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Nachhaltigkeit Mit diesen Tricks waschen sich deutsche Unternehmen grün

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Bioware aus normaler Baumwolle

Auch zertifizierte Biohöfe sind nicht immer so bio wie gedacht Quelle: AP

Kein Wunder also, dass Hersteller wie Otto und Trigema laut "Stiftung Warentest” nicht lückenlos nachweisen konnten, woher das Garn ihrer T-Shirts stammt. H&M verweigerte die Auskunft. Selbst ausgewiesene Biomarken wie Armedangels und Panda hatten Probleme, ihre Nachhaltigkeit zu belegen.

Die Ursache dieses Kontrollproblems ist schnell gefunden: Weil das Label "bio" bei Bekleidung weltweit nicht geschützt ist – muss die Herkunft der Stoffe nicht von einer unabhängigen Distanz geprüft werden. Derart unbeaufsichtigt haben die Hersteller freie Hand: "Viele Unternehmen strecken konventionelle Baumwolle mit Bioware", sagt Simon Ferrigno, ein führender Biobaumwollexperte aus Großbritannien.

Betrugsfälle und Kleingedrucktes

Wird also gestrecktes Biogarn als reines Bioprodukt angepriesen? C&A sendet nach einer Anfrage der WirtschaftsWoche nur Broschüren. H&M räumte ein, Biobaumwolle und konventionelle Baumwolle gemischt verkauft zu haben: Sämtliche Kleidungsstücke mit Biobaumwolle seien mit dem Etikett "Organic Cotton" gekennzeichnet, schreibt H&M. Kunden mussten also erst das Kleingedruckte auf der Rückseite des Etiketts lesen, um zu erkennen, dass womöglich nur die Hälfte der Baumwolle aus Bioanbau stammte.

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Standort erkennen

    Doch selbst auf die Aussage "100 Prozent Biobaumwolle" konnten sich Kunden nicht verlassen. "In Indien hat es eine große Zahl von Betrugsfällen gegeben", sagt Experte Ferrigno. Niemand wisse genau, wie viel gefakte Ökobekleidung dadurch über H&M und andere Modeketten in Umlauf gebracht wurde.

    Als die indische Regierung 2011 reagierte und das weltweit strengste Kontrollsystem errichtete, brach die global produzierte Baumwollmenge von 250 000 Tonnen auf 150 000 Tonnen ein.

    Obwohl Kontrolleure Biolebensmittel viel strenger überwachen und selten etwas beanstanden, ist auch hier nicht immer alles so nachhaltig, wie es beworben wird. So verspricht die EU-Bioverordnung ethisch korrekte Tierhaltung. Dennoch schreddern selbst Auftragszüchter von Biohöfen pro Jahr eine Million männliche Küken, weil sie zu wenig Fleisch und keine Eier liefern.

    Bio ist beliebt

    Jüngst entlarvte das TV-Magazin "Exclusiv im Ersten" sogar, dass sich einige Ökobauern auch um das Wohl der noch lebenden Tiere nicht scheren. In einem Schweine-Mastbetrieb etwa stehen die Tiere dicht an dicht in Ställen, in denen früher konventionell produziert wurde. Und in einem Biogefügelhof rennen die Hühner teils ohne Gefieder umher – wie in den schlimmsten Zucht-Fabriken.

    Dennoch erzeugen Labels wie "bio" und "öko" bei vielen Kunden ein gutes Gefühl. Erst recht, wenn es auf Produkten prangt, die normalerweise als eher problematisch für die Umwelt gelten.

    Daher sind Bioplastik, grünes Kerosin und nachhaltiges Lebensmittelfett in Marketingabteilungen so beliebt. Sie basieren tatsächlich auf einer guten Idee. Doch nach allzu blumigen Ankündigungen bereiten die Ökomaterialien einigen Konzernen Probleme. Beispielhaft zeigt das der Fall eines Danone-Joghurt-Bechers. Von außen ist er grün. Das würde niemand bestreiten. Doch dann fangen die Probleme auch schon an.

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