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Immer wieder LebensmittelskandaleWarum sich nichts ändern wird

BSE, Ehec, Bio-Eier oder Pferdefleisch in Lasagnen – jeder Lebensmittelskandal ist anders. Gleich ist nur eines: Nach dem großen Geschrei kehrt Ruhe ein und kaum etwas scheint sich zu ändern. Ein Erklärungsansatz, warum das so ist.Kerstin Dämon, Meike Lorenzen 26.02.2013 - 14:29 Uhr

2016: Plastik im Schokomantel

Abermillionen Schokoriegel müssen in die Werkstatt – sozusagen. Nachdem eine Kundin in einem Marsriegel auf ein Stück Plastik gebissen hat, hat der Hersteller mit einer gigantischen Rückruf-Aktion begonnen. Sie gilt mittlerweile für alle Staaten der Europäischen Union, mit Ausnahme von Bulgarien und Luxemburg. Betroffen sind Riegel der Marken Mars und Snickers mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum vom 19. Juni 2016 bis 8. Januar 2017 zurück; zudem alle Produkte der Marke Milky Way Minis und Miniatures sowie mehrere Celebrations-Mischungen mit diesem Mindesthaltbarkeitsdatum.

Foto: dpa

2016: Glyphosat und Malz, Gott erhalt's

Pro Jahr konsumiert ein Deutscher durchschnittlich 107 Liter Bier. Und damit nicht nur, streng nach dem deutschen Reinheitsgebot, Wasser, Hopfen, Hefe und Malz, sondern auch noch eine gerüttelte Menge Glyphosat – das weltweit meist eingesetzte Pestizid. In deutschen Bieren wurden Mikrogrammwerte deutlich über den Grenzwerten für Trinkwasser gemessen, im krassesten Fall 300-fach über dem Grenzwert. Direkte Gefahr für die Gesundheit besteht allerdings nicht.

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2014: Dänischer Wurstskandal erreicht Deutschland

In Dänemark stellte sich 2014 heraus, dass Produkte des Wurstherstellers Jørn A. Rullepølser mit Listerien-Bakterien verseucht waren. Listerien sind für gesunde Menschen in aller Regel ungefährlich, allerdings ein Risiko für immungeschwächte Personen und schwangere Frauen. In Dänemark starben innerhalb von 30 Tagen zwölf Menschen, 15 weitere erkrankten. Der Betrieb wurde geschlossen, die Produkte zurückgerufen. 160 Kilogramm waren auch an einen deutschen Supermarkt in Schleswig-Holstein an der dänischen Grenze gegangen – sie waren bereits verkauft, bevor sie sichergestellt worden konnten. Verbraucher wurden gebeten, die Wurst zu vernichten oder zurückzugeben.

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2014: Käse mit Coli

Das Unternehmen Vallée-Verte rief die zwei Käsesorten „Saint Marcellin“ und „Saint Felicien“ zurück. In den Produkten der französischen Käserei Fromageries L'Etoile wurden Coli-Bakterien nachgewiesen. Diese können innerhalb einer Woche nach Verzehr zu teils blutigem Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen sowie Fieber führen. Gerade bei Kindern besteht außerdem die Gefahr von Nierenkomplikationen.

Foto: dpa

2014: Von wegen Edel-Hähnchen

2014 deckte die „Zeit“ auf: Das Neuland-Gütesiegel, gegründet vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, als ganz besonderes Qualitätssiegel hielt bei Brathühnchen nicht so ganz, was es versprach. Eigentlich sollten Neulandtiere aus Freilandhaltung stammen, gefüttert mit Körnern aus der Region. Tatsächlich stammen in Norddeutschland viele Tiere aus einem ganz gewöhnlichen industriellen Schlachtbetrieb in Niedersachsen.

Foto: dpa

2013: Pferd in der Lasagne

Zusammen mit der Ehec-Epidemie wohl der aufsehenerregendste Lebensmittel-Skandal der vergangenen Jahre: 2013 stellte sich heraus, das Rindfleisch in mehreren Fertiglasagnen aus der Tiefkühlung war eigentlich Pferd. Im Anschluss wurden in Labortests rund 70 Fälle von falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen. Die größte Menge an Pferdelasagne gab es in Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder waren Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).

