Krise beim Autobauer: Bauernopfer werden Porsche nicht helfen

Nehmen wir mal an, Sie spielten ein Computerspiel. Es heißt „Porsche“. Es ist ein Strategiespiel, bei dem man den gleichnamigen Sportwagenhersteller sanieren soll. Porsche ging vor gut zwei Jahren an die Börse mit einem Ausgabepreis von 82,50 Euro. Heute steht die Aktie bei 59 Euro. Porsche wollte sein wie der Konkurrent Ferrari, deshalb der Börsengang. Doch wäre Porsche Ferrari, dann stünde die Aktie bei 145 Euro.
Was also ist los bei Porsche? Sie schauen nach, tauchen im Spiel in die Entwicklungsabteilung ein und finden schließlich eine heiße Spur. Es gibt ein Dokument, in dem steht, dass Porsche 2030 fast nur noch E-Autos verkaufen will. Sie stoßen auf einen verschwitzten Ingenieur, der sagt: „Das wird nichts. Unser bislang einziges E-Auto, der Taycan, verkauft sich kaum.“
Doppelagenten
Porsche hat ein E-Auto-Problem. Also es besser sein lassen mit dem Elektroantrieb? Puh, schwierige Entscheidung! Sie merken: Das Spiel hat es in sich. Sie investieren ein paar Coins in einen angeblich starken Helfer: Lutz Meschke. Er ist bei einer Holding, die 25 Prozent der Stimmrechte an Porsche hält, für eben diese Beteiligung als Vorstand zuständig. Sie geben vor, Meschke solle bei Porsche mal ordentlich Druck machen. Doch Sie kommen nicht weiter. Was Sie nicht wussten: Meschke ist auch Vorstand bei Porsche und müsste deshalb Druck auf sich selbst machen.
Also investieren Sie weitere Coins, damit Porsche-CEO Oliver Blume seinem Laden Feuer macht. Aber wieder eine Sackgasse, denn er ist zu beschäftigt: Er kann nur montags und freitags. Die anderen Tage ist er als Vorstandschef beim Volkswagen-Konzern tätig und dort ist die Lage noch viel schlimmer. Sie investieren ihre letzten Coins in den Compliance-Vorstand der Holding, Manfred Döss, damit er sich dieses Interessenkonflikts mal annimmt. Aber der winkt ab. Denn er ist auch bei Volkswagen im Vorstand, Blume ist dort sein Chef.
Game over? Im Spiel wäre es an dieser Stelle vielleicht schon so weit. Die Realität ist da gnädiger, obwohl die Lage genau so vertrackt ist, wie hier geschildert.
Porsche hat E-Auto-Probleme, eine China-Schwäche, die Strategie liegt in Trümmern. Dass es so weit kommen konnte, liegt auch an den aktienrechtlich problematischen Verflechtungen und Doppelfunktionen, die Governance-Probleme, auf die Kritiker seit dem Börsengang hinweisen.
Als Reaktion auf die Schieflage will Porsche nun Meschke und den Vertriebsvorstand Detlev von Plate auswechseln. Das nimmt Doppel-CEO Blume womöglich für eine Weile aus der Schusslinie. Er gewinnt dabei Zeit, um der komplizierten Lage Herr zu werden. Allen Beteiligten aber muss klar sein: In der Sache kommt er damit kein Stück weiter.
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