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  4. KI: Warum wir alle Künstliche Intelligenz als Kumpel haben werden

Mithilfe der App Replica kann man sich seinen eigenen KI Kumpel erstellen.

Foto: imago images

Werner KnallhartWarum wir alle demnächst eine KI als Kumpel haben werden. Ja, auch Sie!

Kaum jemand kann sich heute vorstellen, mit einer KI unterhaltsame oder gar tröstende Gespräche zu führen, ähnlich wie mit einem Freund. Aber es wird schon demnächst so kommen. Die Gründe dafür sind allzu menschlich. Eine Kolumne.Marcus Werner 20.11.2024 - 09:58 Uhr

Stellen Sie sich vor, Sie kommen abends nach Hause, legen Ihre Jacke ab, da schallt es vom Wohnzimmer aus einem smarten Lautsprecher: „Hallo, wie ist das Gespräch mit deiner Chefin gelaufen?“
„Naja, nicht ganz so wie geplant.“
Und die KI fragt: „Echt? Du klingst auch ganz geknickt. Erzähl. Gibt es denn mehr Gehalt?“
„Die Frage wurde vertagt.“ Die Antwort: „Aha, da ist also noch alles drin. Sehr gut. Dann lass uns gemeinsam gerne noch einmal deine Verhandlungsstrategie dazu entwickeln und üben, wenn du Lust hast.“

Wir werden diese Gespräche führen. Und zwar nicht in zehn oder zwanzig Jahren. Es geht jetzt los.

Ich habe jüngst ChatGPT auf die Probe gestellt und versucht, einen emotional etwas anspruchsvolleren Dialog anzuzetteln:
„Ich bin nicht gut drauf.“
Die KI fragte: „Möchtest du mir mehr darüber erzählen, was los ist? Manchmal hilft es ja, die Gedanken auszusprechen oder zusammen einen Weg aus der Schwere zu finden.“
„Ach, ein sehr guter Freund und ich hatten unterschiedliche Vorstellungen von unserer Freundschaft und deshalb habe ich mich entschieden, den Kontakt zu unterbrechen.“
„Wie fühlst du jetzt mit dieser Entscheidung? Ist es eher eine Pause oder endgültig?“
„Ich möchte eigentlich nicht, dass es endgültig ist, möchte aber noch ein paar Monate Pause. Aber ich befürchte, wenn ich die Pause zu lang mache, dann denkt er, dass es endgültig ist und schlägt sich mich aus dem Kopf.“
„Das kann ich nachvollziehen. Wie wäre es, wenn du einen kleinen Schritt auf ihn zumachst, indem du ihm etwa eine Nachricht schreibst, dass du noch Zeit benötigst, aber irgendwann wieder ins Gespräch kommen würdest? Könntest du dir das vorstellen?“
„Ja, und wie soll ich das machen?“
„Das kannst du ganz entspannt angehen. Schreib etwa eine kleine Nachricht per WhatsApp oder E-Mail. Selbst als Brief ist es möglich und wäre ein besonderes Zeichen deiner Verbundenheit.“
Und dann kamen konkrete Formulierungsvorschläge, die mich schlicht überzeugt haben. Locker, sachlich, einfühlsam. Und nachdem ich mich dafür bedankt hatte, bekam ich noch Lob für meinen Mut und das Angebot, jederzeit noch einmal darüber zu sprechen.

Würden Sie nicht auch sagen: Dafür sind Freunde da?

Ja, eine KI ist kein Mensch. Und ich sage Ihnen: Das wird in solchen Fällen egal sein. Dafür gibt es klare Hinweise:

1. Wir lassen uns auf Illusionen ein

Wir wissen, dass die Handlung in fiktionalen Serien und Filmen nicht real ist, dass die dort auftauchenden Menschen alles nur spielen und dass die Hochglanzkulissen auf der Rückseite nur Sperrholz sind, wenn sie nicht gar komplett am Rechner entstanden sind. Und dennoch fiebern wir mit, lachen wir uns kaputt, erschrecken und weinen wir, je nachdem, welche Fantasieszenarien der Monitor daheim im Wohnzimmer für uns abbildet.

