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Handwerkskammer-Präsident Josef Katzer „Den Dieselskandal auf den Mittelstand abzuwälzen, ist unverschämt“

Josef Katzer ist Präsident der Handwerkskammer Hamburg und leitet das Familienunternehmen Gebäudemanagement Katzer GmbH. Bild: Handwerkskammer Hamburg

Heute tritt in Hamburg das bundesweit erste Diesel-Fahrverbot in Kraft. Hamburgs Handwerkskammer-Präsident Josef Katzer erklärt, warum die insgesamt rund 15.000 Hamburger Handwerksbetriebe unter dem Verbot leiden.

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Herr Katzer, Ihr Betrieb hat allein in Hamburg 500 Mitarbeiter: Gebäudereiniger, Maler, Gärtner, die etwa für Krankenhäusern und Wohnungsgesellschaften arbeiten. Was bedeutet das Diesel-Fahrverbot für Ihren Betrieb?

Wir sind massiv betroffen. Wir haben 70 Fahrzeuge. Bis auf die Elektrofahrzeuge sind das alles Diesel-Autos – vom VW-Caddy bis zum LKW.

Und wie viele Elektro-Autos haben Sie?

Drei.

Wie gehen Ihre Mitarbeiter mit dem Fahrverbot in der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße um?

Wir müssen die beiden Straßen umfahren, haben deshalb längere Anfahrtszeiten. Diese Zeit muss irgendeiner bezahlen. Im Endeffekt der Kunde. Diese Umwege bedeuten auch längere Strecken. Wir fahren mehr – mit den gleichen Fahrzeugen. Das ist auch nicht gerade umweltfreundlich. Dass die Politik die Konzerne, die den Dieselskandal verursacht haben, unbehelligt lässt und alles auf den Mittelstand abwälzt, das ist unverschämt.

Sie könnten die Dieselfahrzeuge aus der Flotte verbannen.
Das ist für den Mittelstand unbezahlbar. Wir müssen uns auf die Digitalisierung vorbereiten – da können wir keine neuen Autos kaufen.

Haben Sie nicht auch Verständnis dafür, dass die Hamburger Politik handeln musste?

Klar, dies ist die Umsetzung einer EU-Auflage, die Stadt Hamburg bekommt Probleme, wenn sich die Luftqualität nicht verbessert. Wir sind auch froh, dass das Verbot nur diese beiden Strecken betrifft. Und wenn Handwerker in diesem Gebiet Arbeiten ausführen, dann dürfen sie trotzdem hineinfahren. Das war uns wichtig.

Was passiert am Donnerstag, wenn das Fahrverbot in Kraft tritt?

Die Hamburger Behörden werden versuchen, eine Kontrolle für das Verbot zu schaffen. Doch das ist unmöglich, weil weder das Personal vorhanden ist noch die technischen Hilfsmittel. Man müsste jedes Dieselfahrzeug rauswinken und gucken, was im Fahrzeugschein steht. Das ist vom Aufwand und Ertrag nichts wert. Ich glaube, dass das Verbot gar nicht ernstgenommen wird. Viele werden trotzdem dort längsfahren – und das Risiko in Kauf nehmen, erwischt zu werden und eine Strafe von 25 Euro zahlen zu müssen. Das ist dann eine Extra-Maut.

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