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Weltumrundung Deutsches Ehepaar radelt auf E-Bikes 7.000 Kilometer durch Asien

Ein deutsches Ehepaar ist mit dem E-Bike einmal quer durch Asien gereist. Eine spannende Reise - und eine technische Demonstration.

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Die Räder hielten auch 100 Kilometer Schotter- und Lehmpisten aus. Hier im Daliang-Shan-Gebirge. (Foto: Denis Katzer)

Von Sibirien über die Mongolei und China bis an die Grenze von Vietnam sind Tanja und Denis Katzer gefahren. Eine Strecke von 7.000 Kilometern und 43.793 Höhenmetern haben sie dafür zurückgelegt. Alles mit einem E-Bike. Das Ehepaar liebt das Abenteuer, die Freiheit, die Herausforderungen. Seit 1991 reisen sie kreuz und quer durch die Welt. Mit dem Rad oder auch zu Fuß durch das Outback von Australien.

Seit einem Jahr sind Tanja und Denis Katzer für die längste E-Bike-Expedition der Welt unterwegs. Mindestens noch ein Jahr wollen sie mit zwei speziell ausgestatteten Rädern, dem Schäferhund Ajaci, umfangreichem Gepäck und einem Photovoltaik-Anhänger durch Vietnam, Laos, Kambodscha und Thailand fahren.

Eine hohe Belastungsprobe für die Räder. Doch die E-Bikes seien "fantastisch gelaufen", sagt Tanja Katzer. Diese sind mit Spezialfelgen und Reifen mit besonders starken Speichen ausgestattet, um die Lasten tragen zu können. Auch die Bremsanlage wurde nachträglich optimiert. Also kein Rad von der Stange. Und trotzdem war das Paar zunächst skeptisch.

Hitze, Wind und Berge

Das abenteuerlustige Ehepaar hatte befürchteten, dass Elektromotor, Akkus und Bordcomputer vom harten Expeditionsalltag überfordert sein könnten. "Trotzdem war ich zuversichtlich, diesen absolut neuen Weg, eine Weltumrundung mit E-Bikes, zu beschreiten. Die damit verbundenen Herausforderungen reizten mich ungemein“, erzählt Denis Katzer.

40 Grad im Schatten in Sibirien (ja, auch solche Temperaturen gibt es dort) überstand die Technik problemlos. Die Höhenzüge waren auch kein Problem. Erst in der Mongolei hatten das Ehepaar Bedenken. "Bei einer Affenhitze und Gegenwind von der Stärke 7 (ca. 50 km/h) mussten wir Strecken bis zu 130 Kilometer zurücklegen, um an Trinkwasser zu kommen. Plötzlich hing also unser Überleben von der Zuverlässigkeit des Antriebs ab und in so einer Situation hört der Spaß auf", erzählt Denis Katzer. Dennoch hielten die Antriebe die Durchquerung der Wüste Gobi mühelos durch.

Mit dem E-Bike durch Asien
Auch die Wüste Gobi lässt sich mit E-Bikes bezwingen. Ein genauer Blick offenbart zudem die Sponsoren der Katzers. (Foto: T. & D. Katzer)
In Südsibirien, an der mongolischen Grenze, kann es schon mal 40 Grad heiß werden. Parken darf man am Straßenrand trotzdem nicht. (Foto: T. & D. Katzer)
Im Daliang-Shan-Gebirge passierten Katzers einen Pass in 3.300 Meter Höhe - unter Beobachtung der Einheimischen.
Denis und Tanja Katzer auf heimischem Boden.

Die Akkus wiederum mussten in Nordchina Minus 20 Grad ertragen - doch auch das hielten sie durch. "Ab diesem Zeitpunkt hatte mich die Technologie voll überzeugt", sagt Katzer. Bis zu 3.300 Meter Höhe musste das Ehepaar anschließend überwinden. "Es verging kein einziger Tag, ohne dass wir Bergrücken überqueren und vereiste Flüsse durchqueren mussten."

Gute Werbung für den Fahrradbauer

Für Radspezialist Riese & Müller eine Bestätigung, dass E-Bikes technisch zuverlässig sind und extreme Belastbarkeit standhalten. Selbst mit dem Laden der Akkus gab es keine Probleme. "Es zeigt, dass es auf die richtige Einteilung ankommt", so Sprecher Tobias Spindler.

