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Autozulieferer in der KriseFirmenkultur der Reformangst beschert Benteler Entlassungen

Der Paderborner Autozulieferer steht vor umfangreichen Entlassungen. Schuld daran ist der Patriarch an der Spitze des Familienunternehmens, der Einschnitte zu lange hinauszögerte.Hans-Jürgen Klesse 05.06.2013 - 06:23 Uhr

Automobilzulieferer Benteler streicht weltweit 1800 der 22.000 Stellen in der Autosparte. Rund 500 davon werden vermutlich am deutschen Stammsitz in Paderborn wegfallen. Benteler erzielte 2012 einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro, im Kerngeschäft mit Achsen und Karosserieteilen waren es 5,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat wichtige Umstrukturierungen zu lange herausgezögert, jetzt bleibt nur noch der Personalabbau.

Foto: PR

Der Maico Champion 400 war ein typischer Kleinwagen der Nachkriegszeit: zwei Sitze, ein Ein-Zylinder-Rasenmähermotor im Heck, entwickelt 1948 von der Zahnradfabrik Friedrichshafen und gefertigt von verschiedenen Lizenznehmern in ganz Deutschland. Einer davon war Benteler. Das Unternehmen wurde 1876 als Eisenwarenhandel in Bielefeld gegründet. Knapp 2000 Maico Champion liefen 1951 und 1952 im Werk Paderborn-Mönkeloh vom Band.

Der Wirtschaftswunderwinzling war nur eines von vielen Beispielen für die Anpassungsfähigkeit des traditionsreichen Familienunternehmens. 1918 produzierte der einstige Stahlhändler die ersten gezogenen Stahlrohre, 1930 Masten und Kandelaber, 1935 Auspuffrohre für den Ford Eifel. Im Krieg folgten Flakgeschütze, danach Fahrradteile, Textil-, Kunststoff- und Glasbearbeitungsmaschinen, 1950 Kühlschränke der Marke Delta. 1974 eröffnete Benteler sogar ein Elektrostahlwerk.

Wichtige Anpassungen wurden verschoben

Struktur und Kennzahlen der Benteler-Gruppe. Für eine Großansicht auf das Bild klicken

Foto: WirtschaftsWoche

So schön, schön war die Zeit. Flexibilität und Prosperität sind verflogen, von der Anpassungsfähigkeit der vergangenen Jahr ist kaum noch etwas zu spüren. Der in vierter Generation von Hubertus Benteler geführte Konzern mit zuletzt rund 7,5 Milliarden Euro Umsatz steckt in der Abhängigkeit von der Autoindustrie fest, fast 80 Prozent der Einnahmen stammen von der konjunkturgebeutelten Branche. Dringend notwendige Anpassungen an das kriselnde Umfeld vor allem in Europa wurden immer wieder verschoben. Die offene Nachfolgeregelung trieb Manager ausgerechnet in der wichtigen Autosparte von der Fahne. Seit Anfang des Jahres steht fest, dass weltweit 1800 von 22 000 Stellen in der Autosparte gestrichen werden sollen, davon vermutlich 500 am deutschen Stammsitz in Paderborn.

Benteler, der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors zufolge 2012 mit einem Spartenumsatz von 5,9 Milliarden Euro weltweit auf Platz 32 der Autozulieferer, hat riesige Probleme mit der Marge. Um Aufträge nicht an Konkurrenten zu verlieren, machte das Unternehmen Insidern zufolge hohe Preiszugeständnisse an etliche Autokonzerne, die im vergangenen Jahr fast den gesamten Gewinn auffraßen.

Benteler gilt als lukrativ

Dabei läuft im 137. Jahr seit der Gründung längst nicht alles schlecht bei Benteler. Die Gruppe, die seit Mitte 2010 von einer Holding in Salzburg geführt wird, ihren Stammsitz aber weiter in Paderborn hat, steht auf drei rechtlich selbstständigen Säulen und verfügt über eine recht ordentliche Eigenkapitalquote von gut 26 Prozent. Das Stahlgeschäft, das 2012 rund eine Milliarde Umsatz beisteuerte, gilt unter Experten als lukrativ.

