Wirtschaft von oben #343 – Trump Organization: Hat dieser Trump-Golfplatz unfair vom Zollkonflikt profitiert?
Mit seinen Golfplätzen verdient Donald Trump jedes Jahr um die 350 Millionen Dollar. Das geht aus seinen Einkommensberichten hervor. Die inzwischen von seinen Söhnen Eric und Donald Jr. geleitete Trump Organization bewegt sich dabei zuletzt immer häufiger im politischen Fahrwasser des Vaters – etwa in Indonesien, wo sie zurzeit zwei Golfplatzprojekte vorantreiben. Hier könnte der Zollkonflikt einem dieser Projekte vorerst den Weg geebnet haben. Darauf zumindest deuten neueste Satellitenbilder von LiveEO hin.
So hatte das indonesische Umweltministerium beim Trump International Golf Club Lido (30 Kilometer südlich von Jakarta) im Februar einen Baustopp verhängt. Grund: Der Wasserspiegel eines kleinen benachbarten Sees war deutlich zurückgegangen. Doch mit dem internationalen Zollstreit, das zeigen niedrig aufgelöste Satellitenbilder, begannen hier wieder die Arbeiten.
Ob es im Zusammenhang mit dem Zollkonflikt ein Entgegenkommen der indonesischen Behörden gab, lässt sich damit zwar nicht belegen. Klar ist jedoch: Indonesien war nach Großbritannien und Vietnam, beides Länder, in denen die Trump Organization Anfang des Jahres aktuelle Projekte vorangetrieben hat, die dritte Nation, mit der die USA eine Einigung im Zollkonflikt geschlossen haben. Das wirft zumindest Fragen auf.
Bilder: LiveEO/Google Earth/Maxar, LiveEO/Google Earth/Airbus, LiveEO/Up42/Airbus
Eine hoch aufgelöste Aufnahme zeigt, dass seit April mehrere Fundamente entstanden sind und großflächige Erdarbeiten für eine Siedlung aus Trump-Luxusvillen fortgeführt wurden. Und das, obwohl der Wasserstand im angrenzenden See nach wie vor sichtbar niedrig ist.
Den Golfplatz gibt es hier schon seit mehreren Jahrzehnten. Der indonesische Immobilienunternehmer und Politiker Hary Tanoesoedibjo hatte die Anlage mit seiner MNC-Gruppe übernommen und 2019 die Trump Organization an Bord geholt. Sie soll Kern eines riesigen Entwicklungsvorhabens sein. Dafür kassieren die Trumps Lizenzgebühren in Millionenhöhe und werden wohl auch am Verkauf der Villen beteiligt. Zudem soll der Clan ein Trump-Hotel und den Golfclub betreiben. Der Platz wurde von Ernie Els gestaltet, einem der besten Golfspieler der Welt.
Finanzielle Interessen hat der Trump-Clan aber nicht nur auf der Insel Java, sondern auch auf dem benachbarten Urlaubseiland Bali. Hier hat MNC schon 2014 einen Golfplatz im Süden gekauft, 2015 Donald Trump an Bord geholt. Satellitenbilder zeigen, dass zwar das alte Nirvana-Hotel, das hier stand, 2017 dichtgemacht und abgerissen wurde. Doch etwas Neues wurde seitdem nicht gebaut. Stattdessen sind die Golfbahnen verwildert, mit dichter Vegetation bedeckt. Hunderte Beschäftigte wurden entlassen.
Bali war der erste Versuch der Trumps, nach Südostasien zu expandieren. Laut MNC hat die Coronapandemie das Vorhaben verzögert. Zudem hätten sich die Partner auf die Anlage nahe Jakarta fokussiert. Lizenzgebühren bekommen die Trumps zurzeit dafür nicht.
Auch hier gibt es Bedenken wegen des enormen Wasserbedarfs. Schon jetzt ist der Tourismus für ungefähr die Hälfte der Grundwassernutzung auf Bali verantwortlich. Vor allem die Bewässerung von Grasflächen verschlingt Unmengen, weswegen Golfplätze mitunter als problematisch gelten. Selbst in regenreichen tropischen Gegenden wie Bali.
Zudem berichteten australische Medien schon 2017, dass MNC zusammen mit der Trump Organization rund um das alte Resort Land aufzukaufen versuchten – mehr oder weniger erfolgreich. Lokale Politiker berichteten damals, dass fast niemand zum gebotenen Preis verkaufen wolle. Landeigentümer hätten damals die fünffache Summe verlangt. Andere wollten ihr Land maximal verpachten, weil es seit Generationen in Familieneigentum lag.
Auf der Website der Trump Organization heißt es dennoch, dass die Anlage bald eröffnet wird.
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