First Brands: Hohe Schulden treiben US-Autozulieferer First Brands in die Insolvenz
Der US-Autozulieferer First Brands strebt wegen seiner hohen Schuldenlast ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an („Chapter 11“). Vorangegangen war ein wochenlanges Tauziehen mit Gläubigern, die besorgt waren über das aus ihrer Sicht intransparente, bilanzferne Finanzgebaren des Autozulieferers.
Laut der am 28. September beim US-Insolvenzgericht für den südlichen Bezirk von Texas eingereichten Akte hat das in Cleveland ansässige Unternehmen Verbindlichkeiten in einer Spanne von 10 bis 50 Milliarden US-Dollar und Vermögenswerte zwischen 1 und 10 Milliarden US-Dollar. Der Schritt folgt auf Insolvenzanträge verbundener Einheiten, die First Brands zuvor zur Mittelbeschaffung genutzt hatte.
Eine Gruppe von Gläubigern wird dem Unternehmen laut einem Statement vom Montag eine Debtor-in-Possession-Finanzierung (DIP-Finanzierung) in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar bereitstellen, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann. Bei einer Abwicklung müssten diese Kredite vor allen anderen Verbindlichkeiten zurückgezahlt werden. Ohne gerichtlichen Schutz waren Kreditgeber nicht bereit, neues Kapital bereitzustellen, sodass dem Unternehmen das Geld ausging. Das Portfolio des Konzerns reicht von Scheibenwischern der Marken Anco und Trico bis hin zu Filtern des Herstellers Frams.
Die Insolvenz folgt auf wachsende Zweifel an der Abhängigkeit des Unternehmens von weiterer Schuldenaufnahme auf Basis von prognostizierten, zukünftigen Umsätzen. Die Situation lockte Leerverkäufer an, darunter Apollo Global Management und Diameter Capital Partners.
Etwa 70 Prozent der Erlöse des Zulieferers seien über sogenanntes Factoring abgewickelt worden, sagten mit den Finanzen des Unternehmens vertraute Personen. Das heißt vereinfacht: Um möglichst schnell flüssiges Kapital zur Verfügung zu haben, wurden Ansprüche gegenüber Kunden zu einem Abschlag weiterverkauft. First Brands reagierte am Montag nicht umgehend auf eine per E-Mail gestellte Bitte um einen weiteren Kommentar.
Das Wachstum des Konzerns wurde laut der Ratingagentur Moody’s weitgehend durch schuldenfinanzierte Übernahmen von Produkten angetrieben, die über große Einzelhändler wie Walmart oder O’Reilly Auto Parts verkauft werden. Das Unternehmen nahm überwiegend auf dem Markt für Leveraged Loans – risikoreiche Kredite für Schuldner mit schlechter Kreditwürdigkeit – Kapital auf und gibt Schulden in Höhe von rund 6 Milliarden US-Dollar an.
Im August gerieten die Probleme stärker in den Fokus, nachdem First Brands eine geplante Refinanzierung seiner Schulden ausgesetzt hatte. Daraufhin forderten Investoren das Unternehmen auf, einen sogenannten „Quality of Earnings“-Bericht einzuholen, bei dem Dritte die Geschäftszahlen kontrollieren.
Fonds wie Apollo Global Management und Diameter Capital Partners haben ihre Leerverkaufspositionen inzwischen geschlossen. Apollo nutzte dabei offenbar eine komplexe Konstruktion, die es ermöglichte, auf fallende Kurse zu setzen, ohne die dafür normalerweise erforderlichen Kredite des Unternehmens zu besitzen.
Die Insolvenz von First Brands zahlt ein auf langjährige Bedenken gegenüber Lieferkettenfinanzierungen, die Unternehmen nutzen, um Verbindlichkeiten zu schaffen, die oft außerhalb der Bilanz stehen. Diese Praxis stand bereits im Zentrum des Zusammenbruchs von Greensill Capital und trug zum Niedergang der Credit Suisse bei.
First Brands rechnet damit, dass seine weltweiten Aktivitäten während des Chapter-11-Verfahrens ohne Unterbrechung fortgeführt werden.
In der Mitteilung hieß es, die internationalen Tätigkeiten seien nicht Teil des gerichtlich überwachten Restrukturierungsverfahrens.
Das Verfahren trägt die Nummer 25-90397.
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