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Elektromobilität Warum elektrische Motorräder noch Mangelware sind

Harley-Davidson LiveWire Quelle: Harley-Davidson

Der Kulthersteller Harley-Davidson hat ein elektrisches Motorrad präsentiert. Das ist ungewöhnlich, denn viele E-Modelle gibt es noch nicht zu kaufen. Dabei besteht großer Bedarf.

Wer Harley-Davidson hört, denkt vermutlich an laut röhrende Motorräder mit dickem Auspuff und noch dickeren Reifen, die kolonnenweise die Landstraßen auf und ab fahren. Ein umweltfreundliches Motorrad mit beinahe lautlosem Elektromotor und modernem Touchscreen auf dem Lenker verbinden die wenigsten mit der traditionsreichen Marke. Doch genau so ein Gefährt hat der amerikanische Motorradbauer nun auf der Technikmesse CES in Las Vegas vorgestellt – die Harley-Davidson LiveWire.

Für knapp 26.000 Euro soll das Elektro-Motorrad von Herbst 2019 an erhältlich sein, vorbestellen können Interessenten es bereits ab Februar. 177 Kilometer weit sollen die E-Rider mit einer kompletten Batterieladung fahren können. Das zumindest verspricht Harley-Davidson. Die Batterie des Zweirads könne an jeder handelsüblichen Haushaltssteckdose oder an öffentlichen Schnellladepunkten aufgeladen werden.

Mit der elektrischen LiveWire fährt Harley-Davidson ein Stück weit voraus. Nur wenige andere Motorradhersteller bieten auch ein elektrisches Modell an. Und das nicht ohne Grund: Wirtschaftlich ist die Produktion noch nicht sinnvoll. Bedauerlich ist das für die Umwelt. Denn Motorräder machen am Straßenverkehr einen nicht unerheblichen Anteil aus. In Deutschland lag der Bestand 2018 bei 4,4 Millionen Krafträdern. Von weniger Verbrennern würde vor allem die Luftqualität so mancher Großstadt profitieren. In der Debatte um Elektromobilität spielen Motorräder trotzdem kaum eine Rolle. Daran wird auch Harley-Davidson so schnell nichts ändern können.

Dabei wird im Zuge der Elektromobilität fast über jedes Verkehrsmittel diskutiert, das elektrifiziert werden könnte: Autos, Motorroller, Busse und sogar Lkw oder gar Schiffe. Das im Vergleich dazu vermeintlich kleine Motorrad wird förmlich übergangen.

Die LiveWire ist nicht das erste E-Motorrad

Dabei sei auch das Motorrad prädestiniert dafür, elektrisch angetrieben zu werden, sagt Achim Marten vom Industrie-Verband Motorrad Deutschland (ivm). „Die Reichweite muss nicht exorbitant hoch sein und oft werden vorher definierte Touren gefahren. Dann können sich die Fahrer vorab über Ladepunkte auf der Route informieren und ihre Fahrten dahingehend planen“, erklärt Marten. Wer diese Einschränkung in der Flexibilität in Kauf nehme, könne ernsthaft über die Anschaffung eines E-Motorrads nachdenken.

Zwar würden laut Marten viele Hersteller den Markt für E-Motorräder zurzeit noch beobachten, bevor sie tatsächlich eigene Modelle präsentieren. Doch es gibt bereits ein paar Motorräder zu kaufen, die statt Benzin mit Strom angetrieben werden. Bereits 2015 hat KTM, der größte Motorradhersteller Europas, die Freeride E-XC auf den Markt gebracht.

Es ist ein Motorrad, das optisch eher auf einem Motorcross-Parcours als auf einer vielbefahrenen Straße in der Großstadt beheimatet ist. Doch das elektrische Motorrad von KTM ist auch ganz normal für die Straße zugelassen. Und bis auf einen fehlenden Auspuff lässt die KTM Freeride Laien auf den ersten Blick gar nicht erkennen, dass sie elektrisch angetrieben wird.

Reichweite ist auch bei Motorrädern entscheidend

Aus technischer Sicht ist die Herstellung eines E-Motorrads ziemlich herausfordernd, das weiß Philipp Habsburg. Er ist Technischer Vorstand bei KTM. „Technisch ist es derzeit einfach noch nicht möglich, ein herkömmliches Motorrad eins zu eins in ein elektrisches zu übersetzen“, sagt Habsburg. Das liegt vor allem an dem Wunsch nach einer möglichst hohen Reichweite. Denn dafür benötigt es eine entsprechend große Batterie – die ist teuer und nimmt am Motorrad viel Platz in Anspruch.

„Ein gängiges Motorrad besitzt im Schnitt eine Reichweite von etwa 400 Kilometern. Um eine ähnlich adäquate Reichweite auch mit einem Elektroantrieb zu erreichen, würde allein die Batterie um die 150 Kilogramm wiegen“, schätzt KTM-Vorstand Habsburg. „Bei einem verhältnismäßig niedrigen Gesamtgewicht eines Motorrads ist ein solch schwerer und voluminöser Batteriespeicher einfach unsinnig und das Motorrad unbrauchbar.“ Denn mit steigendem Gewicht sei ein Motorrad auch immer unkomfortabler.

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