Foto: REUTERS

2013: Noch mehr Pferd

Begonnen hatte der Skandal in Irland und Großbritannien, wo bereits im Januar Hamburger-Frikadellen auftauchten, die Spuren von Pferd enthielten. Bei Hamburgern der Marke Tesco waren es sogar deutlich mehr als nur „Spuren“: Sie bestanden zu 23 Prozent aus Pferdefleisch. Die Tiefkühl-Hackbällchen „Köttbullar“ der Möbelhaus-Kette Ikea in tschechischen Häusern enthielten ebenfalls Pferd und flogen daraufhin aus dem Sortiment – zum Ausgleich landete in schwedischen Tiefkühlregalen Lasagne mit einem Pferdefleischanteil von bis zu 100 Prozent. In ganz Europa wurden schließlich Händler festgenommen, die falsch deklariertes Fleisch verkauften.

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2010: Lidl verkauft Harzer Käse mit Listerien

Am 23. Januar rief Lidl mit Listerien-Bakterien belasteten Harzer Käse der österreichischen Firma Prolactal zurück – zu spät: Vier Menschen erkrankten in der Folge an Listeriose, einer stirbt an den Folgen der Lebensmittelvergiftung. Dass Lidl zu spät reagiert hat, bescheinigt dem Discounter drei Jahre später auch ein Urteil des Amtsgerichts Heilbronn. Demnach hätte schon Ende 2009 ein sofortiger Lieferstopp für den Käse veranlasst werden müssen. Lidl musste Geldbußen von insgesamt 1,5 Millionen Euro akzeptieren und entschuldigte sich. Nach eigenen Angaben wurden „die Ergebnisse von routinemäßigen Untersuchungen falsch nicht richtig bewertet“.

Foto: dpa

2012: Mineralöl in Adventsschokolade

Die Stiftung Warentest hat 2012 in der Schokolade von 24 Adventskalendern für Kinder Rückstände von Mineralöl und ähnlichen Substanzen nachgewiesen. Die wahrscheinliche Ursache: Der Karton der Kalender wurde aus Recyclingpapier hergestellt, das mit mineralölhaltigen Farben bedruckt war. Teure Kalender waren am höchsten belastet. Stiftung Warentest riet Verbrauchern, besonders Kindern, davon ab, die Schokotäfelchen zu essen.

Foto: dpa

2011: Ehec in Deutschland – doch woher?

Im Jahr 2011 brach eine Epidemie des hämolytisch-urämischen Syndroms in einer bis dato unbekannt schweren Verlaufsform in Deutschland aus. Fast alle Betroffenen lebten in Norddeutschland oder hielten sich dort zeitweise auf. Als Ursache wurde schnell das Darmbakterium Ehec identifiziert – doch wo sind die Menschen mit dem Erreger in Kontakt gekommen? Das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sprachen am 25. Mai eine Verzehrwarnung für rohe Gurken, Tomaten und Salat aus. Die deutsche Gemüseindustrie erlebte einen radikalen Umsatzeinbruch, Bauern konnten für ganze Ernten keine Abnehmer finden. Die Branche sprach von einem bis zu 80-prozentigen Umsatzrückgang. Nachdem auf ihnen – nicht-ursächliche – Ehec-Bakterien nachgewiesen worden waren, kam es de facto zu einem Import-Verbot für spanische Gurken. Am 10. Juni wurde die Verzehrwarnung wieder aufgehoben.

Foto: dpa

2011: Ehec in Deutschland – die Sprossen waren's

Tatsächlich hatten die ägyptischen Bockshornkleesamen Schuld. BfR und RKI gaben erneut eine Verzehrwarnung, diesmal für Sprossen, heraus. Die EU erließ für die Samen, die zahlreiche Anwendung in der Lebensmittelindustrie finden, ein Importverbot das bis Ende Oktober 2011 galt. Ende Juli 2011 wurde die Epidemie für beendet erklärt. Insgesamt erkrankten 855 Menschen an HUS und 2.987 an Gastroenteritis, 53 Menschen starben an der Infektion. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Verbraucherorganisation Foodwatch sind die tatsächlichen Ursachen der Epidemie bis heute unaufgeklärt.