Auch das Engagement der Benteler-Autosparte bei der Verwendung neuer Materialien und im Leichtbau wird positiv beurteilt. "Das seit 2007 bestehende Joint Venture mit SGL Carbon und die Investitionen in den Aluminiumleichtbau sind ein wichtiges Differenzierungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern, die dafür sorgen, dass Benteler in allen Materialien lieferfähig ist", lobt ein Branchenexperte. "Das Karbon-Engagement ist zwar noch eine offene Wette, aber so ein Risiko muss ein Unternehmen eingehen."

Continental will weiter wachsen

Trotz negativer Währungskurseinflüsse und weiter schwacher Konjunktur in Südeuropa hat Continental 2013 deutlich zugelegt. Die Hannoveraner erhöhten ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr leicht auf rund 33,3 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg auf 3,7 Milliarden Euro - es handelt sich noch um vorläufige Eckdaten. Die vollständigen Zahlen und den Nettogewinn will Conti bei der Bilanzvorlage am 6. März nennen. Vorstandschef Elmar Degenhart sagte am Rande der Automesse in Detroit, er erwarte 2014 ein Umsatzplus von mehr als 5 Prozent auf 35 Milliarden Euro.

Die deutschen Automobilzulieferer sind im internationalen Vergleich top - doch in puncto Profitabilität läuft ihnen die Konkurrenz aus Korea bereits den Rang ab. Der Zulieferer...

Foto: dpa

... Schaeffler ist dank guter Geschäfte mit seiner Autosparte allerdings ganz ordentlich in das neue Jahr gestartet. Der Bereich sei im Vergleich zu 2012 um drei Prozent gewachsen - der Umsatz der Industriesparte sei dagegen deutlich zurückgegangen. Unter dem Strich habe das fränkische Unternehmen bis Ende März einen Gewinn von 233 Millionen Euro erzielt. Damit ist Schaeffler der profitabelste Automobilzulieferer. Das Ranking der größten Unternehmen der Branche teilen sich jedoch andere. Da noch nicht alle Unternehmen ihre Zahlen für 2013 vorgelegt haben, beziehen sich die Daten in den folgenden Texten auf 2012.

Foto: dpa

Platz 10 - Faurecia

Der französische Automobilzulieferer eröffnet die Top Ten der größten Automobilzulieferer der Welt. Die Franzosen fertigen Abgasanlagen, Stoßfänger und Innenräume. (Vorjahr: Platz 11)

Umsatz 2012: 17,4 Milliarden Euro

Marge: 0,5 Milliarden Euro, das entspricht 3,0% vom Umsatz

Quelle: Berylls Strategy Advisors "Global Top Automotive Suppliers" Studie 2012

Beachtung finden Unternehmen, die mindestens 50 Prozent des Umsatzes im Automotive-Bereich erwirtschaften. Dieser Umsatzteil wird auch im Ranking herangezogen.

Foto: Presse

Platz 9 - Johnson Controls

Obwohl der nordamerikanische Automarkt 2012 enorm gewachsen ist, konnte der US-Hersteller seine Position vom Vorjahr nicht halten. Die Amerikaner stellen an 1300 Standorten weltweit Elektronik, Batterien, Türen, Innenräume und Sitze her. (Vorjahr: Platz 8)

Umsatz 2012: 20,6 Milliarden Euro

Marge:1,2 Milliarden Euro; das entspricht 5,6% vom Umsatz

Foto: Presse

Platz 8 - Michelin

Der französische Hersteller produziert jährlich über 180 Millionen Reifen und ist mit 69 Produktionsstandorten in 18 Ländern der Welt vertreten. Für Michelin arbeiten mehr als 113.000 Menschen. (Vorjahr: Platz 7)

Umsatz 2012: 21,5 Milliarden Euro

Marge: 2,4 Milliarden Euro; 11,3% vom Umsatz

Foto: dpa/dpaweb

Platz 7 - Hyundai Mobis

Das Wachstum des koreanischen Zulieferers ist eng mit den Zuwächsen beim Autobauer Hyundai Kia verbunden. Mobis hat aber auch durch die Übernahmen von Daewoo Motors durch GM und Samsung Motors durch Renault-Nissan Zugang zu den zwei größten OEMs der Welt erhalten. 65 Prozent des Geschäfts von Hyundai Mobis werden heute außerhalb des koreanischen Heimatmarktes getätigt. (Vorjahr: Platz 10)

