ACE-Sommerreifentest Gut und günstig mit Schwächen bei Nässe

Ein Satz neuer Reifen kann ordentlich ins Geld gehen. Der Auto Club Europa hat deshalb zehn günstige Sommerreifen getestet. Doch besonders bei Regen fallen einige der Billig-Reifen negativ auf.

ACE-Sommerreifentest: Bei Nässe trennt sich die Spreu vom Weizen. Quelle: ACE

Wann haben Sie zuletzt den Luftdruck der Reifen überprüft? Oder gar die Profiltiefe kontrolliert? Vermutlich ist beides zu lange her. Der Reifen spielt bei den meisten Autofahrern eher eine untergeordnete Rolle. Umso größer ist die Versuchung, an dieser Stelle zu sparen. Der Gummi wird erst spät und dann durch ein möglichst günstiges Exemplar ersetzt.

Der Auto Club Europa (ACE) hat aus diesem Grund bei dem diesjährigen Sommerreifentest die üblichen Modelle von Marken wie Michelin, Continental, Goodyear, Bridgestone, Dunlop und Pirelli außen vor gelassen und besonders preiswerte Pneus unter die Lupe genommen. Statt bis zu 400 Euro pro Satz fallen hier nur 150 Euro an – das günstigste Modell in der Dimension 195/65 R15 war im Internet sogar für 35 Euro zu haben. Zum Vergleich haben die Tester noch zwei Modelle etablierter Anbieter wie Hankook und Nexen überprüft. Die sind teilweise für unter 50 Euro pro Stück erhältlich. Beide Exemplare gehören auch bei Volkswagen zu den Erstausrüstern.

Die Ergebnisse des ACE Sommerreifentest 2016

Das Ergebnis: Trocken können sie alle, egal ob No-Name-Produkt oder Hankook-Reifen. In der Handling-Wertung auf trockener Strecke – getestet wurde auf dem Automotive Testing Papenburg – waren kaum nennenswerte Unterschiede feststellbar. Alle Kandidaten erhalten hier zwischen neun und elf von 15 möglichen Punkten.

Erste Unterschiede zeigt aber die Bremswertung. Auf trockenem Untergrund steht der Testwagen (VW Golf VII 1.4 TSI) mit dem Hankook Kinergy Eco K425 und Nexen N'blue HD plus im Schnitt nach 34,6 Metern. Mit dem Barum Brillantis 2 kommt der Golf erst nach 39,4 Metern zum Stehen – 4,8 Meter können darüber entscheiden, ob es kracht oder nicht. Der online für 35 Euro gekaufte HS-3 von High Performer kommt übrigens auf 37,4 Meter.

Das Angebot ist riesig – aber nicht alle sind gut

Doch auf nasser Fahrbahn trennt sich die Spreu vom Weizen – die Leistungsunterschiede bei den Billig-Reifen sind in dem Test teils enorm. Während der Klassenbeste von Nexen auf regennasser Fahrbahn nach 46,3 Metern steht, benötigt der Champiro FE1 von GT Radial stolze 61,7 Meter. Wo der mit dem Nexen bereifte Golf steht, ist dasselbe Auto mit GT Radial noch 50 km/h schnell.

Die fünf weltgrößten Reifenhersteller

Auch bei den weiteren Messwerten auf nasser Strecke (Handling, Kreisbahn, Aquaplaning längs und quer) schneidet der GT Radial am schlechtesten ab – drei Mal bekommt er sogar null Punkte. Da er mit 258 Euro pro Satz auch noch zu den teureren Vertretern im Test gehört, erhält der Reifen aus China als einziges Modell ein "bedingt empfehlenswert". Immerhin fünf Modelle sind "empfehlenswert" (Darum Brillantis 2, BF Goodrich g-Grip, High Performer HS-3, Sava Intensa hp und Viking CityTech II), vier sogar "sehr empfehlenswert" (Debica Presto, Hankook Kinergy Eco K425, Nexen N'blue HD plus und Pneumant Summer HP4).

Auf eine einfache Regel "Je billiger, desto schlechter" lässt sich der Test laut ACE aber nicht zusammenfassen: Zwischen dem günstigsten Modell (High Performer HS-3 für 230 Euro pro Satz) und dem Testsieger von Nexen (238 Euro) gibt es nur einen geringen Unterschied. Der schlechteste Reifen von GT Radial ist da nochmals 20 Euro teurer.

Deutliche Kritik übt der Autoclub hingegen an dem Reifenlabel, das inzwischen gesetzlich vorgeschrieben ist. "Für die Kaufentscheidung ist das Reifenlabel absolut ungeeignet. Sowohl der beste als auch der schlechteste Reifen landen in der zweitbesten Kategorie 'B'", sagt ACE-Reifenexperte Gunnar Beer. "Mit der Realität hat das nichts zu tun. Hier muss die EU im Sinne der Verbraucher nachbessern, besser kontrollieren und härtere Strafen bei Missbrauch durchsetzen."

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