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MethanWie Rinder dem Klima schaden

Rinder sind nicht besonders umweltfreundlich: Sie rülpsen große Mengen Methan aus, ein am Klimawandel beteiligtes Treibhausgas. Forscher warnen, dass ihr schädlicher Einfluss immens steigen könnte. 27.03.2017 - 11:59 Uhr

Kühe stehen auf einer Weide

Foto: dpa

Die von Rindern produzierte Menge des Treibhausgases Methan könnte in den nächsten Jahren deutlich steigen. Zum einen nehme die von einzelnen Tieren freigesetzte Methanmenge zu, zum anderen würden wegen des steigenden Fleischbedarfs immer mehr Rinder gehalten, erklären Wissenschaftler im Fachjournal „Biogeosciences“. Ein Hausrind stößt täglich etwa 150 bis 250 Liter Methan aus. Derzeit werden weltweit etwa 1,5 Milliarden der Tiere gehalten.

Methan ist als Treibhausgas in der Atmosphäre 25 Mal so wirksam wie Kohlendioxid und macht daher einen substanziellen Teil des menschengemachten Treibhauseffekts aus. Das Gas entsteht, wenn organisches Material unter Luftausschluss abgebaut wird - wie zum Beispiel Gras im Verdauungssystem einer Kuh.

In Deutschland ist die Land- und Forstwirtschaft eine bedeutsame Methan-Quelle, insbesondere die Massentierhaltung. Auch in Klärwerken und Mülldeponien entsteht das Gas. In anderen Ländern werden beim Nassreisanbau große Mengen Methan freigesetzt.

Für das Klima, den globalen Wasserkreislauf und die Artenvielfalt sind Wälder von elementarer Bedeutung. Doch weltweit schrumpft der Baumbestand.

Foto: dpa

Wälder regulieren das Klima. Sie mildern Hitze, Frost, Trockenheit und Stürme ab, produzieren Sauerstoff, reinigen Luft und Wasser.

Foto: dpa

Wichtiger Kohlenstoffspeicher

Nach Zahlen der Umweltorganisation Greenpeace speichern Wälder fast die Hälfte des an Land gebundenen Kohlenstoffs. Deshalb sind sie im Kampf gegen Emissionen des schädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) wichtig.

Foto: dpa

Elf Millionen Hektar Wald

In Deutschland gibt es nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu mehr als elf Millionen Hektar Wald - das entspricht rund einem Drittel der Landesfläche.

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Winterlicher Wald

Auch wenn die Luft heute sauberer ist als noch vor 30 Jahren, leidet ein Großteil der hiesigen Laub- und Nadelbäume noch immer unter den Folgen von Umweltverschmutzung

Foto: dpa

Winterlicher Wald

Urwälder - also ursprüngliche, natürlich gewachsene Wälder - beherbergen rund 100 Millionen Tier- und Pflanzenarten.

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Abgeholzter Regenwald

Um Siedlungen und Straßen anzulegen, Schiffe und Häuser zu bauen, hat die Menschheit den Großteil der Urwälder im Laufe der Jahrtausende vernichtet.

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Abholzung im Amazonasgebiet

Global betrachtet bedecken Wälder noch immer rund ein Drittel der Landfläche des gesamten Planeten. Doch nach Greenpeace-Angaben verschwindet alle 3 bis 4 Sekunden eine Waldfläche von der Erde, die so groß ist wie ein Fußballfeld.

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Sägewerk im tropischen Regenwald

Illegaler Handel mit Holz, Brände und Dürren sowie die Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen gehören zu den wesentlichen Ursachen von weniger Wald - vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern.

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Abholzung des Regenwaldes

Etwa 20 Prozent der weltweiten Emission des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 sind, so das Bundeslandwirtschaftsministerium, Folge von Entwaldungen, insbesondere in den Tropen.

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Intakter Regenwald

Viele Länder begegnen dem Verlust an Waldflächen mit Aufforstungen. Während die tropischen Wälder vor allem in Südamerika und Afrika immer weiter zerstört werden, hat die Waldfläche in Teilen Asiens und Europas durch Neuanpflanzungen zugenommen.

