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Fossile Energie Deutschlands Alternativen zu Russlands Gas

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Hürden für Energieversorger zu hoch

Nahe Danzig, wo San Leon, BNK und ConocoPhillips bohren, zeigt sich außerdem, wie langwierig es ist, Schiefergasfelder zu erschließen: San Leon erhielt die Erkundungsrechte bei Lewino schon 2009. Nach Untersuchungen der Erdschichten mit winzigen künstlichen Erdstößen erfolgten erste Fracks erst im Sommer 2013.

Und dann mussten die Techniker und Chemiker erst drei Chemiecocktails ausprobieren, bis sie im November Erfolg hatten. Denn die Fracking-Risse verklebten im Tongestein nach kurzer Zeit wieder. Das Gas floss nur kurz. Mit einer höheren Konzentration an Keramikkugeln klappte es schließlich, die Risse offen zu halten. „Den Code eines Feldes knacken“, nennen Experten das Verfahren aus Versuch und Irrtum. Für die von San Leon geplanten horizontalen Bohrungen werden daher ebenfalls mehrere Dutzend Anläufe nötig sein.

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Manchen sind diese Hürden zu groß. Branchenriesen wie ExxonMobil, Total und Eni haben ihre Bohrtürme in Polen wieder abgebaut. Sie hatten sie auf den teils 1000 Quadratkilometer großen Pachtflächen an die falschen Stellen gesetzt. Die Ergebnisse waren enttäuschend.

Aber auch San Leon hat noch nicht alle Rätsel des Baltischen Beckens gelöst: Zwischen die Schiefergas führenden Schichten, auf die es das Unternehmen abgesehen hat, zwängt sich eine acht Meter dicke Tonschicht. Soll die Förderung wirtschaftlich sein, muss das Unternehmen auch diese Barriere dauerhaft durchbrechen, sodass Gas aus beiden Reservoirs zusammen an die Erdoberfläche strömen kann.

„Solche Herausforderungen hält jedes Schiefergasfeld bereit, und alle sind anders“, sagt der Geologe Pawel Poprawa von der Technischen Universität Krakau. Um gesicherte Ergebnisse zur möglichen Fördermenge in Polen zu erhalten, sind Hunderte weitere Testbohrungen nötig, glaubt er. Bis heute sind nur rund 60 erfolgt.

Neben dem wehrhaften Tongestein warteten noch weitere Probleme auf die Unternehmen, erklärt Poprawa. So sei der Gasgehalt im polnischen Schiefergestein niedriger als in den besten US-Feldern. Die Schichten seien insgesamt dünner und enthielten deshalb weniger des fossilen Rohstoffs. Darüber hinaus lägen sie teils 1000 Meter tiefer, was die Bohrungen teurer mache. Für den Geologen bedeutet all das trotzdem nicht, dass die Förderung in Polen unmöglich sei. „Sie ist nur aufwendiger als in den USA.“

Und so wollen zahlreiche Unternehmen in den kommenden Monaten weitere europäische Schiefergaslager erschließen. In der Ukraine etwa möchte die staatliche Mineralienbehörde in Kürze 18 neue Explorationslizenzen vergeben.

Kein Wunder, denn die Regierung in Kiew würde lieber heute als morgen auf russisches Gas verzichten. Dauert die Krise in dem Land weiter an, könnten bald auch Politiker in anderen europäischen Hauptstädten so denken. Eine Alternative zu Russland gibt es schließlich – sie liegt direkt unter ihren Füßen.

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