Umsatz 2012: 21,8 Milliarden Euro

Marge: 2,1 Milliarden Euro; das entspricht 9,4% vom Umsatz

Foto: Presse

Platz 6 - Aisin

Pumpen, Motorteile, Federung und Sicherheitssysteme sind das Geschäft des japanischen Autozulieferers Aisin Seiki. 2011 knackte der Konzern erstmals beim Umsatz die 20-Milliarden-Euro-Marke und hält sie seither souverän. (Vorjahr: Platz 6)

Umsatz 2012: 22,5 Milliarden Euro

Marge: 1,5 Milliarden Euro; das entspricht 6,7% vom Umsatz

Foto: Presse

Platz 5 - Magna

Der österreichisch-kanadische Autozulieferer, der im Übernahmekampf um Opel in Deutschland größere Bekanntheit erlangte unterhält weltweit fast 300 Produktionsstätten. Das Unternehmen fertigt Karosserieteile, Elektroantriebe und Innenräume für die Automobilindustrie und bezeichnet sich selbst als "meistdiversifizierte Automobilzulieferer der Welt". (Vorjahr: Platz 5)

Umsatz 2012: 23,3 Milliarden Euro

Marge: 1,2 Milliarden Euro, das entspricht 5,2% vom Umsatz

Foto: dpa

Platz 4 - Bridgestone/ Firestone

Bridgestone entwickelt und produziert Reifen für nahezu alles, was sich auf Rädern bewegt und ist zudem einer der größten Gummi- und Dämmungssystemfabrikanten der Welt. (Vorjahr: Platz 3)

Umsatz 2012: 26,8 Milliarden Euro

Marge: 2,5 Milliarden Euro; das entspricht 9,4% vom Umsatz

Foto: AP

Platz 3 - Denso

Der japanische Autozulieferer Denso, der zur Toyota-Gruppe gehört, fertigt Sicherheitssysteme, Klimaanlagen, Elektromotoren und Scheibenwischer. (Vorjahr: Platz 4)

Umsatz 2012: 30,9 Milliarden Euro

Marge: 2,4 Milliarden Euro; das entspricht 7,6% vom Umsatz

Foto: Presse

Platz 2 - Bosch

Der Technologiekonzern ist hierzulande auch als Hersteller von Kühlschränken und Bohrmaschinen bekannt. Kerngeschäft sind aber Komponenten für die Automobilindustrie wie Sicherheitssysteme, Elektroantriebe, Einspritzsysteme und Beleuchtung. (Vorjahr: Platz 2)

Umsatz 2012: 31,1 Milliarden Euro (laut Geschäftsbericht 2012)

Marge (Ebit Kfz-Sparte): 1,4 Milliarden Euro; das entspricht 4,5 Prozent (Vorjahr: 7,7 Prozent)

Foto: dapd

Platz 1 - Continental

Der deutsche Konzern stellen neben Reifen, Sicherheitssysteme, Bremsanlagen und Türsysteme her und belegen das zweite Jahr in Folge den ersten Platz im Ranking der größten Automobilzulieferer der Welt. Konkurrent Bosch hat das Nachsehen.

Umsatz 2012: 32,7 Milliarden Euro

Marge: 3,5 Milliarden Euro; das entspricht 10,7% vom Umsatz

Foto: dpa

Fujitsu

Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik.

Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu.

Foto: REUTERS

Lufthansa Technik

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Lufthansa Technik, die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat des Unternehmens auf eine Zukunft für die Triebwerksüberholung am Standort Hamburg verständigt. Danach fallen in den nächsten Jahren 700 von 2000 Arbeitsplätzen in Deutschland in diesem Bereich weg. Auf betriebsbedingte Kündigungen will die Lufthansa Technik verzichten und mit Frühverrentungen, Abfindungen und anderen sozialverträglichen Maßnahmen den Arbeitsplatzabbau über fünf bis sieben Jahre strecken.

Foto: dpa

DAK-Gesundheit

Die gesetzliche Krankenkasse DAK-Gesundheit will 1600 ihrer knapp 11.000 Vollzeitstellen abbauen. Das teilte der Sprecher der Ersatzkasse, Jörg Bodanowitz, mit. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi gab der Kassenvorstand entsprechende Pläne zu Beginn der Tarifverhandlungen bekannt. Die Umstrukturierung einer der größten Krankenkassen in Deutschland sei notwendig, nachdem das Bundesversicherungsamt die DAK zu dem im Vergleich zweithöchsten Zusatzbeitrag gezwungen habe, hieß es bei Verdi. Dadurch habe die Kasse seit Jahresbeginn über 180.000 Mitglieder verloren.