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Die Forscher, zu denen Peter Manning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt gehörte, gehen davon aus, dass der Methan-Ausstoß jeder Kuh bis 2050 im Mittel um bis zu 4,5 Prozent steigen könnte. „Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Viehbestände drastisch steigen werden, könnte Vieh im Jahr 2050 Methan in einer Menge emittieren, die dem Erwärmungspotenzial von 4,7 Giga Tonnen Kohlendioxid entspricht“, erklärte Manning zu der Modellrechnung. „Das wäre ein über 70 Prozent höherer Wert als zum gegenwärtigen Zeitpunkt.“

Ursache für den Anstieg je Tier sei der im Zuge des Klimawandels vielfach sinkende Nährwert von Futterpflanzen, erklären die Forscher. Untersuchungen zufolge hätten sie in wärmeren Gebieten häufig einen geringeren Nährwert als in kühleren. Die Rinder müssten zum Ausgleich mehr davon fressen und verdauten länger, was wiederum zur verstärkten Bildung von Methan führe. „Was wir beobachten, ist ein Teufelskreis“, warnte Mark Lee von den Royal Botanic Gardens in London.

Fleischkonsum

Seit 1950 hat sich der Konsum von Fleisch in Deutschland verdoppelt. Im Durchschnitt verzehrt ein Deutscher 60 kg Fleisch pro Jahr. Das hat nicht nur Konsequenzen für die Gesundheit, sondern auch für die Umwelt. Ernährungsexperten und Umweltschützer drängen deshalb auf einen bewussteren Verzehr von Fleisch. 300 bis 600 g pro Kopf pro Woche sind laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gesundheitlich unbedenklich. Aus Gründen der Nachhaltigkeit sollte die wöchentliche Dosis jedoch 300 g pro Kopf nicht überschreiten. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum ist zurzeit allerdings doppelt so hoch.

Foto: dpa

Tierhaltung

Die stetig wachsende Nachfrage von Fleisch und Wurst hat weitreichende Konsequenzen für die Tierhaltung. Nach den jüngsten Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) werden derzeit auf der ganzen Welt insgesamt 19 Milliarden Hühner, 1,4 Milliarden Rinder und eine Milliarde Schafe und Schweine gehalten. 80 % der gegenwärtig verfügbaren Nutzflächen werden dabei für diese Art der Haltung beansprucht.

Foto: dpa

Zunehmende Nachfrage nach Soja

Ein Problem stellt nicht nur die Beanspruchung der Nutzflächen durch die Tiere dar, sondern auch die für das Futter benötigten Flächen. Rund 50 % der virtuellen Flächenimporte der EU und von Deutschland sind durch den Bedarf von Soja begründet. 80 % des Sojas ist gentechnisch verändert, stammt aus Monokulturen und wandert in Futtertröge von Schweinen, Rindern und Geflügel. Mit negativen Auswirkungen für die Umwelt. Da die Eiweißversorgung in der Intensivtierhaltung durch Soja aus Südamerika gestillt wird, müssen Anbauflächen weltweit ausgeweitet werden, was zu einer dramatischen Abnahme der Artenvielfalt führt. Außerdem wird das zumeist gentechnisch veränderte Soja mit zahlreichen Pestiziden versetzt.

Foto: dpa

Verunreinigung des Grundwassers

Die Konsequenzen der erschöpfenden Nutztierhaltung sind auch in Deutschland spürbar. Die auf die Futtermittel zurückgehenden Ausscheidungen beinhalten Nährstoffe wie zum Beispiel Stickstoff und Phosphor sowie Rückstände von eingesetzten Medikamenten. Über die Felder gelangen diese Rückstände schließlich ins Grundwasser.

Foto: AP

Maßnahmen des WWF

Der WWF hat sich zum Ziel gesetzt, die verheerenden Auswirkungen des Fleischkonsums durch verschiedenste Maßnahmen zu begrenzen. Im Bereich der landwirtschaftlichen Produktionsweise soll die ökologische Landwirtschaft weiter ausgebaut und die konventionelle durch neue Zertifizierungssysteme alteriert werden. Außerdem soll die Verschwendung von Lebensmitteln begrenzt und die Umstellung von Ernährungsmustern beworben werden. Im Rahmen dessen wurde der von der WWF konzipierte "Einkaufsratgeber für Fleisch und Wurst" präsentiert, der Verbrauchern eine bessere Orientierung in Bezug auf den Fleischkauf gewährleisten soll.

Foto: REUTERS

Bewertung nach Ampelsystem

Nach einem simplen Ampelsystem wurden Produktionsmethoden, Labels und Warenklassen bewertet. Dabei steht die grüne Kategorie für eine "gute Wahl", gelb für die "zweite Wahl" und rot für Fleisch- und Wurstprodukte, von denen die WWF dem Konsumenten abrät. Letztere trägt das Label "lieber nicht". Besonders berücksichtigt wurden ökologische Konsequenzen, die benötigte Fläche sowie Bedingungen der Tierhaltung und die Wahl der Futtermittel bei der Fleischproduktion.

