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Alte Autos als Anlage "Oldtimer-Fans restaurieren nicht mehr kopflos"

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Wo finden Sie die Autos für Ihre Sammlung?

Hornig: Da gibt es eigentlich nur eines: Kontakte, Kontakte, Kontakte. Wir sind in der Szene bekannt dafür, dass wir im Zeithaus die automobilen Meilensteine ausstellen, unabhängig von der Marke. Da kommt es natürlich vor, dass Händler und Privatiers uns ansprechen und uns Oldtimer anbieten. Gelegentlich kommen auch Museumsbesucher auf mich zu und fragen, ob wir Interesse an ihrem Oldtimer hätten. Manchmal finde ich Autos aber tatsächlich auch über eBay – wie etwa vor kurzem einen bestens erhaltenen VW Käfer aus dem Jahr 1956.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Fahrzeuge aus?

Hornig: Die Autos müssen in unser Konzept passen. Das Fahrzeug muss einen Meilenstein der Mobilität darstellen – sei es technologisch, im Design oder der Produktionsweise.  Dann sehen wir uns an, ob der Old- oder Youngtimer zum Beispiel das erste oder letzte Fahrzeug der Serie war, das diesen Trend ausgelöst hat

Wie funktioniert der Ankauf konkret?

Hornig: Wenn uns ein Auto angeboten wird, bekommen wir oft  Fotos zugeschickt. Doch auf Fotos können sie längst nicht alles erkennen. In einem persönlichen Gespräch versuchen wir, von den Besitzern möglichst viel über das Fahrzeug und seine Historie zu erfahren. Dann diskutieren wir das Fahrzeug im Museum mit mehreren Experten. Im nächsten Schritt sehe ich mir das Auto vor Ort an, danach schicke ich einen unabhängigen Sachverständigen. Anschließend  sprechen wir über den Preis – und wenn wir uns einigen können, wird das Fahrzeug erworben. Sie sehen also, das ist ein recht langer Weg, der uns andererseits vor Fehlkäufen gut schützt.

Sind für Sie da noch so richtige Schnäppchen drinnen?

Hornig: Nein. Der Markt ist mittlerweile sehr professionell. Vor kurzem haben wir einen Porsche 911 Turbo aus dem Jahr 1982 gekauft. Der Besitzer hat sein Auto wie seinen Augapfel gehütet. Als er verstorben war, rief mich seine Witwe an und bot mir das Auto an. Sie wollte etwas über 40.000 Euro für das Fahrzeug haben. Auf meine Frage, wie sie denn auf den Preis komme, sagte sie, sie hätte im Porsche-Zentrum angerufen. Die hätten ihr den Marktwert mitgeteilt. Die Menschen informieren sich, bevor sie ihre Fahrzeuge anbieten.

Landen echte Raritäten auch auf verschlungenen Wegen im Zeithaus?

Hornig: Selten, aber doch: Vor kurzem haben wir einen Cisitalia 202 SC von 1950 angeboten bekommen. Das Auto steht in Argentinien, das ist nicht gerade um die Ecke. Über Volkswagen haben wir Kontakte in das Land. Zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir einen Gutachter nach Argentinien geschickt, der hat das Auto bewertet. Seit letzter Woche steht der Wagen in Südamerika auf dem Volkswagen-Gelände, weil wir das Auto gekauft haben.

In welchen Ländern werden Sie üblicherweise fündig?

Hornig: Der Oldtimer aus Argentinien ist ein Ausnahmefall. In der Regel sind Autos aus Übersee für uns nicht von Interesse. Europa ist für uns ein guter Markt, wie auch Skandinavien. Gerade aus Nordschweden kommen gut erhaltene Autos, weil dort im Winter kein Salz gestreut wurde. Auch die Schweizer wussten schon immer, was gut ist, und haben manche Autos gut weggestellt. Das sind unsere Hauptmärkte.

Viele Kuba-Reisende bewundern die amerikanischen Straßenkreuzer der 1950er-Jahre, die noch im Land herumfahren. Sind diese Autos auch für sie als Oldtimer-Museum interessant?

Hornig: Nein, überhaupt nicht. Das sind schöne Autos der 1950er und 1960er-Jahre mit toller Optik, doch nach unserer Definition sind da keine automobilen Meilensteine dabei. Aufgrund der Mangelwirtschaft sind die Autos meist nicht in einem guten Zustand. Mitunter werden sie am Leben erhalten, indem andere Motoren oder Achsen eingebaut wurden. Da steht die Nutzungsfähigkeit vor der Erhaltung des Originalzustands – und das ist für uns dann weniger von Interesse.

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