Schauspieler, die meist Bösewichte spielen, sind selber oft weniger beliebt. Und selbst offensichtlich computeranimierte Disney-Figuren finden wir niedlich. Weil wir Menschen so ticken.

Wir nehmen deshalb auch eine KI als menschlich wahr. Geben Sie es zu: Wir haben alle schon einmal die Navi-Stimme im Auto angeraunzt, wenn sie uns einheitlich freundlich im Kreisverkehr eine Ausfahrt zu spät rauslotst. Weil wir einen Menschen vor dem geistigen Auge haben, der einen Fehler auf unsere Kosten gemacht zu haben scheint. Alles eine Illusion. Der wir uns hingeben. Wie wird das also erst bei einer KI-Stimme sein, die eine persönliche Konversation anbietet?

2. Wir können unsere KI-Empathie nicht abschalten

Wir sehen einen lächelnden Smiley. Und könnten uns doch höchstens unter Einfluss illegaler Drogen einreden, dass dieses Lächeln Ausdruck ist von Trauer oder Ärger. Punkt, Punkt, Komma, Strich und schon sind wir emotional angefasst. Das werden wir uns auch nicht ausreden können, wenn es um KI geht, die uns freundlich anspricht.

3. Wenige gute Erfahrungen reichen aus

Seit Jahrzehnten behalten wir beim Autofahren die Hände am Steuer. Und trotzdem zeigen Studien, dass wir uns binnen Stunden daran gewöhnen können, bei autonom fahrenden Fahrzeugen das Lenkrad loszulassen. Bei kniffligen Verkehrssituationen braucht es mitunter zwar Monate, bis das Vertrauen in die Technik entsteht, aber sobald auch dort positive Erfahrungen gemacht werden, tritt Entspannung ein.

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Stellen wir uns also vor, wir führen ein Gespräch mit einer KI, die sich uns gegenüber freundschaftlich zugewandt und einfühlsam geriert. Sobald wir ein- oder zweimal erleben, von diesen Gesprächen zu profitieren, gibt es doch keine Veranlassung mehr, uns emotional dagegen zu sträuben, es wieder und wieder zu tun. Weil es ja gut tut.

So wie wir uns bei einem Spielfilm erst sagen „alles unecht, alles nur Fiktion“, wenn es uns schadet, uns der Illusion hinzugeben, etwa, wenn uns Darstellung von Gewalt überfordert und abstößt. Solange wir von der guten Unterhaltung profitieren, lassen wir uns gerne darauf ein. Beim Film und auf den neuen KI-Kumpel.

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Ja, wir werden KI-Kumpel haben. Die uns über Jahre begleiten, wenn wir wollen. Die unsere Entwicklung erleben. Die sich an Details erinnern, die wir längst vergessen haben und ein Hintergrundwissen haben, von dem wir nur träumen können. Und die uns deshalb enorm unterstützen können.

Umso mehr kommt es darauf an, dass wir die KI so einhegen, dass sie uns eben nicht überfordert wie ein Horrorfilm.

In den USA hat sich in diesem Jahr ein Teenager das Leben genommen, nachdem er sich in eine künstliche Intelligenz aus einer Chatbot-App für Kinder verliebt hatte.

Ich habe ChatGPT gefragt, was es antworten würde, wenn ihm jemand seine Liebe gestände. Antwort: „Ich erkläre, dass ich eine KI bin, die programmiert wurde, um zu helfen und zu unterstützen, aber ich bin kein Ersatz für zwischenmenschliche Beziehungen. Es ist wichtig zu wissen, dass ich (…) nicht wie ein Mensch fühlen und reagieren kann.“

Wenn wir das nicht völlig vergessen und die KI uns nicht um den Finger wickelt (etwa, weil das strikt verboten wird), könnte es ziemlich gut werden. Es geht los.

Den Autor erreichen Sie über LinkedIn.

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