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Medizin Hormon als Sonnenschutz

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Wie organische UV-Filter die Haut vor Sonnenbrand bewahren Quelle: Grafik: Dieter Duneka

Den Erfolg der anorganischen Filter werde das nicht aufhalten, glaubt Klaus Jenni, Leiter Sun Care beim Mischkonzern Evonik: „Je besser die Substanzen hergestellt und eingesetzt werden können, desto mehr werden sie auch verwendet.“

Mehrere Hersteller arbeiten daran, anorganische Filter preiswerter zu produzieren und ihre Verwendung in Cremes und Lotionen zu vereinfachen. Verschiedene Verfahren sollen die Lichtdurchlässigkeit der Metalloxide verbessern: „Es gibt Versuche, bei denen die Titanpartikel mit einer Siliciumoxid-Schicht überzogen werden“, sagt Beate Volkmer von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Weil die Schicht Licht anders streut, wirkt die Sonnencreme transparenter.

In einem anderen Verfahren werden die Titandioxid-Teilchen extrem zerkleinert, mit einem Emulgator vermischt, damit sie nicht zusammenkleben, und zum Schluss in einem Öl zermahlen. So verringert sich ihr Durchmesser von 150 bis 180 Nanometern auf etwa 70 Nanometer. Das macht die extrem kleinen Teilchen lichtdurchlässiger.

Auch Infrarotlicht schadet der Haut

Zugleich aber macht es Fachleute wie ADP-Expertin Volkmer skeptisch: „Es gibt keine zuverlässigen Studien, ob und wie weit die Nanopartikel in die Haut eindringen oder ob sie sich in den Zellen einlagern und dort die Erbinformation verändern.“

Zusätzlichen Forschungsaufwand löst zudem die Erkenntnis aus, dass nicht nur die UV-Strahlung im Sonnenlicht die Haut angreift: Wissenschaftler des Instituts für umweltmedizinische Forschung (IUF) an der Universität Düsseldorf konnten 2008 erstmals am Menschen nachweisen, dass auch eine Variante des Infrarotlichts, das ebenfalls im Sonnenlicht enthalten ist, die Haut angreift. „Wir haben gezeigt, dass uns Infrarot A schneller altern lässt“, sagt IUF-Direktor Jean Krutmann.

Laut einer aktuellen, gemeinsam mit der Charité Berlin erstellten Studie reagieren rund 80 Prozent der Menschen mehr oder minder negativ auf Infrarot A.

Antioxidantien halten Hautalterung auf

Dabei setzt die Strahlung eine komplexe Zellschädigungskaskade in Gang, die am Ende Kollagenfasern in der Haut zerstört. Sie sind mit dafür zuständig, unser Bindegewebe elastisch zu halten, und tragen außerdem zu seiner Fähigkeit bei, Feuchtigkeit zu speichern. Regelmäßiger Beschuss mit Infrarot-A-Strahlen wirke sich also fatal auf die Haut aus, sagt Krutmann: „Sie wird trocken, und es bilden sich Falten.“

Krutmann will das mit Hilfe eines Cocktails sogenannter Antioxidantien wie Vitamin B und E, Carotinoiden und Flavonoiden bremsen. 40 bis 50 Prozent der Schäden durch Infrarot A, so IUF-Untersuchungen, konnte ein Sonnenschutz mit antioxidativer Wirkung verhindern. Eine Studie an der Charité scheint dies zu bestätigen: Dort maß Jürgen Lademann Falten bei Versuchspersonen zwischen 40 und 50 – und parallel den Carotinoid-Gehalt der Haut. „Personen mit einem höheren Gehalt wirkten nicht nur jünger, sie hatten auch weniger und weniger tiefe Falten“, so Lademann.

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