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Wirtschaft von Oben # 107 – Apple Hier überlässt Apple die Daten seiner Nutzer dem chinesischen Staat

Das neue Rechenzentrum von Apple bei Guiyang wird von einem Staatsunternehmen der Provinz Guizhou betrieben. Quelle: LiveEO/UP42

In China sind zwei gewaltige, nahezu identische Rechenzentren entstanden, zeigen Satellitenbilder. Offenbar werden hier Daten von Apple-Nutzern gespeichert – auf die chinesische Behörden künftig Zugriff haben können. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

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In der westlichen Welt präsentiert sich der US-Computerbauer Apple gern als Hüter der Privatsphäre. In China aber stellt der Konzern gerade zwei gewaltige Rechenzentren fertig, die den dortigen Behörden offenbar Zugriff auf die persönlichsten Daten chinesischer Nutzer verschaffen. Chinesische Medien hatten zuerst hierüber berichtet.

Das eine liegt in Guiyang, der Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Guizhou, und ist auf den Satellitenbildern von LiveEO zu sehen. Ein praktisch identisches Gebäude findet sich in der Metropole Ulanqab, in der Provinz Innere Mongolei im Norden. Das Ausmaß der Rechenzentren ist gewaltig, wie die Bilder zeigen. Nahezu einen halben Kilometer sind die Gebäude lang, 200 Meter breit. Sie sind vollgestopft mit Servern, die Fotos, Kurnachrichten, E-Mails und Gesundheitsinformationen der inländischen iPhone-, iPad-, Mac- und Apple-Watch-Nutzer beherbergen.

Betrieben werden diese iCloud-Server allerdings nicht von Apple, sondern von staatlichen Angestellten. Im Fall des Serverparks in Guiyang ist Apple hierzu eine Partnerschaft mit dem Staatsunternehmen Guizhou-Cloud Big Data eingegangen. In Ulanqab dürfte es eine ähnliche Kooperation geben.


Chinesische Nutzer bekamen vor einer Weile eine Benachrichtigung, als sie die iCloud-App öffneten, dass Guizhou-Cloud Big Data der neue Provider der iCloud-Dienstleistung ist. Apple verzichtet laut „New York Times“ zudem in China auf die anderswo übliche Verschlüsselung der gespeicherten Informationen. Die hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten mit US-Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten geführt, weil selbst die kaum in der Lage waren, die Sicherheitsbarriere zu überwinden.

Apple hatte den Bau der Rechenzentren in China vor vier Jahren angekündigt, nachdem das neue Cyber-Sicherheitsgesetz des Landes in Kraft getreten war. Es verpflichtet Internetdienste dazu, die Daten chinesischer Nutzer im Land selbst zu speichern. Zuvor hatten sich internationale Internetfirmen unter anderem aus Datenschutzbedenken mit der Einrichtung von Rechenzentren in China zurückgehalten. Doch seitdem es keine andere Wahl mehr gibt, versucht Apple den Zentren einen positiven Dreh zu geben: Bereits 2017 betonte Apple, dass die Standards der Datensicherheit nicht aufgeweicht würden: „In keinem unserer Systeme wird es irgendwelche Hintertüren geben.“ Das neue Rechenzentrum werde auch Verlässlichkeit und Tempo der Apple-Dienste in China verbessern, warb der Konzern damals.

Das neue Cyber-Sicherheitsgesetz war im Juni 2017 in Kraft getreten. China ist mit solchen Regeln nicht allein. Unter anderem Russland verlangt, dass Daten von Internetnutzern im Land gespeichert werden müssen.

Apple ist daher längst nicht der einzige westliche Anbieter, der Datenzentren in China betreibt oder von einer chinesischen Firma betreiben lässt. Microsoft etwa setzt auf den chinesischen Anbieter 21Vianet Group. Erst im März kündigte der US-Konzern die Einrichtung weiterer von 21Vianet betriebener Zentren an, mit denen die Cloud-Kapazitäten des Konzerns in China verdoppelt werden sollen.

Für Apple ist China einer der wichtigsten Märkte. Allein im ersten Quartal dieses Jahres erwirtschaftete der Konzern hier mehr als 21 Milliarden Dollar Umsatz (einschließlich Hongkong und Taiwan). Das sind knapp 20 Prozent vom gesamten Konzernumsatz. Zudem lässt das Unternehmen den Großteil seiner Geräte in China fertigen. Entsprechend viel Druck kann Peking auf den US-Riesen ausüben, damit der sich chinesischen Regeln unterwirft.


Die beiden neuen Rechenzentren in China waren jedenfalls auch nicht gerade billig. Laut chinesischen Medienberichten kosteten sie den Konzern jeweils rund eine Milliarde US-Dollar. Das Gebiet um Ulanqab gilt dabei als ideal für die gewaltigen Datenspeicher. Das Klima ist verhältnismäßig kalt, sodass die Kühlung der Server weniger Energie verbraucht. Zudem ist der Strom billig. Neben Apple haben hier auch chinesische Tech-Konzerne wie Alibaba und Huawei Serverparks errichtet.

Die Datengesetzgebung zwingt Apple allerdings nicht nur in China lokale Rechenzentren zu eröffnen. Auch in Europa haben die Datenschutzregeln den Konzern dazu bewegt, einen Serverpark nahe der kleinen westdänischen Ortschaft Foulum zu eröffnen. Auch diese Anlage ist gewaltig, zeigen neueste Satellitenbilder. Und sie ist so konzipiert, dass sie allein von der Gebäudefläche her die Kapazität in den nächsten Jahren mehr als vervierfachen kann.


Ursprünglich hatte Apple geplant, zwei Rechenzentren für die iCloud-Daten hiesiger Nutzer in Europa zu bauen, eines in Irland, eines in Dänemark. Die Pläne für Irland wurden allerdings ad acta gelegt.

Wie die Rechenzentrumszwillinge in China wird auch das in Dänemark komplett mit erneuerbaren Energien betrieben. Hierzu hat Apple unter anderem Windräder und Solarparks gebaut. Der Konzern hat das dänische Rechenzentrum im September in Betrieb genommen.

Die Rubrik „Wirtschaft von oben“ entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Startup LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört. 

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