Mobilitäts-Radar Deutsche wollen Kontrolle über ihr Auto behalten

Exklusiv

Die Mehrheit der Deutschen lehnt aus Angst vor Datenmissbrauch Roboter-Autos ebenso ab wie das vernetzte Fahren. Stattdessen sieht eine aktuelle Studie eine wachsende Bereitschaft zum Teilen.

Bereits heute wird das autonome Fahren in einigen Modellprojekten erprobt – der Massenmarkttauglichkeit stehen allerdings noch einige Hürden im Weg. Quelle: Volvo

„Mobilität verbindet“: Mit dem Motto der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt können sich die meisten Deutschen sicherlich problemlos identifizieren. Doch der Anteil der Menschen sinkt, die hauptsächlich Auto-mobil unterwegs sind. Nach einer exklusiven Umfrage von TNS Infratest und A.T. Kearney für die WirtschaftsWoche steht das Auto mit einer Zustimmungsquote von 65 Prozent emotional zwar weiterhin unangefochten auf Platz eins. Aber jeder zweite Autofahrer macht seine Verkehrsmittelwahl inzwischen von Wetter- und Verkehrslage abhängig – und steigt auf öffentliche Verkehrsmittel um. Echtzeit-Informationen im Internet über Verkehrslage und Fahrpläne machen die Entscheidungen leicht.

Den „Mobilitäts-Radar“, für den Ende August 1008 Volljährige befragt wurden, förderte deutliche Unterschiede in den Einstellung von Stadtbewohnern und Landbevölkerung zutage. Vor allem für unter 30-Jährige Stadtbewohner ist der Verzicht auf das eigene Auto wegen der hohen Anschaffungskosten (45 Prozent), aber auch wegen der Schnelligkeit anderer Verkehrsmittel (44 Prozent) und der Parkplatznot in der Stadt (41 Prozent) eine Option.

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„Neue digitale Services prägen zunehmend die Mobilität der Menschen“, konstatiert Reinhold Weissbarth von TNS Infratest. Die zunehmende Vernetzung der Verkehrsteilnehmer befördert aber auch Ängste: Aus Sorge vor einem Datenmissbrauch wird das vernetzte Auto derzeit mehrheitlich abgelehnt. 77 Prozent aller Befragten gaben an, den Datenaustausch zwischen Fahrzeugen und Verkehrszentralen oder Versicherungsgesellschaften abzulehnen. Bei den unter 30-Jährigen war die Ablehnung mit 65 Prozent nur geringfügig niedriger.

Allerdings ist das Angebot derartiger Dienste auch noch gering, das Wissen um die Möglichkeiten noch nichts sonderlich ausgeprägt. Die Bereitschaft, für derartige Services zu bezahlen, ist entsprechend niedrig – nur 11 Prozent wären bereit, mehr als 20 Euro im Monat zu zahlen. 16 Prozent erwarten die Dienste sogar zum Nulltarif.

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Eine ähnliche Skepsis haben die Deutschen beim Thema Autonomes Fahren. 80 Prozent der Befragten hatte schon einmal von den so genannten Roboter-Autos gehört. Doch nur 23 Prozent sehen die Entwicklung positiv. Bei Großstädtern und den 30-Jährigen ist die Vorfreude auf die Zukunftstechnologie mit je 26 Prozent nur geringfügig höher.

Für Ralf Kalmbach, der bei der internationalen Unternehmensberatung A.T. Kearney die Automotive-Sparte leitet, liefert der Mobilitäts-Radar der Autoindustrie wichtige Hinweise auf sich abzeichnende Veränderungen im Mobilitätsverhalten: „Mobilität wird bereits in naher Zukunft nicht mehr primär durch den Besitz von Fahrzeugen definiert. Digitale Plattformen und Services zur bedarfsgerechten Bereitstellung von Transportdiensten gewinnen schnell an Bedeutung und die Fahrzeughersteller tun gut daran, ihre Geschäftsmodelle konsequent danach auszurichten.“

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