Foto: dpa

2005: Geflügelabfälle weiterverarbeitet

Ein Fall mit drastischen juristischen Folgen: Ein bayrischer Fleischhändler verkaufte aus der Schweiz importierte Geflügelabfälle falsch deklariert an Lebensmittelproduzenten weiter. Tonnenweise. Da die weiterverarbeiteten Abfälle erhitzt wurden, bestand zwar keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher. Ins Gefängnis musste der Unternehmer dennoch: Vier Jahre und drei Monate Haft, lautete das Urteil.

Foto: AP

Die Verunsicherung der Verbraucher ist groß: Erst taucht europaweit in zahlreichen Fertigprodukten Pferdefleisch auf, obwohl auf der Packung nur Rindfleisch ausgewiesen ist, dann entpuppen sich vermeintliche Bio-Eier als Massentierhaltungsprodukt. Politik, Medien und Verbraucherschützer klagen und entwickeln drei- bis zehn-Punkte-Pläne, mit denen solche Lebensmittelskandale künftig verhindert werden sollen. Nur: ändern wird sich wohl kaum etwas. Zu groß sind die Barrieren auf allen Ebenen.

Es fehlt an Kontrolleuren

Rechtsverstöße, wie das falsche Etikett auf eine Packung kleben, um letztlich mehr zu verdienen, lassen sich nicht abschalten. Derzeit wird der Ruf nach mehr Kontrollen von Lebensmitteln lauter. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will, dass auch bei verarbeiteten Lebensmitteln klar auf dem Etikett steht, wo das Fleisch herkommt. Viele Verbraucher sind nun auch noch wegen des Betrugs mit Bio-Eiern verunsichert. Millionen Eier vor allem aus Niedersachsen sollen als Bio-Eier verkauft worden sein, obwohl sie nicht vorschriftsgemäß produziert wurden.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verbraucherausschusses, Hans- Michael Goldmann (FDP), forderte wegen des Eier-Skandals eine schärfere Überwachung. „Wir benötigen intensivere und fachlich bessere Lebensmittelkontrollen. Derzeit sind bundesweit 2400 Prüfer unterwegs, auf einen Kontrolleur kommen 1200 Betriebe. „Dadurch können wir nicht den spürbaren Überwachungsdruck auf die Branche ausüben, der notwendig wäre“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller.

Wenn unwichtiges kontrolliert wird

Natürlich würden mehr Kontrollen dazu führen, dass Skandale schneller entdeckt würden und nicht Jahre lang unerkannt Verbraucherbetrug betrieben wird. Da ist sich auch der als Skandalforscher bekannte Hans Mathias Kepplinger, Professor für Empirische Kommunikationsforschung an der Universität Mainz, sicher. Es sei aber natürlich auch immer alles eine Frage der Kosten. Die Kontrollen finanziere schließlich der Steuerzahler. Und man müsse darauf achten, ob der Aufwand auch im Verhältnis zum Ertrag stehe.

Pferd

Ein traditionelles Pferdefleischgericht ist der Rheinische Sauerbraten. Da der deutsche Pferdefleischkonsum rückläufig ist, greifen Köche dabei als Ersatz oft auch zu Rindfleisch.

Foto: dpa

Schnecken

In Frankreich gelten gratinierte Weinbergschnecken im eigenen Gehäuse und mit einer speziellen Kräuterbutter als Vorspeise. In Italien werden sie aus ihren Häusern gezogen, in Baumöl getaucht und mit Salz und Pfeffer gewürzt. In Deutschland servieren Köche die Tiere entweder als „Badische Schneckensuppe“ oder als Salat mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer.

