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Studie von Autoexperte Dudenhöffer SUV werden kompakter: Das steckt dahinter

Etwa jede dritte Neuzulassung in Deutschland ist mittlerweile ein SUV. Quelle: obs

Jeder dritte Neuwagen in Deutschland ist ein SUV. „Panzer“ und „Straßenverstopfer“, sagen Kritiker. Was ist dran, am Mythos des wachsenden Stadtgeländewagens? Eine Studie liefert die Antwort.

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Panzer auf Rädern, Karosserie-Monster oder Schlachtschiff: Sporty Utility Vehicles, kurz SUVs, sind mit einigen Vorurteilen belastet. Vor allem in Städten gehören sie sicher nicht zu den beliebtesten Fahrzeugen, die durch die engen Straßen rollen. Und trotzdem: Die Autos stehen bei den Deutschen hoch im Kurs. Seit 1990 stieg der Anteil an SUV bei Neuzulassungen hierzulande stetig an. 2019 waren bereits 33 Prozent der Neuzulassungen SUV. 2020 wird ihr Anteil noch wachsen (siehe Grafik).

Das geht aus einer Untersuchung des Center Automotive Research (CAR) aus Duisburg um Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hervor. Einer der Hauptgründe für den SUV-Boom: „Der Durchschnittskäufer von Neuwagen in Deutschland ist etwa Mitte 50. In diesem Alter freuen sich die Menschen, wenn sie sich ergonomisch bewegen können und sich beim Ein- und Aussteigen und fahren nicht verbiegen müssen“, meint Dudenhöffer. So sei der Komfort beim SUV deutlich besser als bei anderen Fahrzeugen.

So weit, so bekannt. Aber neben dem Marktanteil haben Dudenhöffer und sein Team auch Breiten-, Längen- und Gewichts-Entwicklung bei den Großfahrzeugen in den letzten 30 Jahren analysiert.



Denn trotz der steigenden Beliebtheit bleibt in der Öffentlichkeit oftmals das Bild des SUV als Dickschiff in der Stadt hängen. Die Studie des CAR zeigt aber, dass die Wagen mit der Zeit schlanker geworden sind und dem Panzer-Vorurteil nicht mehr ganz gerecht werden. 2007 hatten SUV im Schnitt eine Breite von 1,86 Metern. Zwischen ihnen und der Breite von Durchschnittsautos lagen damals 10 Zentimeter. Heute misst der durchschnittliche SUV „nur“ noch 1,84 Meter und ist damit 4 Zentimeter breiter als das Durchschnittsauto der Deutschen.

Allerdings wirkt sich der hohe Marktanteil der SUV auf die Durchschnittsbreiten aus. Hatten sie 1990 noch einen Anteil von etwa zwei Prozent, kommen sie in diesem Jahr wohl auf über 34 Prozent. Durch die SUV-Welle wird also automatisch auch das Durchschnittsauto breiter. Dazu kommen in Deutschland auch immer mehr SUV im Klein- und Kompaktformat in den Handel. Die ganz großen SUV wirken sich so nicht ganz so stark auf die Durchschnittsbreiten aus.



Ähnliche ist der Trend bei der Länge der SUV. Zur Hochzeit 2007 fuhr ein SUV mit einer Durchschnittslänge von 4,58 Metern auf der Straße. Der Durchschnittswagen war damals ganze 30 Zentimeter kürzer. Doch auch hier kamen sich beide Seiten in den vergangenen Jahren näher. Die SUV wurden kürzer (2020 im Schnitt 4,47 Meter) und die Durchschnittswagen länger (4,44 Meter). Doch auch diese Entwicklung ist geprägt durch die Welle der kleinen und kompakten SUV.

Und natürlich gibt es mit Riesen wie dem Rolls-Royce Cullinan mit einer stolzen Länge von 5,34 Metern, dem Mercedes-Benz GLS mit 5,20 Metern und auch dem Land Rover Range Rover mit 5,19 Metern weiter Premium-Wagen, die, erstens, beinahe so lang sind wie ein asiatischer Elefant (5,5 bis 6,5 Meter) und, zweitens, durch ihre Größe nicht grade zur Befriedung des Konflikts zwischen SUV-Gegnern und Befürwortern beitragen.

E-SUV werden nicht für mehr Akzeptanz sorgen

In den USA und China können die Autobauer SUV mit solchen Volumen ohne Probleme verkaufen. In Europa und vor allem in Deutschland lösen Fahrzeuge mit diesen Dimensionen allerdings immer wieder Diskussionen aus, sagt Dudenhöffer. Er sieht in diesem emotional geladenen Konflikt vor allem die Fahrzeug-Hersteller in der Pflicht, um die Lage zu beruhigen.

Alleine der Umstieg auf elektrische SUV wird für ihn dabei nicht reichen: „Auch ein großes Elektro-Fahrzeug macht einen Radfahrer in der Stadt, vorsichtig gesagt, nervös. Dazu ist es einem egal, ob der SUV ein Diesel ist oder elektrisch fährt, wenn man in einem engen Parkhaus von ihm zugeparkt wird.“

Kurz gesagt: Das große Ärgernis über SUV liegt vor allem in ihrer Masse und Größe. Dudenhöffers Vorschlag: Autobauer sollten über einen Verband eine vom Kartellamt genehmigte Selbstbeschränkung festlegen und SUV in Deutschland nur noch bis zu einer bestimmten Größe, Länge und Gewicht vertreiben. „Das wäre eine Übereinkunft, die eine Akzeptanz der SUV eher stärkt als zerstört“, so der Autoexperte.

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