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Digitaler Arbeitsplatz Steinzeit-IT vertreibt Mitarbeiter

Digitalisierung: Veraltete IT schlägt Mitarbeiter in die Flucht Quelle: AP

Eine Studie zeigt: Die technologische Ausstattung am Arbeitsplatz entscheidet darüber, wie motiviert die Mitarbeiter sind. Im schlimmsten Fall riskieren Unternehmen sogar Kündigungen wegen veralteter Computer.

Schwere Laptops, uncoole Smartphones und lahme Rechner – die technische Ausstattung in vielen deutschen Büros ist oft mehr als dürftig. Und das kann sich schnell rächen: Nicht nur weil der digitale Arbeitsplatz in den Unternehmen ein wichtiger Bestandteil, um das Geschäft in eine datengetriebene Zukunft zu hieven. Ohne Cloud Computing auch kein Arbeiten im Außendienst oder Homeoffice. Inzwischen gibt’s den digitalen Arbeitsplatz gar als „Workplace-as-a-Service“, also komplett zur Miete aus der digitalen Wolke.

Die technische Ausstattung des Arbeitsplatzes in Deutschland hat aber noch einen weiteren, bisher wenig beachteten Aspekt: Denn in der deutschen Wirtschaft zeigt sich eine regelrechte „Digital Divide“, eine Kluft zwischen den Erwartungen der Beschäftigten und der Realität im Unternehmen – mit unerwarteten Konsequenzen für die Technologie-Nachzügler: Firmen, die ihre digitalen Arbeitsplätze nicht zeitgemäß ausstatten, leben in Zeiten des Fachkräftemangels gefährlich. Sie riskieren massiven Frust in der Belegschaft – und im schlimmsten Fall sogar Kündigungen aufgrund der unbefriedigenden technischen Ausstattung.

Das ist der zentrale Befund einer Studie des IT-Beratungsunternehmen Unisys, für die in zwölf Ländern insgesamt 12.000 Mitarbeiter in Organisationen verschiedener Größe befragt wurden. Vor allem die Ergebnisse der hiesigen Unternehmen zeigen ein bisher unterschätztes Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland: Die technologische Ausstattung am Arbeitsplatz entscheidet mit darüber, ob Beschäftigte ihrem Unternehmen die Treue halten – oder doch den Job wechseln. „Die Tatsache, dass eine signifikante Anzahl von Unternehmen technologisch nicht mithalten kann, bringt sie und die ganze Wirtschaft des Landes in Bezug auf die Mitarbeiterbindung in Gefahr“, sagt Uwe Heckert, Deutschland-Chef von Unisys. „Das kostet nicht nur Ressourcen, sondern wirkt sich auch negativ auf ihr Verhältnis zum Arbeitgeber aus.“

Und das sogar sehr deutlich: Laut der Studie von Unisys äußert sich in Deutschland fast die Hälfte der Mitarbeiter von „technologischen Nachzüglern“ negativ über ihren Arbeitgeber (45 Prozent). Bei Unternehmen, die in die Kategorie „technologische Vorreiter“ fallen, ist dies im Gegensatz dazu nur jeder zehnte Arbeitnehmer (11 Prozent).

Damit nicht genug: Fast ein Drittel der Arbeitnehmer bei technologischen Nachzüglern steht ihrem Arbeitgeber frustriert gegenüber (30 Prozent). Das wiederum korreliert direkt mit einem drohenden Verlust von Arbeitskräften: Arbeitnehmer bei Technologie-Nachzüglern sind sieben Mal eher bereit, ihren Arbeitgeber zu wechseln als diejenigen bei technologischen Vorreitern.

Das ist insbesondere deswegen besorgniserregend, weil weniger als ein Viertel der Unternehmen in Deutschland, deren Mitarbeiter befragt wurden, zu den technologischen Vorreiter zählen (22 Prozent). Das ist der niedrigste Wert in allen 12 Ländern, in denen die Studie durchgeführt wurde. Weltweit gilt etwa ein Drittel der Unternehmen als technologisch führend.

So haben sich Büros in den letzten 60 Jahren verändert
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Das deutsche Fräulein arbeitet im Büro Quelle: Steelcase
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Repräsentative Chefbüros bleiben trotz Großraumbüros Quelle: Steelcase
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1998: Die Technik integriert sich ins Büro Quelle: Steelcase
2009: Kollaborative Teams brauchen kommunikative Arbeitsplätze Quelle: Steelcase

Alte Geräte nerven die Mitarbeiter am meisten: Fast jeder zweite Befragte klagt, dass veraltete Computer oder Smartphones sie davon abhalten, produktiver zu sein (46 Prozent). In High-Tech-Unternehmen gaben nur 13 Prozent der Befragten an, unter überholten Geräten zu ächzen.

Wenig verwunderlich, dass viele Beschäftigten selber für Abhilfe sorgen – indem sie ihre eigenen privaten Geräte auch im Arbeitsalltag nutzen. Das Problem: Dieser „Bring Your Own Device“ genannte Trend bezieht sich vor allem auf Smartphones – und birgt mögliche Sicherheitsrisiken. Man denke etwa an Verstöße gegen den Datenschutz bei der beruflichen Nutzung der Messaging-App WhatsApp. 

Dennoch greifen mehr als zwei Drittel der befragten Arbeitnehmer, die ihr privates Smartphone am Arbeitsplatz nutzen, auf Apps und Websites zu, die die IT-Abteilung ihrer Arbeitgeber nicht unterstützt (69 Prozent) – mit der Begründung, diese seien besser als die, die das Unternehmen zu Verfügung stelle beziehungsweise ihr Unternehmen biete keine passende Alternative an.

„Die technologische Ausstattung am Arbeitsplatz hat enorme Auswirkung auf Engagement, Befinden und Motivation der Mitarbeiter“, sagt Unisys-Deutschland-Chef Heckert. „Wenn man genau hinsieht, geht es den Beschäftigten vor allem um schnellen, sicheren und ortsunabhängigen Zugang zu all ihren arbeitsrelevanten Diensten – und um die richtige Ausstattung der Geräte.“ Er rät den Unternehmen, angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels in den digitalen Arbeitsplatz zu investieren. „Sonst schauen sich viele aufgrund ihres Frusts schlicht nach neuen Jobs um.“

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