Foto: AP

Hai

In China erfreut sich Haifischflossensuppe wachsender Beliebtheit. Die aus der Region um Hong Kong stammende Suppe wird vor allem für ihre Konsistenz geschätzt. Grundlage bildet die knorpelige Substanz der Haiflossen. Diese werden solange in Hühnerbrühe gekocht, bis sie sich in ihre Bestandteile auflösen.

Eine isländische Spezialität ist Hákarl, das aus fermentiertem Hai besteht. Geschmack und Geruch dieses Gerichts sind sehr intensiv – nur aufgrund seiner Fermentierung wird es überhaupt erst genießbar. Grund ist die Harnstoffansammlung im Hai, die nur langsam abgebaut wird.

Foto: REUTERS

Meerschweinchen

In Deutschland ein Haustier, in Peru ein Masttier: Das Fleisch von Meerschweinchen gehört zu den traditionellen peruanischen Hochzeitsgerichten.

Foto: RK from The Netherlands, Creative Commons: CC BY-SA 3.0

Insekten

Außer in westlichen Kulturen gehören Insekten fast überall auf der Welt auf den Speiseplan. Ob verschiedene in Sand und Asche gegarte Larvenarten bei den australischen Ureinwohnern, mit Schokolade überzogene Heuschrecken in Mexiko oder gekochte Wespenlarven in Japan. Teils gelten Insekten als Delikatessen. So werden „Escamoles“ – mit Öl und Knoblauch gemischte Larven zu Tortillas – als mexikanischer Kaviar bezeichnet.

Foto: Takoradee, Creative Commons: CC BY-SA 3.0

Katze

Wie Hunde- so wird auch Katzenfleisch vor allem in China, Korea und Vietnam gegessen. Das Fleisch wird dabei häufig zu Fleischbällchen verarbeitet. In Peru wird Katzenfleisch während des Santa-Efigenia-Festivals zubereitet.

Foto: dpa

Känguru

Känguru-Fleisch kommt aus Australien, wird dort jedoch vor allem exportiert – davon gehen 80 Prozent nach Europa. Das Fleisch gehört zu den traditionellen Nahrungsmitteln der Aborigines, den australischen Ureinwohnern. Generell hat es im Land den Ruf eines minderwertigen „Bush Foods“. Kängurus leben in Australien vor allem in freier Wildbahn und vermehren sich dort sehr schnell, da sie keine natürlichen Feinde haben. Deshalb wird jährlich auf Antrag von Farmern eine bestimmte Anzahl von Kängurus durch staatlich zugelassene Jäger erlegt – deren Fleisch dann auch auf deutschen Tellern landet.

Foto: REUTERS

Hund

In Asien ist Hundefleisch vor allem in China, Korea und Vietnam verbreitet. Hundefleisch ist teuer, gilt als Delikatesse und sein Konsum wird von zumindest einem Teil der Bevölkerung als normal betrachtet. Hundefleisch wird auf alle möglichen Arten zubereitet und verzehrt – wie etwa hier in einer Suppe.

Foto: AP

Leguan

Auf der Karibik-Insel Curaçao gehört Leguansuppe zu den traditionellen Gerichten. Mittlerweile wird sie jedoch von westlichen Essgewohnheiten verdrängt.

Foto: dpa

Grauhörnchen

In Großbritannien bahnen sich Grauhörnchen ihren Weg in die Speisepläne. Denn das aus Nordamerika stammende Nagetier verdrängt seit dem es 1889 in England ausgesetzt wurde, dort seinen europäischen Verwandten, das Eichhörnchen. Deshalb ruft etwa seit 2006 die Kampagne „Save our squirells“ („Rettet unsere Eichhörnchen!“) zum Verzehr von Grauhörnchen auf, die mittlerweile in Restaurants angeboten werden.

Foto: AP

Spontan macht großzügig

Wer spontane Entscheidungen trifft, ist spendabel – wer dagegen lange zögert, neigt eher zur Knausrigkeit. Das fanden Forscher der Universität Harvard in einer Studie mit 2000 Teilnehmern heraus.

