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Keyless-Go-Systeme Mit Funkschlüsseln haben Autoknacker leichtes Spiel

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Keine Chance für Hacker

Das Fahrzeug öffnet sich dann wie von Zauberhand, wenn etwa der Schlüssel auf der Garderobe neben der heimischen Haustür liegt und der Wagen auf der Straße davor parkt. „Die Hersteller scheinen kurzfristig keine technische Lösung zu haben, mit der sie die Lücke schließen könnten“, klagt ADAC-Mann Thiemel.

In diesen Städten werden die meisten Autos geklaut
Autodieb bricht einen Wagen auf Quelle: dpa
Hamburg Quelle: dpa
Magdeburg Quelle: dpa
Leipzig bei Nacht Quelle: dpa
Potsdam Quelle: dpa
Dresden Quelle: dpa
Aachen Quelle: dpa

Leichter, so scheint es jedenfalls, ließen sich Fahrzeuge noch nie ohne Schlüssel entführen. Weshalb das Verfahren in einschlägigen Kreisen offenbar immer häufiger zum Einsatz kommt. Polizeibehörden aus Hessen und Rheinland-Pfalz jedenfalls berichteten im zweiten Halbjahr 2015 mehrfach von Diebstählen, bei denen „die Autoknacker offenbar neue Entsperrverfahren auf Basis von Funktechnik nutzten“. Vergangene Woche erst dokumentierte das ZDF-Magazin „WiSo“ den Diebstahl eines BMW durch Übertragung der Keyless-Signale, den die Überwachungskamera des Fahrzeugbesitzers aufgezeichnet hatte.

Keyless-Diebstahl hinterlässt keine Spuren

Brecheisen, Dietrich, Schraubenzieher – was immer sonst bisher um Einsatz kam, um fremde Fahrzeuge zu entwenden, ist inzwischen jedenfalls überflüssig. Das Problem für Diebstahlsopfer: Weil das Auto – sofern es noch einmal auftaucht – keinerlei Aufbruchsspuren aufweist, könnten die Versicherer versuchten Versicherungsbetrug unterstellen, oder zumindest fahrlässigen Umgang mit den Autoschlüsseln – und die Leistung verweigern.

Besser gesicherte Funkmodule, die etwa erkennen, wie lange ein Signal unterwegs ist und daraus ableiten, ob sich jemand Unbefugtes in die Verbindung gehackt hat, werden wohl frühestens 2017 marktreif, heißt es in der Branche.

Dabei ist die Erkenntnis, dass sich Keyless-Schließssysteme mithilfe von Funktechnik übertölpeln lassen, alles andere als neu. Schon im Januar 2011 hatte eine Forschergruppe der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich in einer umfangreichen Analyse detailliert beschrieben, dass und wie das funktionieren kann. Nur die Entwicklungsabteilungen der Autohersteller scheint diese Erkenntnis anschließend nicht erreicht zu haben.

Auf die Problematik angesprochen, reagiert der VDA mit Standardformulierungen. Der Rückgang der Diebstahlzahlen zeige, dass „die Maßnahmen der Automobilhersteller zur Verbesserung des Diebstahlschutzes sehr wirksam waren und sind“. Die Frage, ob Keyless-Systeme aus Sicht der Industrie angesichts der dokumentierten Fälle genauso sicher seien, wie herkömmliche Zünd- und Türschlüssel, beantwortet der VDA gar nicht erst. Wieso die Hersteller fünf Jahre lang keine Konsequenzen aus den Zürcher Erkenntnissen gezogen haben, auch darauf gibt es keine Antwort vom VDA. Statt dessen der Hinweis, dass das organisierte Verbrechen die Sicherheitsmechanismen, „durch den Einsatz von Spezialtechnologie und mit hoher krimineller Energie zu überwinden“ versuche.

Blechdose kann gegen Hightech-Diebstahl helfen

Spezialtechnologie? Für den Technikexperte Thiemel sind das nur Ausflüchte. Die ADAC-Tester hätten ihre Funkbrücke mit paar Standardbausteinen aus dem Elektronikhandel selbst gebaut. Kostenpunkt ein paar Hundert Euro, erzählt er. „Von Spezialtechnik keine Spur.“

Bleibt den Besitzern von Autos mit Keyless-Systemen also vorerst nur, sich selbst zu schützen. Einfach die Batterie aus dem Schlüsselmodul zu nehmen, ist jedenfalls keine Lösung, denn dann bleibt der Wagen auch Ihnen verschlossen, beziehungsweise springt gar nicht erst an.

In Arbeit
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Als Ausweg empfiehlt sich ein technischer Kniff, den auch Geschäftsleute nutzen, um zu verhindern, dass Hacker unbemerkt die Mikrofone ihrer Mobiltelefone aktivieren und so beispielsweise vertrauliche Verhandlungen mithören: Solange verhandelt wird oder der Wagen vor der Türe parkt, lagern Handy oder Funkschlüssel in einer Blechdose mit Deckel.

Im Fall der Keyless-Systeme aber ist auch das nur dann leidlich verlässlich, sofern die Blechbox absolut strahlungsdicht ist. Technikexperten empfehlen daher den Selbsttest: Nur dann, wenn der Wagen sich nicht einmal dann öffnet, wenn der Fahrer die verschlossene Dose samt Schlüssel darin direkt nebens Auto hält, haben auch die Hacker keine Chance.

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