Ein kluges Energiemanagement sei auch für normale Radfahrer wichtig. "Neben dem rein technischen Blickwinkel haben uns Tanja und Denis Katzer auch aufgezeigt, wie fragil unser Globus mittlerweile geworden ist, und dass das E-Bike vielleicht nicht das schlechteste Fortbewegungsmittel für die nahe Zukunft ist."

Ein Hund als Begleitung kann gar nicht verkehrt sein. (Foto: Denis Katzer)

Das Unternehmen aus Weiterstadt stellt seit 2013 ausschließlich E-Bikes her und wächst jährlich um 40 Prozent. E-Räder sind ein Boom-Markt. In diesem Jahr erwartet die Branche einen Absatz von bis zu 800.000 elektrischen Rädern. Großes Potential sieht Spindler in den kommenden Jahren in Lastenräder mit Elektromotor. "Das ist noch viel Luft nach oben drin." Einen Markt für herkömmliche Räder sieht Spindler ausschließlich noch im Sport- und Trekkingbereich.

Demonstration der Technik - und Urlaub

Trotz aller Strapazen konnte das Ehepaar die Reise auch genießen: "Allein schon eine Woche mit der Transsibirischen Eisenbahn durch die Wälder der endlosen Taiga zu fahren, war ein unvergessliches Erlebnis", erzählen sie. "Die Mongolei mit ihrer Weite, dem ewigen blauen Himmel, die riesigen Pferdeherden, die umherziehenden Nomaden, die uns in ein längst vergangenes Zeitalter katapultierten. Aber auch die erbarmungslose Wüste Gobi mit ihrer Hitze, den Kamelherden und den Nächten in den Jurten."

China mit dem E-Bike zu durchqueren, sei eine der besten Ideen gewesen, die sie in den vergangenen Jahren gehabt hätten. "Es war anstrengend, aber absolut lohnend. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Chinesen hat uns überrascht. Das Land der Gegensätze, der unsagbaren Vielfalt, der jahrtausendealten Kultur und des rasenden Fortschritts hat unsere Herzen erobert", schwärmen Tanja und Denis Katzer. Die Natur sei schlichtweg sagenhaft und oftmals atemberaubend schön gewesen.

Das Rad ist für das Ehepaar, das Bücher über ihre Abenteuer schreibt, Vorträge hält und ihre Erlebnisse auch auf Youtube teilt, ein Fortbewegungsmittel, das sie unabhängig macht und Freiheit schenkt. "Wir können anhalten, wo wir wollen und bleiben, wo wir wollen. Wir reisen verhältnismäßig langsam und steigen auf diese Weise in die Tiefe eines jeden Landes ein."

Das E-Bike hat für die beiden Extremsportler die Limits nach oben versetzt. "Wir können damit weiter, schneller und einfacher vorankommen, vor allem wenn man bedenkt, dass wir inklusive Rad, Anhänger und Ladung rund 150 Kilogramm pro Person bewegen", erklärt Denis Katzer. Ohne elektrische Unterstützung hätten sie ihren großen Hund hätten nicht mitnehmen können und auch die schwere Ausrüstung nicht über 44.000 Höhenmeter gebracht. 

Die E-Bike-Expedition ist Teil einer "Großen Reise", die für Tanja und Denis zu ihrem Lebensprojekt geworden ist. 30 Jahre lang wollen sie auf dem Land- und Seeweg von Deutschland bis nach Südamerika reisen. Seit 1991 legten die beiden Abenteurer in 66 Ländern zirka 340.000 Kilometer ohne Flüge zurück.

Mit dem E-Bike durch Asien
Auch die Wüste Gobi lässt sich mit E-Bikes bezwingen. Ein genauer Blick offenbart zudem die Sponsoren der Katzers. (Foto: T. & D. Katzer)
In Südsibirien, an der mongolischen Grenze, kann es schon mal 40 Grad heiß werden. Parken darf man am Straßenrand trotzdem nicht. (Foto: T. & D. Katzer)
Im Daliang-Shan-Gebirge passierten Katzers einen Pass in 3.300 Meter Höhe - unter Beobachtung der Einheimischen.
Denis und Tanja Katzer auf heimischem Boden.
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