Foto: dpa

Ökologische und tiergerechte Landwirtschaft

Alle Produkte, die das EU-Biosiegel tragen, entsprechen laut Untersuchungen der WWF den Grundlagen der tiergerechten Landwirtschaft in der Europäischen Union. Sie wurden mit dem Label "gute Wahl" ausgezeichnet. Verbands-Biosiegel wie zum Beispiel Naturland, Bioland und Demeter überschreiten die EU-Vorgaben sogar, indem sie weniger Zusatzstoffe in der Lebensmittelverarbeitung gebrauchen. Aus der EU stammendes Wildfleisch greift auf natürliche Ressourcen zurück und hat demnach nur sehr geringe negative Konsequenzen für die Umwelt.

Foto: dpa/dpaweb

Weidefleisch aus Deutschland

In Deutschland produziertes Weidefleisch schont die Ressourcen, da es kaum auf Kraftfutter angewiesen ist. Damit ist es der konventionellen Tierhaltung überlegen und landet in der gelben Kategorie "zweite Wahl". Grund dafür ist die Tatsache, dass kein einheitliches Zertifizierungssystem oder Siegel für diese Produkte existiert. Anders verhält es sich mit Fleischprodukten, die mit dem Neuland-Siegel ausgezeichnet wurden. Dieses garantiert dem Verbraucher, dass die Tiere ausreichend Auslauf im Freien genießen und ausschließlich mit gentechnikfreiem Soja-Futtermittel gefüttert werden.

Foto: dpa

Fleisch- und Wurstwaren aus konventioneller Tierhaltung

In dem roten Feld landeten Fleisch- und Wurstwaren, die aus konventioneller Tierhaltung stammen. Sie haben außerordentliche Auswirkungen auf das Ökosystem. Die Tiere werden derart beengt gehalten, dass sie ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht entfalten können. Außerdem führt der Anbau von Soja als Futterpflanzen zu der Zerstörung wertvoller Naturressourcen und hohen Emissionen von Treibhausgasen. Mit QS-Siegel ausgezeichnete Produkte erfüllen lediglich die minimalsten Anforderungen in Bezug auf die Tierhaltung. WWF empfiehlt, diese Produkte "lieber nicht" zu verzehren.

Foto: dpa

Die Verantwortung des Verbrauchers

"Die gute Nachricht ist, dass es der Verbraucher in der Hand hat, daran etwas zu ändern", sagt WWF-Referent Markus Wolter. Der Einkaufsratgeber soll eine erste Orientierung für den Verbraucher darstellen, indem er die Empfehlungen und Untersuchungen des WWF übersichtlich zusammenfasst. Auf der sicheren Seite ist der Verbraucher, wenn er zu Produkten greift, die in die grüne Kategorie fallen. Auch die "zweite Wahl" ist kaum bedenklich, wenn man die regionalen Höfe inspiziert, von denen die Produkte stammen.

Foto: CLARK/obs

Steigende Methan-Emissionen würden in Nordamerika, Mittel- und Osteuropa sowie Asien verzeichnet - hier gebe es auch den größten Anstieg bei der Viehhaltung, hieß es weiter. Manning plädierte dafür, nährstoffreichere Pflanzen zu kultivieren und die Viehhaltung in den Regionen zu begrenzen, die sich am schnellsten erwärmen. „Es ist aber auch wichtig, den individuellen Fleischkonsum zu reduzieren.“

Die derzeitigen Mehrwertsteuerbegünstigungen für tierische Produkte seien eine umweltschädliche Investition, hatte das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau zu Jahresbeginn erklärt. „Tierische Produkte wie Fleisch und Milch profitieren von nur sieben Prozent Mehrwertsteuer, obwohl sie deutlich klimaschädlicher sind als Getreide, Obst oder Gemüse“, hieß es. „Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht zwischen 7 und 28 Kilo Treibhausgasemissionen - Obst oder Gemüse dagegen liegen bei weniger als einem Kilo.“

Auf die gesamten Treibhausgasemissionen bezogen machen wiederkäuende Rinder allerdings nur einen kleinen Bruchteil der Quellen aus: In Deutschland sind Ackerbau und Viehzucht zusammengenommen nach Daten des UBA für etwa sieben Prozent der Emissionen verantwortlich. Den stärksten Einfluss haben der Energiesektor, Industrieprozesse und der Verkehr.

dpa
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