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Bioplastik boomt Werden die Verbraucher getäuscht?

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Ziel müsse es sein, auf Einwegtüten zu verzichten

Auch Einwegtüten aus Papier schneiden Umweltexperten zufolge in Ökobilanzen nicht besser ab als konventionelle Plastiktüten. Im Gegenteil: „Sie brauchen für die Papiertüte sehr lange, sehr reißfeste Zellstofffasern. Zu deren Herstellung ist sehr viel Wasser und Energie nötig, es müssen viele Chemikalien eingesetzt werden“, erklärt der Diplom-Umweltwissenschaftler Fischer. Um dieselbe Reißfestigkeit wie eine Plastiktüte zu haben, sei für eine Papiertüte doppelt so viel Material nötig. „Was die Ressourcenverbräuche angeht, schneidet die Papiertüte schlechter ab als die Einwegplastiktüte. Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn Plastiktüten durch Einwegpapiertüten ersetzt werden.“

Ziel müsse sein, grundsätzlich auf Einwegtüten zu verzichten. Auch der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, betont: „Wir brauchen keine Einwegverpackungen - egal aus welchem Werkstoff - sondern Mehrwegsysteme zur Schonung von Ressourcen und zum Schutz unserer Ozeane vor Müllteppichen.“

Die Strategie, den Verbrauch von Rohöl zu reduzieren und nachwachsende Rohstoffe zu verwenden, ist Fischer zufolge grundsätzlich sinnvoll. Oberste Ziele müssten aber Abfallvermeidung und Mehrwegalternativen sein. Derzeit würden Biokunststoffe von Einwegherstellern missbraucht, um Geld zu machen. „Man muss die Leute wachrütteln.“

So viel Müll macht unser Einkauf

Nach einer Trendwende hin zu Mehrwegverpackungen sieht es derzeit allerdings nicht aus. Nach Angaben des EU-Projekts BioCannDo boomt der globale Markt mit Bioplastik. Experten erwarten demnach in den kommenden fünf Jahren ein Wachstum um 20 Prozent. Ein Segment, in dem sich viele Firmen Gewinne erwarten, ist Spielzeug. Eine wachsende Zahl von Spielsachen sei aus Bioplastik, heißt es auf einer Internetseite des Projekts. Die Nachfrage von Eltern ist demnach groß - viele hätten falsche Erwartungen.

In der Tat setzen viele bekannte Firmen wie Lego auf Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen. Bis 2030 will der Konzern seine Bausteine nicht mehr aus Plastik auf Erdöl-Basis herstellen, sondern nachhaltige Rohmaterialien und Verpackungen verwenden.

Die Annahme, dass Bioplastik-Spielzeug automatisch nachhaltiger und sicherer ist, stimmt dem Wissenschaftler Martin Wagner von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens in Trondheim zufolge nicht. Chemische Zusätze, die Spielzeug etwa flexibel und widerstandsfähig machen, seien bei Bioplastik genauso nötig wie bei herkömmlichem Plastik. Untersuchungen über die Wirkung solcher Zusätze in Bioplastik gebe es kaum. Über mögliche gesundheitliche Risiken für Kinder wisse man daher wenig.

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