Verdi teilte mit, dass die Gewerkschaft die Tarifverhandlungen nutzen wolle, um möglichst viele Stellen im Unternehmen zu erhalten und, wo das nicht möglich ist, für einen „sozialverträglichen Ab- und Umbau zu sorgen“.

Foto: dpa

EnBW

Der Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen.

Foto: dpa

Intel

Der weltgrößte Chiphersteller hat einen massiven Jobabbau angekündigt. Bis Mitte 2017 will Intel weltweit 12.000 Stellen streichen, wie es am 19. April nach US-Börsenschluss mitteilte. Das entspreche etwa elf Prozent der gesamten Mitarbeiterzahl. Der Konzern begründet den Personal-Kahlschlag mit dem Wandel vom klassischen PC-Ausrüster zum modernen Dienstleister im mobilen und Cloud-Geschäft, bei dem Daten ins Internet ausgelagert werden.

Foto: REUTERS

Nokia

Der finnische Telekomausrüster Nokia streicht nach der Fusion mit dem Rivalen Alcatel-Lucent in Deutschland massiv Jobs. Die Zahl der Stellen in Deutschland solle bis 2018 um 1400 sinken, sagte eine Nokia-Sprecherin am 6. April. Derzeit beschäftigt die deutsche Tochter 4800 Menschen. Größte Standorte seien München, Stuttgart und Ulm. Ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde, sei derzeit nicht klar. Der ehemals weltgrößte Handy-Hersteller hatte den Konkurrenten Alcatel-Lucent für 16 Milliarden Euro geschluckt. Abgeschlossen ist der Deal seit Anfang des Jahres.

Foto: dpa

IBM

Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau. Laut der Gewerkschaft Verdi hat der Konzern am 30. März über die geplante Kürzung von fast 1000 Stellen bis März 2017 informiert. Das teilte Verdi in einem Newsletter mit. Betroffen sind vor allem Service-Bereiche. Der Konzern habe die Arbeitnehmervertreter zu Verhandlungen für Sozialplan und Interessensausgleich aufgefordert. In Hannover solle ein Bereich mit etwa 200 Mitarbeitern stillgelegt werden, sagte ein Verdi-Vertreter. Der Standort Hannover bleibt aber grundsätzlich erhalten.

Foto: dpa

Boeing

Der US-Flugzeugbauer will in den nächsten Monaten rund 4000 Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sei die Sparte Verkehrsflugzeuge, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Um Kosten zu sparen, würden auch Hunderte Stellen bei Führungskräften und Managern gestrichen. Insgesamt fallen damit bis Mitte des Jahres 2,5 Prozent der zuletzt rund 160.000 Jobs bei Boeing weg.

Im Februar hatte der Chef von Boeings ziviler Flugzeugsparte, Ray Conner, bereits angekündigt, dass ein Personalabbau notwendig sei, um "Wachstum zu finanzieren und ein gesundes Geschäft zu führen".

Foto: dpa

RWE

RWE-Personalvorstand Uwe Tigges stellt die rund 60.000 Beschäftigten des Essener Energiekonzerns auf weiteren Stellenabbau ein. "Unsere bisherigen mittelfristigen Planungen sehen bis Ende 2018 einen Abbau um etwa 2000 Arbeitsplätze vor, unter anderem auch durch natürliche Fluktuation", sagte Tigges der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ, Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Innerhalb der vergangenen drei Jahre hat RWE bereits rund 10.000 Arbeitsplätze verloren. "Bisher ist es uns gelungen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und wir tun alles dafür, dass es auch weiterhin so bleibt", sagte Tigges.

Foto: dpa

Coca-Cola

Der Getränkehersteller Coca-Cola schließt im Sommer mehrere Standorte in Deutschland. Davon seien bundesweit rund 550 Mitarbeiter betroffen, etwa 320 allein in Bremen, sagte ein Sprecher von Coca-Cola Deutschland am 1. März. Das Unternehmen begründete den Schritt mit einer „Straffung des Produktionsnetzwerkes“, mit der man auf geänderte Bedingungen am Markt für Erfrischungsgetränke reagiere. Auch knapp ein halbes Dutzend kleinerer Standorte unter anderem in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern werde nicht weiter betrieben. Zugleich seien zentrale „Versorgungspunkte“ geplant, etwa im Großraum Bremen und bei Magdeburg.

