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Rossmann, Vorwerk, Fritz-KolaNamhafte Mitglieder verlassen Verband der Familienunternehmer

Der Lobbyverband signalisiert Gesprächsbereitschaft gegenüber der AfD – und erntet scharfe Kritik. Mehrere Mitglieder steigen deshalb nun aus.Kevin Gallant 30.11.2025 - 11:01 Uhr
Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands „Die Familienunternehmer“, spricht bei einer Veranstaltung ihres Verbands Foto: Kay Nietfeld/dpa

Vor eineinhalb Jahren noch veröffentlichte der Verband „Die Familienunternehmer“ ein Analysepapier über die „wirtschaftsfeindliche Politik der AfD“ und echauffierte sich über Konsequenzen für den Mittelstand. Der Lobbyverband um seine Präsidentin Marie-Christine Ostermann verhängte für seine nach eigenen Angaben 6500 Mitglieder ein Kontaktverbot zu AfD-Bundestagsabgeordneten. Doch damit ist Schluss.

Die Hoffnung, so Ostermann in einer Verbandsmitteilung, dass man ein Viertel der bundesdeutschen Wähler durch moralische Ausgrenzung zur Umkehr bewegen könne, sei nicht aufgegangen. In einem exklusiven Interview mit der WirtschaftsWoche ergänze sie: „Deswegen haben wir gemeinsam entschieden, dass wir diese Brandmauer im Sinne eines totalen Kontaktverbotes mit der Partei aufheben.“

In etwa den sozialen Medien erntete die Verbandspräsidentin für den Vorstoß herbe Kritik.

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von Florian Weyand

Einige Familienunternehmer treten aus

Erste Mitgliedsunternehmen haben Konsequenzen gezogen: Der Drogerie-Riese Rossmann verlässt den Verband. „Wir unterstützen die Haltung des Verbands ‚Die Familienunternehmer‘ nicht und haben die Mitgliedschaft gekündigt“, teilte Rossmann auf Anfrage der „Lebensmittel-Zeitung“ mit.

Auch Thermomix-Hersteller Vorwerk zieht sich aus dem Lobbyverband zurück. „Für uns gilt unverändert: Die Positionierung von Unternehmen muss jederzeit klar auf demokratischen Grundwerten basieren“, teilte der Hausgerätehersteller mit. Vorwerk habe entschieden, die bereits seit längerer Zeit ruhende Mitgliedschaft im Verband nicht wieder aufleben zu lassen und auch formal aus dem Verband auszutreten. Zuerst hatte das „Handelsblatt“ berichtet.

Der Getränkehersteller Fritz-Kola ist nachgezogen: „Eine offene, demokratische Gesellschaft bildet für uns die Grundlage wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Handelns. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Mitgliedschaft im Verband beendet“, teilte das Unternehmen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Trumpf-Chefin will nicht aus Verband austreten

Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin von Trumpf, plant hingegen keinen vorschnellen Austritt aus dem Verband. In einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ sagte sie: „In solchen Situationen neige ich dazu, erstmal abzuwarten, ein Glas Rotwein zu trinken, von den emotionalen Höhen herunterzukommen und dann erneut zu überlegen, ob das ein sinnvoller Schritt ist.“

Sie selbst habe nie AfD-Vertreter eingeladen. „Und ich halte das auch nicht für zielführend, von meiner tief empfundenen Abscheu angesichts der Äußerungen des Spitzenpersonals einmal abgesehen“, sagte sie und schob nach: „Meine persönliche Erfahrung aus sporadischen Wortwechseln mit AfD-Politikern ist: Es bringt nichts, sie bleiben bei ihrer Haltung. Gleichzeitig aber können wir nicht die ganzen AfD-Wähler verdammen, zumal auf kommunaler Ebene, wo der Mittelstand tief verankert ist. Auch Trumpf, etwa in Sachsen.“ Für ein Parteiverbot sei es laut ihr zu spät.

Weitere Unternehmen könnten nachziehen

Im Interview mit der WirtschaftsWoche berichtete Ostermann, der Lobbyverband habe zum Richtungswechsel eine interne Mitteilung an seine Mitglieder verschickt. „Es waren auch negative Antworten dabei, aber die große Zahl der Rückmeldungen war positiv und unterstützend. Aber nicht in dem Sinne, dass unsere Mitglieder die AfD gut finden, sondern dass sie den Kurs unterstützen, ohne Brandmauer die AfD inhaltlich zu stellen“, sagte die Verbandschefin.

Laut eines Berichts der „Lebensmittel-Zeitung“ habe der Kaffeeröster Melitta über „die veränderte Position der Verbandsführung zum Umgang mit der AfD“ aus den Medien erfahren. „Wir sind darüber sehr überrascht und lehnen den Beschluss ab“, heißt es in dem Statement von Melitta. Das Kaffee-Unternehmen habe dem Verband seine Haltung mitgeteilt und halte sich nun offen, seine Mitgliedschaft im Verband zu überdenken.

Seinen Verbleib im Lobbyverband überdenken will auch das Bauunternehmen Goldbeck. Es gehe darum, „ob diese Mitgliedschaft noch mit unseren Werten vereinbar“, heißt es in einer Mitteilung. Goldbeck ist das größte familiengeführte Bauunternehmen Deutschlands. Jan-Hendrik Goldbeck, Co-CEO des Unternehmens, schrieb 2023 in einem Post auf dem sozialen Netzwerk Linkedin: „Wir wollen hier weder marxistischen Klassenkampf noch blaue Soße mit Braunstich“, eine Anspielung auf die Parteifarbe der AfD.

AfD-Politiker bei Veranstaltung des Verbandes anwesend

Bei einem Parlamentarischen Abend Anfang Oktober trafen mehr als 200 Familienunternehmen aus ganz Deutschland in Berlin ein. Tagsüber demonstrierten einige Teilnehmer noch vor dem Kanzleramt für eine Wirtschaftswende, abends sprachen sie wenige Meter weiter im Atrium der Deutschen Bank über Politik.

Mit dabei: Leif-Erik Holm, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion und Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern. Erstmals war ein AfD-Politiker bei einer Veranstaltung des Bundesverbands anwesend. „The Pioneer“ hatte darüber berichtet.

„Zu unserem Parlamentarischen Abend haben wir einige AfD-Fachpolitiker eingeladen, übrigens auch einige Fachpolitiker der Linken. Von den Linken kam niemand, von der AfD nur einer“, bestätigte Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann die Anwesenheit von Holm in einem Linkedin-Beitrag. Damit leitete die Interessenvertretung einen politischen Wechsel ein, der bereits im Frühjahr von allen Verbandsgremien beschlossen worden sei, schreibt sie weiter.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) warnte indes vor einer Annäherung der Wirtschaft an die AfD: „Diese Partei schadet unserem Land“, sagte Klingbeil beim Arbeitgebertag in Berlin. Die AfD sei eine arbeitgeber- und arbeitnehmerfeindliche Partei. Die demokratische Mitte müsse Lösungen finden – „aber dafür macht man nichts mit Rechtsextremen“, sagte der SPD-Chef.

Bei der Bundestagswahl im Februar erreichte die AfD, die vom Verfassungsschutz mittlerweile als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft ist, ein Ergebnis von 20,8 Prozent. In aktuellen Umfragen liegen die Werte noch höher.

Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst am 26. November 2025. Wir haben ihn um weitere Reaktionen aus der Wirtschaft aktualisiert und neu veröffentlicht.

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