Absatzkrise bei Autos: ZF senkt Arbeitszeit für tausende Beschäftigte
Der Autozulieferer ZF muss sparen
Foto: imago imagesZF will die Arbeitszeit eines großen Teils der am Standort Schweinfurt Beschäftigten zwölf Monate lang deutlich absenken. Am Ende soll eine eingesparte Stundenzahl stehen, die rechnerisch dem Abbau von 650 Stellen entspricht. Der Automobilzulieferer bestätigte das. Am Donnerstag erhielten ZF zufolge rund 9800 Angestellte am Standort Schweinfurt bei zwei Live-Veranstaltungen und einem Online-Termin detaillierte Informationen zu den geplanten Personalanpassungen.
Standortleiter Manfred Süß und Personalleiter Marcus Giek erklärten den Mitarbeitern, dass Personalkapazitäten in den Bereichen Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie insbesondere in der Produktion auf das künftig benötigte Maß reduziert werden müssten.
ZF will wöchentlich 22.750 Stunden sparen
Einem Insider zufolge könnte der Großteil der Beschäftigten am Ende bei rund 31,5 statt 35 Stunden landen. Das entspricht rein rechnerisch einem Abbau von 650 Vollzeitkräften. Der Betriebsrat aber hat dem offenbar noch nicht zugestimmt. Laut ZF geht es darum, die Arbeitszeit am Standort wöchentlich um 22.750 Stunden zu reduzieren.
Nicht betroffen von der Absenkung sein sollen Insidern zufolge Teilzeitkräfte. Auch Auszubildende sollen höchstwahrscheinlich ausgenommen werden, ebenso Menschen in Altersteilzeit und die Mitarbeiter der Sparten Aftermarket und RACE Engineering. Kurzarbeit hat ZF in der internen Veranstaltung hingegen ausgeschlossen, ebenso Kündigungen.
Bedrückte Stimmung
Laut Insidern ist die Stimmung am Standort derzeit bedrückt. Die Chefs aber hätten am Donnerstag klargemacht, dass sich Umsatz und Mitarbeiterzahl auseinanderentwickelten. In Schweinfurt beschäftigt ZF zum Beispiel rund 5500 Mitarbeiter in der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien, davon 3500 in der Produktion. Gerade für E-Autos rufen die Autobauer derzeit die Teile jedoch nicht so stark ab, wie ursprünglich in den Verträgen vereinbart. Auch ZF verhandelt deswegen mit Autobauern über Kompensationen.
Insgesamt muss ZF von allen Autozulieferern derzeit mit am stärksten sparen. Der Konzern will wegen anhaltender Probleme bereits jetzt bis zu jede vierte Stelle in Deutschland abbauen. Zudem belasten zwei große Übernahmen die Bilanz, allein für den Schuldendienst muss ZF pro Jahr rund eine halbe Milliarden Euro aufbringen.
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