Foto: dpa

WGZ und DZ Bank

Durch den geplanten Zusammenschluss der genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ werden Hunderte Arbeitsplätze wegfallen. "Im Zuge der Bündelung und Vereinheitlichung von Strukturen, Prozessen und Infrastruktur gehen wir aktuell davon aus, dass voraussichtlich 700 Stellen für Vollzeitkräfte bis 2019 entfallen werden", heißt es in einem Schreiben an die Mitarbeiter beider Institute, das der Nachrichtenagentur Reuters am 16. Februar vorlag.

Foto: dapd

SEB

Die Deutschland-Tochter der schwedischen Bank SEB will zehn Prozent ihrer 700 Stellen streichen. „Wir haben entschieden, unsere Standorte in Hamburg und Düsseldorf zu schließen und unsere Kompetenzen in der Zentrale in Frankfurt zu bündeln“, sagte ein Sprecher des Instituts Anfang Februar. Umgesetzt sein sollen die Maßnahmen bis zur Mitte dieses Jahres. Betriebsbedingte Kündigungen will die SEB dabei vermeiden.

Neben Frankfurt soll ein kleiner Standort in München erhalten bleiben, von wo aus die SEB Mittelstandskunden in Bayern und Baden-Württemberg bedient. Die SEB macht in Deutschland nur noch Geschäfte mit Firmenkunden und institutionellen Kunden. Das Privatkundengeschäft der deutschen Tochter hatten die Schweden 2011 an die spanische Banco Santander verkauft.

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General Electric

Der US-Konzern General Electric (GE) will nach der Übernahme der Energiesparte des französischen Konzerns Alstom in Europa 6500 Stellen streichen. Das bestätigte ein GE-Sprecher am 13. Januar der Deutschen Presse-Agentur in Paris. In Deutschland sind nach Angaben des Unternehmens bis zu 1700 Arbeitsplätze in Mannheim, Stuttgart, Bexbach und Wiesbaden betroffen. Für Frankreich nannte GE die Zahl von 765 Jobs. Das Unternehmen hat in Europa derzeit rund 35.000 Mitarbeiter.

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Carlsberg

Carlsberg hat sich nach einer milliardenschweren Abschreibung ein umfangreiches Sparprogramm verordnet. Rund vier Prozent der Belegschaft sollen abgebaut werden, wie am 8. Januar 2016 bekannt wurde. Vor allem wegen des schleppenden Geschäfts in Russland schrieb der Konzern im dritten Quartal 7,7 Milliarden Dänische Kronen (1 Milliarden Euro) ab und rutschte damit tief in die roten Zahlen. Um profitabler zu werden, sollen nun 2000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Damit sollen unter anderem ab 2018 jährlich bis zu zwei Milliarden Kronen eingespart werden. Im Gegenzug fallen für die Maßnahmen Kosten in Höhe von insgesamt 10 Milliarden Kronen in den Jahren 2015 bis 2017 an, davon 8,5 Milliarden alleine im laufenden Jahr.

Foto: REUTERS

Royal Dutch Shell

Wegen des Ölpreisverfalls will Shell seinen Sparkurs nach der Milliarden-Übernahme des britischen Rivalen BG verschärfen. Die Investitionspläne des fusionierten Konzerns würden im nächsten Jahr um zwei Milliarden auf 33 Milliarden Dollar gekürzt, teilte der britisch-niederländische Ölmulti am 22. Dezember 2015 mit. Das seien 30 Prozent weniger als 2014. Damit wolle sich der Konzern stärker gegen den Abschwung der Branche stemmen, nachdem der Ölpreis zuletzt auf den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren gefallen war.

Shell hatte bereits angekündigt, den Stellenabbau nach der Fusion mit BG zu forcieren und weitere 2800 Jobs zu streichen - das sind drei Prozent der rund 100.000 Arbeitsplätze des neuen Unternehmens. Am 15. Februar will Shell die Übernahme vollziehen, mit der das Unternehmen zum weltweit führenden Anbieter von Flüssiggas aufsteigen will. Es ist die erste Großfusion in der Branche seit der Jahrtausendwende, als sich die Energie-Konzerne wegen sinkender Preise in ähnlichen Schwierigkeiten befanden. Die Wettbewerbsbehörden haben bereits zugestimmt.