In einem Experiment wurden die Probanden in Vierergruppen eingeteilt und sollten jeweils Geld in einen Topf werfen. Das wurde später verdoppelt und auf alle Gruppenmitglieder aufgeteilt. Die Personen, die ihr Geld schneller in die Gemeinschaftskasse warfen, gaben in der Regel auch mehr Geld  ab als diejenigen, die sich mit ihrer Entscheidung länger Zeit ließen.

Foto: Fotolia

Weniger ist manchmal mehr

Wer bei seinen Kaufentscheidungen zwischen einer großen Auswahl an Produkten wählen kann, wird mit seiner Entscheidung am Ende nicht unbedingt glücklicher sein. Das Phänomen beschreibt Verhaltenspsychologe Barry Schwartz oft am Beispiel des Jeans-Kaufs.

Wer vor einer riesigen Auswahl an Jeans mit verschiedenen Farben und Schnitten steht, hat es schwer die richtige zu finden. Zum einen dauert die Entscheidung deutlich länger als bei einer kleinen Auswahl, zum anderen kommen zu Hause die Selbstzweifel: Habe ich das richtige Model gewählt, gibt es vielleicht bessere? Ähnliches passiert in Restaurants mit umfangreichen Speisekarten. Studien zeigen, dass Kunden im Supermarkt mehr kaufen, wenn die Auswahl kleiner ist.

Foto: REUTERS

Actionspiele beeinflussen Entscheidungen positiv

Verhaltensforscher der Universität Rochester haben herausgefunden, dass Actionspiele dabei helfen, Entscheidungen schnell und korrekt zu treffen. Die Spieler können der Studie zufolge besser einschätzen, was um sie herum vorgeht. Das hilft im Alltag beim Autofahren oder anderen Multitasking-Situationen. Probanden der Studie waren 18 bis 25-Jährige, die nicht regelmäßig spielten.

Foto: dpa

Sport macht effektiv

Ähnlich positiv wirkt sich Sport auf Entscheidungen aus. Wer sich im sportlichen Wettkampf gegen den Gegner durchsetzen will, muss schnelle Entscheidungen treffen. Eine Studie an 85 Handballern zeigte, dass deren Aktionen umso effektiver waren, je weniger Zeit sie vorher zum Nachdenken hatten.

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Wahl nach Äußerlichkeiten

Versuchen zufolge hängen Wahlentscheidungen stark von der äußeren Erscheinung des jeweiligen Politikers ab. In einer Studie beurteilten die Testpersonen Wahlplakate aus der Schweiz. Obwohl sie nichts über die Politiker wussten, sondern nur ihr Aussehen kannten, trafen sie insgesamt fast die gleiche Wahlentscheidung wie die echten Wähler.  

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Bequemlichkeit für mehr Gesundheit

Wer sich vornimmt, im neuen Jahr, ab morgen oder nächster Woche endlich gesünder zu essen, wird voraussichtlich scheitern: Denn nur wenn gesünder auch gleichzeitig bequemer heißt, ist das Vorhaben erfolgversprechend. Ist die Salatbar näher als das Nachspeisenbuffet, greifen mehr Menschen zur Tomate. Schließt die Tür des Aufzugs sehr langsam, benutzen mehr Leute die Treppe. Dies zeigten Versuche an der Universität Cambridge. 

Foto: Creative Commons-Lizenz

Sohn zur Mutter, Tochter zum Vater

Bei der Partnerwahl lassen sich Menschen offenbar stark von ihrer Familie beeinflussen. Einer Studie der ungarischen Universität Pécs zeigt, dass Männer sich gerne für Lebenspartnerinnen entscheiden, deren Gesichtszüge denen der Mutter ähneln. Andersherum wählen Frauen gerne Männer, in denen sich der Vater wiedererkennen lässt.

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Je schneller desto besser      

Testpersonen wurden befragt, ob sie lieber sofort 15 bis 35 Dollar in bar bekommen wollten, oder später 50 bis 75 Dollar. Männer, die kurz vorher eine attraktive Frau zu Gesicht bekamen, entschieden sich in der Regel fürs schnelle Geld.     

