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BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich "Geben das Betriebssystem nicht aus der Hand"

Das vernetzte Auto ist einer der Schwerpunkte auf der Elektronikmesse CES: Die Branche diskutiert aber immer noch über die Rahmenbedingungen. BMW ist enttäuscht von dem Tempo der deutschen Behörden.

BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich in Las Vegas Quelle: AP

BMW arbeitet im Verbund mit Mercedes und Audi, an einer Schwarmintelligenz auf vier Rädern. Gemeinsam haben die drei Premiumhersteller dazu den Kartendienst Nokia Here, erstanden. Jedes mit Sensoren ausgestattete Fahrzeug kann Daten über Straßen und Verkehrsverhältnisse sammeln und diese per Funk an einen zentralen Rechner weitergeben. Dort laufen die Daten von Millionen Autos zusammen und werden zu ständig aktualisierten, hochpräzisen Karten verarbeitet. So können zum Beispiel gefährliche Hindernisse wie ein wenige Minuten vorher abgegangener Felsbrocken an den Auto-Schwarm übermittelt und der Wagen gewarnt werden.

Das Problem: Um die riesigen Datenmengen in der nötigen Geschwindigkeit zu übertragen, braucht Deutschland einen besseren Mobilfunkstandard. „5G brauchen wir mindestens“, sagte Fröhlich in Las Vegas. Optische Systeme allein – als das Zusammenspiel aus Sensorik und Kameras – genügten nicht für vollautomatisiertes Fahren, betonte Fröhlich. Der kalifornische E-Auto-Hersteller Tesla etwa hat ein entsprechendes System aber bereits im Einsatz. BMW würde eine solche Technik nicht zur automatischen Steuerung „auf die Kunden loslassen“, sagte Fröhlich.

Die Highlights der Autohersteller in Las Vegas
BMW i8 Spyder Concept Quelle: BMW
BMW i Vision Quelle: BMW
BMW Quelle: BMW
BMW-Helm mit Head-up-Display Quelle: BMW
Head-up-Display Quelle: BMW
VW BUDD-e Quelle: dpa
Präsentation des VW BUDD-e Quelle: dpa

Die Netzqualität ist aber nicht das einzige Problem. Fröhlich sorgt sich um die Datenhoheit und den Datenschutz. „Früher hatten wir verschiedene Datenschichten im Auto. Das Infotainmentsystem beispielsweise war eine und sie war nicht sicherheitsrelevant. Heute aber müssen wir Möglichkeiten schaffen, ein Navigationssystem auf die Bremsen zugreifen zu lassen, wenn dies eine Notbremsung einleiten können soll. Die Schichten lösen sich auf. Es entsteht eine viel größere Durchlässigkeit für Daten.“

BMW fordert Standards für autonome Autos

Nach Geschmack des Ingenieurs müsse noch viel mehr über Sicherheitsstandards im Auto gesprochen werden. Dass es beispielsweise erlaubt sei, dass Versicherungsunternehmen während der Fahrt Zugriff auf wichtige Schnittstellen im Auto bekämen, halte er für falsch. „Da müssen wir die gesetzlichen Regelungen überdenken“, sagte Fröhlich. Der BMW-Manager zeigt sich insgesamt enttäuscht von der Gesetzgebung. „Ich habe keinen großen Optimismus, was die Reaktionszeit der deutschen Behörden auf den technologischen Fortschritt angeht“, so Fröhlich.

Andernorts ist zwar der rechtliche Rahmen schneller gegeben, doch in den USA etwa fürchten die Autohersteller Haftungsrisiken. Sollte ein Fahrzeug im Autopilot-Modus einen Unfall verursachen, ist mit millionenschweren Schadenersatzklagen zu rechnen. „Da überlegt sich der Autohersteller natürlich zweimal, ob er eine solche Funktion frei gibt“, so Fröhlich. Er forderte deshalb einen Stand der Technik zu definieren. Halten die Hersteller diesen ein, sollten sie vor Klagen geschützt sein.

Die Trends der CES 2016

Die Autohersteller bewegen sich in einer Zeit des Umbruchs. IT-Konzerne wie Apple, Google oder Startups wie Tesla drängen in ihre angestammten Geschäftsfelder. „Die Wertschöpfung verlagert sich von der Hardware auf Dienstleistungen, daher entwickelt sich auch BMW immer weiter zum Dienstleister für Mobilität.“ Was die Münchener an neuen personalisierten Diensten rund um das vernetzte Fahrzeug gerade eben auf der CES vorstellen, ist damit nicht unbedingt als Zusatzgeschäft, sondern als der Versuch zu werten, die erarbeitete Marktposition zu halten.

Druck entsteht nicht nur durch die Wettbewerber, er kommt auch von den Kunden selbst. Sie wollen ihre Smartphones inklusive ihrer Bedienoberfläche und Inhalten wie Musik, Video oder Soziale-Medien-Dienste mit einem Tastendruck auf den Touchscreen im Auto nutzen.

„Wir möchten den Kunden entgegenkommen, ohne dass dabei Daten ungewollt an Dritte abfließen“, erklärt Fröhlich die Position von BMW. Das „Betriebssystem“ wie Fröhlich das komplexe Gefüge aus zig verschiedenen Steuerungseinheiten im Auto umschreibt, soll in Hand des Herstellers bleiben. Auch wenn Autos bereits das Lenken übernehmen, soll der Kunde im übertragenen Sinne derjenige sein, der das Steuer in der Hand behält.

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