Foto: REUTERS

Toshiba

Der von einem Bilanzskandal erschütterte Elektronikkonzern streicht angesichts eines anstehenden Rekordverlusts weitere knapp 7000 Arbeitsplätze. Allein im Fernsehgeschäft fielen mit 3700 Stellen rund 80 Prozent der bisherigen Jobs weg, kündigte der japanische Konzern am 21. Dezember an. In der PC-Sparte werden 1300 Stellen gekürzt. Der Konzern will sich künftig stärker auf Chip-Produktion und Kernenergie ausrichten. Zusammen mit bereits angekündigten Maßnahmen kappt Toshiba nun insgesamt rund 10.000 seiner noch knapp 200.000 Arbeitsplätze. Auch wegen der Kosten für den Umbau wird im laufenden Geschäftsjahr (per Ende März) ein Verlust von umgerechnet knapp 4,2 Milliarden Euro erwartet.

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Rabobank

Die niederländische Rabobank streicht fast jeden fünften ihrer Arbeitsplätze. Bis Ende 2016 sollen bereits 3000 Stellen wegfallen, teilte das Institut am 10. Dezember mit. Bis August hatte die Rabobank weltweit 47.000 Mitarbeiter, 35.000 davon in den Niederlanden. Wegen einer Verschärfung der Eigenkapitalregeln soll zudem die Bilanz bis 2020 um bis zu 150 Milliarden Euro eingedampft werden.

Das genossenschaftliche Institut kommt zurzeit auf eine Bilanzsumme von 680 Milliarden Euro. Die Ausgestaltung von Basel IV ist noch offen. Es wird aber erwartet, dass die Regulierer darin etwa Hypothekenkredite deutlich stärker mit Eigenkapital unterlegt haben wollen, die bisher als risikoarm gelten. Größte Konkurrenten der Rabobank sind ING und die kürzlich an die Börse zurückgekehrte ABN Amro. Sie war in der Finanzkrise verstaatlicht worden.

Foto: REUTERS

Dräger

Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk will im Zuge seines verschärften Sparkurses Arbeitsstellen streichen. Bis Ende 2016 sollen in Lübeck etwa 200 Stellen abgebaut werden, teilte die Gesellschaft am Montag in Lübeck mit. Ausgenommen sind die direkte Produktion und die Logistik. Ende September beschäftigte das Unternehmen rund 5000 Mitarbeiter am Standort Lübeck. Der Stellenabbau soll mit den Arbeitnehmergremien und der IG Metall abgestimmt werden und möglichst sozialverträglich erfolgen. Die IG Metall und der Dräger-Betriebsrat übten scharfe Kritik am geplanten Stellenabbau. Das Unternehmen hatte im Oktober seine Gewinnprognose bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr kappen müssen. Vor allem schleppende Geschäfte in China und Brasilien machen dem Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller zu schaffen. Aber auch in den USA läuft es nicht wie geplant.

Foto: dpa

Als Achillesferse gilt aber das traditionelle Autogeschäft, das die Produktion von Achsen, Fahrwerks- und Karosserieteilen wie Stoßfängern, Dachrahmen, tragenden Metallsäulen sowie von Auspuffanlagen und Abgassystemen zur Schadstoffverringerung umfasst. Mit der Entwicklung, Fertigung und dem Vertrieb der Autoteile wechselt Benteler praktisch nur Geld. Zwar legte der Umsatz von 5,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr mit einem Plus von sechs Prozent schneller zu als der Markt. Doch blieb nach Abzug der Kosten am Ende nur ein Mickerbetrag von 41 Millionen Euro vor Steuern in der Kasse. Das entspricht einer Umsatzrendite von gerade mal 0,6 Prozent. Die Renditeschwäche ist chronisch: Selbst 2007, im Jahr vor der Lehman-Krise, erreichte Benteler nur knapp vier Prozent.

Nach Ansicht ehemaliger Mitarbeiter ist die Margenschwäche denn auch vor allem eine Hypothek der Vergangenheit, als Benteler einigen Autobauern zu große Zugeständnisse machte, um im Geschäft zu bleiben. "Die Automobilbranche ist ohnehin ein Geschäftsfeld mit sehr hohem Risiko", sagt ein Ex-Manager, "wer da zu große Preiszugeständnisse macht, hängt später am Fliegenfänger."