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Hohe Preise dank Anker

Beim Einkaufen lassen sich Menschen leicht beeinflussen. Kommt der Kunde in ein Möbelgeschäft und sucht ein Sofa, nimmt er den Preis der ersten Couch als Referenzpreis. Wirtschaftspsychologen sprechen vom sogenannten Verankerungs-Effekt. Deshalb werden in den Geschäften die teuren Produkte normalerweise zuerst präsentiert, schließlich kommen uns die anderen dann entsprechend günstig vor.

In einem Experiment forderte ein amerikanischer Forscher seine Studenten auf, sich zuerst die Endziffern ihrer Sozialversicherungsnummer zu merken und im Anschluss die Zahl der Ärzte in New York zu schätzen. Das Ergebnis: Je höher das Ende der Sozialversicherungsnummer, desto höher die Schätzungen.

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Anders als gedacht

Forscher der Northwestern University aus den USA haben herausgefunden, dass sich Teilnehmer einer Partnersuche via Speeddating häufig für Personen entscheiden, deren Profil gar nicht ihren ursprünglichen Vorstellungen entspricht.

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Man stelle sich vor, dass Mitarbeiter des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf jedem Geflügelhof regelmäßige Hühnerzählungen durchführen – damit nachher klar ist, ob die Eier nun Bio sind oder nicht. "Bei uns gab es seit Jahren keine Stoffe in Lebensmitteln, die die Gesundheit ernsthaft gefährden, aber wir reagieren sehr empfindlich auf die bloße Gefahr", gibt Kepplinger zu bedenken. Selbst im BSE-Skandal in den 1990er Jahren sei die Wahrscheinlichkeit, Fleisch von einem erkrankten Tier zu essen, geringer als 0,1 Prozent gewesen.

Natürlich dürfen Verbraucher nicht betrogen werden, natürlich muss in einem Produkt drin sein, was draufsteht und ein Bio-Ei soll auch wirklich Bio sein. Aber Lebensmittelkontrolleure sollten in aller Regel nach wirklich gefährlichen Stoffen in Nahrungsmitteln suchen, statt nach falschen Etiketten. Pferd im Rinderhack ist eine Sauerei, aber „Pferdefleisch an sich ist aber keine Gefahrenquelle“, so Kepplinger.

Keine Gefahr für Leib und Leben

Nun fragt sich Goldmann von der FDP im Eierskandal, warum es so lange gedauert habe, bis die Betrugsfälle ans Licht gekommen seien. Die Antwort kann ihm Kepplinger geben: „Im Fall der Bio-Eier ermittelt die Staatsanwaltschaft seit anderthalb Jahren. Und auf einmal nimmt sich der neue niedersächsische Agrarminister des Falles an und macht sich zum Anwalt der Verbraucher.“ Ein Vorgehen, das es bisher bei jedem Lebensmittelskandal gegeben habe. Es besteht zwar eine Täuschung, aber keinerlei Gefahr für Leib und Leben. Dann springen Medien und Politiker auf den Zug auf und spielen den Fall künstlich hoch. Kepplinger bekräftigt: „Es gibt keine reale Bedrohung“, aber für das Ansehen eines Politikers und auch einer Verbraucherschutzorganisation kann ein solcher Skandal förderlich sein.

Durch stetige Wiederholung auf allen Kanälen – sei es in Zeitungen, im Radio, Fernsehen oder Online, werden die Ängste der Verbraucher vor dem letalen Schnitzel oder dem giftigen Frühstücksei am Leben gehalten.

