaceX entwickelte Trägerrakete Falcon 9, mit der bereits die unbemannten Dragon-Kapseln in den Weltraum geschossen werden.

Foto: dpa

Bei Boeing plant man mit der bereits in der Erprobung befindlichen Raumkapsel CST-100. Die Illustration zeigt das Raumschiff bei der Annäherung an die Raumstation ISS.

Bild: Boeing

Foto: Handelsblatt

Das CST-100 (die Buchstaben stehen für Crew Space Transportation) soll ebenfalls bis zu sieben Raumfahrer ins All befördern.

Foto: Handelsblatt

Blick ins Innere eine CST-100-Prototypen. Wie die Apollo-Raumschiffe der 60er- und 70er-Jahre, an deren Entwicklung Boeing beteiligt war, wird das CST-100 aus einem Mannschafts- und einem Service-Modul bestehen.

Foto: REUTERS

Auch die Landung ähnelt der in den Apollo-Missionen umgesetzten Technik: An riesigen Fallschirmen schwebt die Raumkapsel nach ihrer Rückkehr aus dem All zur Erde.

Foto: Handelsblatt

Anders als bei Apollo ist allerdings keine Landung im Meer geplant. Stattdessen sollen riesige Airbags den Aufprall so weit abmildern, dass die Kapsel auf dem Festland niedergehen kann. Dadurch würde die aufwendige Bergung von Crew und Kapsel durch US-Kriegsschiffe entfallen.

Foto: Handelsblatt

Bislang erprobt wurden die Triebwerke der CST-100 sowie das Landemanöver. Ein erster unbemannter Testflug ins All ist für Anfang 2017 geplant.

Foto: AP

Die Firma wird damit zum Wettbewerber des französischen Kommunikationsunternehmens Eutelsat, des US-Anbieters Iridium oder der britischen Inmarsat. Letztere zeigt, wie lukrativ das Geschäft sein kann: In den ersten drei Quartalen 2014 hat Inmarsat 953 Millionen Dollar Umsatz gemacht – und ein operatives Ergebnis von 324 Millionen Dollar erzielt.

Solche Renditen locken neue Anbieter Zudem hat sich „die Technik für schnelle Datenverbindungen im All in den vergangenen zehn Jahren enorm weiterentwickelt“, sagt Tom Stroup, Präsident des US-Verbands Satellite Industry Association. Seit Kurzem sei Internet via Satellit eine Boom-Branche.

Vorsprung durch Erfahrung

Einer ihrer führenden Köpfe ist O3b-Gründer Greg Wyler. Der arbeitete Berichten zufolge einige Monate lang an einer Satellitenflotte für Google, einem der Geldgeber des Start-ups. Doch offenbar kam es zum Zerwürfnis. Im September verließ er O3b. Nun ist er der Mann hinter dem neuen Spieler OneWeb, das Branson finanziert.

Google-Chef Larry Page ließ sich davon nicht beirren und setzt nun auf SpaceX als weiteren Partner. Wer den neuen Markt der fliegenden Funkstationen dominieren wird – SpaceX, OneWeb oder O3b –, das ist die große Frage.

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Wyler hat in OneWeb offenbar wertvolle Lizenzen für bestimmte Funkfrequenzen eingebracht. SpaceX darf diese Frequenzen nicht nutzen. Darum will Musk nun Berichten zufolge zumindest teilweise auf Laser als Übertragungsmittel setzen.

Vor allem aber dürften die Kosten für Bau und Transport der Satelliten darüber entscheiden, wer das Rennen für sich entscheidet. Manches spricht für SpaceX-Chef Musk. Seine Ingenieure haben bereits Erfahrung mit Solarzellen für die Energieversorgung im All und mit Systemen für die Navigation im Weltraum.

Zudem haben sie jahrelang daran gearbeitet, die preiswerteste Rakete ihrer Klasse zu fertigen. Pro Flug ihrer Falcon-9 kassieren die Kalifornier derzeit 56 Millionen Dollar. Aber auch das ist Musk noch viel zu teuer. Darum entwickelt er eine wiederverwendbare Raketenstufe: Nach dem Flug ins All soll sie zum Startplatz zurückkehren. Die Mehrweg-Rakete könne die Kosten pro Start auf unter sieben Millionen Dollar drücken. Doch ähnlich wie Branson musste auch Musk zuletzt einen Rückschlag hinnehmen. Bei einem Test der Rückkehrtechnik stürzte die Raketenstufe vor Kurzem ins Meer.

Schon heute entstehen im SpaceX-Werk in Hawthorne bei Los Angeles die 68 Meter hohen Falcon-9-Geschosse gewissermaßen in Fließbandfertigung. Diese kostengünstige Massenproduktion will Musk nun auf den Bau von Erdtrabanten übertragen und zieht dafür in Seattle eine neue Fabrik hoch. „Manche Satelliten kosten mehr als Raketen“, sagte er bei Bekanntgabe seiner Pläne in der Westküstenstadt. „Wenn wir die Nutzung des Alls revolutionieren wollen, müssen wir sie neu erfinden.“

Gedränge im Orbit

Wichtiges Know-how dazu hat sich SpaceX-Partner Google erst im Sommer gesichert. Da kaufte der Internet-Riese für 500 Millionen Dollar Skybox Imaging, das derzeit zwei Erdbeobachtungssatelliten im All betreibt. Das Start-up will mit billigen Standardbauteilen die Kosten für einen Satelliten auf unter 50 Millionen Dollar senken.

Dass es noch viel billiger geht, beweist das Start-up Planet Labs aus San Francisco. Das hatte Mitte 2014 schon 71 Minisatelliten im All und plant, die Flotte bis Mitte des Jahres auf 131 Stück zu vergrößern. Es will dabei mit rund 160 Millionen Dollar Wagniskapital auskommen. Die nur gut 30 Zentimeter langen Minitrabanten sollen, ausgestattet mit hochauflösenden Kameras, täglich nahezu die gesamte Erde fotografieren. Die Bilder, auf denen noch drei Meter große Details zu erkennen sind, verkauft Planet Labs an Logistikfirmen, Landwirte, Städteplaner oder Minenbetreiber.

Gelingt es Musk und Branson, ihre fliegenden Relaystationen zumindest annähernd so preiswert zu fertigen, dann dürften nur wenige Jahre vergehen, bis es lebhaft wird im Erdorbit. Beide wollen im Gegensatz zu Eutelsat und Inmarsat nicht auf gut 36.000 Kilometer Höhe operieren, sondern auf einem 1.200 Kilometer hohen Orbit – nah genug, um überall auf der Erde blitzschnelle Internet-Zugänge zu ermöglichen. Die Empfangsantenne, verspricht Musk, solle nur 100 bis 300 Dollar kosten.

Der denkt längst weiter. Das Satellitennetz ist für ihn nur eine Geldquelle und ein Testprojekt für ein viel größeres Vorhaben: die Besiedlung des Mars. Noch zu Lebzeiten will er auf dem Nachbarplaneten eine Kolonie gründen, natürlich mit einem eigenen Satelliten-Internet. Dagegen wären Bransons Touristenflüge im Raumgleiter allenfalls Kaffeefahrten ins All.

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