Benteler kann nicht loslassen

Das Unternehmen will sich dazu nicht konkret äußern. "Benteler ist ein global tätiges Unternehmen und hat überwiegend langjährige Kunden und Geschäftspartner", heißt es auf Anfrage. Es sei wichtig, die Auftragslage ganzheitlich zu betrachten. "Dabei ist es durchaus möglich, dass Aufträge mit sehr unterschiedlichen Margen gebucht werden. Diese Mischung sichert zum einen langjährige, partnerschaftliche Geschäfte und bietet zum anderen eine Auslastung der Werke und sichert somit Arbeitsplätze." Dem Unternehmen gehe es um nachhaltigen, nicht nur um einzelnen, kurzfristigen Erfolg.

Langjährige Kenner sehen allerdings noch eine andere tief sitzende Ursache für die Probleme. "Benteler hat eine ganz komische Firmenkultur", sagt ein Insider. Diese manifestiere sich vor allem in den Charaktereigenschaften des Firmenpatriarchen, Vorstandsvorsitzenden Hubertus Benteler, der das Unternehmen seit 1991 lenkt. Der inzwischen 66 Jahre alte Alleinherrscher über die Aktiengesellschaft, die vollständig im Familienbesitz liegt, kann nur schwer loslassen und Verantwortung an externe Manager delegieren – eine Schwäche, die Benteler mit vielen anderen starken Unternehmerpersönlichkeiten teilt. Sieben Top-Manager haben die Autosparte in den vergangenen sieben Jahren mehr oder weniger entnervt verlassen. "Entweder weil sie nicht durften, wie sie wollten, oder weil sie nicht wollten, wie sie sollten", sagt ein Insider.

Drei Chefs in 14 Jahren

Das amtierende Bereichsvorstandstrio kommt gemeinsam auf eine Amtszeit von nicht mal fünf Jahren. Sprecher Thomas Wünsche – er ist in Personalunion auch Sprecher der Geschäftsführung der Benteler Deutschland GmbH – ist seit knapp eineinhalb Jahren im Amt, sein Kollege James Sheehan gerade mal gut sechs Monate. Nur Ralf Göttel trägt schon seit zweieinhalb Jahren Verantwortung in dem Gremium. "Der häufige Wechsel hat dazu beigetragen, dass längst überfällige Strukturanpassungen immer wieder verschoben wurden", sagt ein Insider gegenüber der WirtschaftsWoche. Das Unternehmen spielt das Thema herunter. Der Konzernvorstand sei mit Hubertus Benteler und Finanzvorstand Siegmund Wenk, der dieser Tage aus Altersgründen aus dem Amt scheidet, sehr stabil, heißt es auf Anfrage. Die Automobilsparte habe in den vergangenen 14 Jahren nur drei Chefs gehabt – inklusive dem amtierenden.

Gleichzeitig zeigt der langjährige Vorstandschef eine ausgeprägte soziale Ader, wie sie sonst eher Gewerkschafter haben. So habe er seinen Managern Fesseln auferlegt, als diese nicht mehr profitable Werke schließen wollten. "Das ist ähnlich wie vor Jahren bei Karmann in Osnabrück", sagt ein Insider. "Auch dort hatten die Eigentümer Angst davor, morgens beim Brötchenholen beschimpft zu werden, weil sie Leute entlassen haben." Die Karosserieschmiede Karmann, die zum Beispiel Cabrios für VW und Audi montierte, musste 2009 nach jahrelangem Siechtum Insolvenz anmelden.

Hubertus Benteler rang sich erst nach der Katastrophenbilanz des vergangenen Jahres dazu durch, schmerzhafte Einschnitte einzuleiten. Das sei zur Zukunftssicherung unerlässlich, erklärte die Firmenleitung Ende Januar. Leichtgefallen ist das dem Firmenpatriarchen sicher nicht.

"Benteler ist ein Familienunternehmen in vierter Generation, es nimmt seine Verantwortung als verantwortungsvoller Arbeitgeber sehr ernst", heißt es in einer offizielle Stellungnahme gegenüber der WirtschaftsWoche. Als nicht börsennotiertes Unternehmen zähle nicht der kurzfristige Erfolg, sodass Werksschließungen sehr gut überlegt werden müssten. Oder, wie der Firmenchef selbst einmal formulierte: "Werke schließen kann jeder, sogar meine Frau. Umstrukturieren und erhalten kann nur ein Mann wie ich."

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