Der Konsument schaut weg

Denn, so sagt Kepplinger, „Fast alle Lebensmittelskandale haben etwas mit unästhetischen Dingen zu tun - mit Schlachtung, mit Mikroben - das ekelt uns, da wollen wir nicht genau hinsehen.“ Wir haben ein verschrobenes Verhältnis zu unserem Essen. Die abgepackte Wurst im Supermarkt hat nichts mit Tieren zu tun, die per Bolzenschussgerät betäubt und anschließend abgestochen werden. Sie ist ein Produkt, das wie von Zauberhand im Regal landet. Das Brathähnchen von der Bude im Supermarkt ist vielen schon zu unappetitlich – schließlich erkennt man das Tier noch. Das Problem an dieser „essen ja, wissen nein“-Haltung ist laut Kepplinger folgendes: „Je weniger direkten Kontakt der Mensch zur Lebensmittelproduktion hat, desto wahrscheinlicher werden Skandale.“ Das heißt, dass wir weiterhin regelmäßig Lebensmittelskandale haben werden, solange wir die anonyme Currywurst-Pommes für 2,50 Euro dem frisch geschlachteten Schwein vom nächstgelegen Bauernhof vorziehen.

Doch auch mit dem Bioschwein ist die Gefahr nicht gebannt. „ Zu glauben, wenn man alles an sich heranholt und auf den Biobauernhof verlagert, würde alles verbessern, wäre naiv“, sagt der Skandalforscher. „Auch die Hühner und Schweine vom Biobauern werden geschlachtet.“ Vielleicht würden die Skandale dadurch seltener, aber es gäbe sie. Und wir würden uns wieder nur dann damit beschäftigen, wenn es akut – sprich: medial allgegenwärtig – ist. Ansonsten will man es lieber gar nicht so genau wissen.

Verbraucher hat eine Verantwortung

Die Betrachtungen des Risikoforschers sind erschreckend – vor allem, wenn man einen Blick auf den Konsumenten in diesem Chaos wirft. Wir Endverbraucher erfahren in unzähligen Presseberichten von globalen Lieferketten, die kaum zu kontrollieren sind. Wir lesen mal von Pandemien, mal von Panikmache und dann wieder von Forderungen der Politiker. Es ist ein Kreislauf: Erst ist das Geschrei groß, der Konsument dadurch verunsichert, für eine gewissen Zeit verzichtet er dann auf bestimmte Lebensmittel – bis der Alltag wieder Einzug erhält und damit die gewohnten Verhaltensmuster.

Natürlich konnte kein Verbraucher ahnen, dass Pferdefleisch in der Tiefkühl-Lasagne ist. Dass die Hack-Kost für 1,99 Euro aber nicht sonderlich nachhaltig produziert sein kann, dürfte jedem halbwegs aufgeklärten Menschen klar gewesen sein. Gleiches gilt für die beliebten schwedischen Hackbällchen bei IKEA. Dennoch wurde wider besseres Wissen beherzt zugegriffen. So schwierig die Stellschrauben im Bereich der Lebensmittelkontrollen zu lösen sind, der Verbraucher hat eine Verantwortung, die er durchaus wahrnehmen kann. Dafür muss das Gewohnheitstier Mensch allerdings seine üblichen Verhaltensmuster durchbrechen. Genau hierin besteht ein Problem, das Georg Felser, Konsumpsychologe an der Hochschule-Harz, intensiv studiert hat.

Das Gewohnheitstier Mensch

„Selbst wenn man weiß, was richtig ist, hat man noch lange keine konkrete Vorstellung davon, was man eigentlich tun kann“, sagt er. Konkret bedeutet das, dass man seine gut gemeinten Absichten zu konkreten Arbeitsschritten herunterbrechen muss. Die Idee, auf Billig-Kost zu verzichten, reicht also nicht. Es muss im Gehirn die Entscheidung verankert werden, sich an der Tiefkühltheke auch entsprechend zu verhalten. Die Tatsache, dass wir über vieles nicht mehr nachdenken, sondern einfach machen, erschwert diesen Prozess. „Wenn die entsprechende Situation auftaucht, muss ich mich auch an meinen Entschluss erinnern“, erklärt Felser. Dieser Transfer der Entscheidung, die beim Nachrichten gucken auf dem Sofa getroffen wurden, hin zu einem Handeln im Supermarkt ist ein Vorgang, der sich nicht nur bewusst verankern muss – er muss auch immer wieder wiederholt und so gelernt werden. „Ein Umdenken setzt nur durch Übung ein“, ist sich der Konsumpsychologe sicher.

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