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Trotz StrompreissenkungLadesäulen bleiben teurer als Tankstellen

Die Bundesregierung will die Strompreise senken. Für die E-Autobranche hat das kaum Auswirkungen. Das eigentliche Problem sind regionale Ladesäulen-Könige.Artur Lebedew 26.06.2025 - 21:19 Uhr aktualisiert
Elektrofahrzeuge vom Typ BMW i3 stehen an einer Ladesäule. Foto: dpa

Wie sind Autofahrer günstiger unterwegs – mit Strom oder mit Diesel? Die Debatte um Anschaffungskosten, Wartung, Wertverlust und vor allem den Strompreis wird seit Längerem geführt. Der ADAC stellte vor wenigen Wochen eine Rechnung vor, in der sämtliche dieser Komponenten einbezogen wurden, und stellte fest: Selbst bei niedrigen Strompreisen von 18 Cent pro Kilowattstunde liegen in der Gesamtbilanz die meisten vergleichbaren Verbrennermodelle vorn. Noch. Die Elektroautos holen zwar auf, aber „erst bei sinkenden Stromkosten und geringen Kaufpreisen“ dürften E-Autos auch in der Breite vorn liegen, so der Autoverband.

Aus Sicht der Branche hat die Bundesregierung zumindest auf der Energieseite diesen Booster nun verpasst. Strom soll laut dem Haushaltsentwurf der Koalition billiger werden – außer für Privathaushalte, also auch jene, die ihr Auto in der heimischen Garage laden. Und abgesehen von Dienstleistern, etwa Betreibern von öffentlichen Ladesäulen. Deren teure Tarife gelten beim Umstieg von Verbrenner- auf Elektroauto als eine besonders hohe Hürde. Hat die Regierung also eine Chance verpasst? Möglich ist es. Das viel größere Problem bei öffentlichen Ladesäulen liegt allerdings woanders: bei einer ungesunden Oligopolaufteilung des Marktes.

Vergleicht man nur die Antriebskosten, lohnt sich die Anschaffung eines Elektroautos vor allem dann, wenn das Fahrzeug an der heimischen Steckdose geladen wird. Im Schnitt bezahlen Fahrer in Europa für eine vergleichbare Strecke fast 40 Prozent weniger, wenn sie mit einem Elektroauto unterwegs sind, so eine aktuelle Studie von „Bloomberg“. Die abgezapfte Menge Strom aus der Wallbox ist also deutlich günstiger als die benötigte Menge Diesel und Benzin an der Tankstelle. In Deutschland dürfte sich der Unterschied auf einem ähnlichen Niveau abspielen. In China liegt die Differenz gar bei fast 70 Prozent.

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Anders sieht die Sache aus, wenn nur an öffentlichen Ladesäulen geladen wird. Hier übersteigt der Preis für Strom den für Benzin und Diesel deutlich. Wer hierzulande beispielsweise 100 Kilometer mit einem Elektroauto fahren will und das Auto an einem öffentlichen Normalladepunkt lädt, zahlt in der Regel mehr als an der Tankstelle. Im Schnitt seien es 10,45 Euro oder 52 Cent pro Kilowattstunde, so der Energieanbieter Lichtblick. Für eine eigene Auswertung hat das Datenportal Statista im Auftrag von Lichtblick die Tarife führender Betreiber öffentlicher Ladesäulen ausgewertet und mit Tankstellenpreisen verglichen. Das Ergebnis: „Das Laden unterwegs bleibt teuer.“

Regionale Monopole

Deutlich ist das vor allem bei Schnellladesäulen. Hier sind für die gleiche Strecke 12,06 Euro oder 60 Cent pro Kilowattstunde fällig. Zum Vergleich: Das Tanken für die Fahrt mit einem Benziner und einer Ladung Super E10 kostet der Analyse zufolge im Schnitt 10,21 Euro. Ein Unterschied von knapp 1,50 Euro je 100 Kilometer. Das klingt auf den ersten Blick nicht viel. Und dennoch ist es eine Hürde für all diejenigen, die häufig längere Strecken fahren oder nicht zuhause laden können.

„Wenn die Ladepreise unterwegs weiterhin so hoch bleiben, droht die Elektromobilität an Akzeptanz zu verlieren“, argumentiert Lichtblick. Das Unternehmen verfolgt dabei natürlich auch ein Interesse, selbst mehr Strom an öffentlichen Ladesäulen zu verkaufen. Bislang tun sich die privaten Betreiber schwer. Denn ein wesentliches Problem bei der Preisbildung scheint die Tatsache zu sein, dass die Betreiber vor Ort kaum miteinander konkurrieren und die Preise wie Monopolisten bestimmen können.

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Die deutschlandweite Konzentration der Anbieter verweist laut der Monopolkommission „immer noch einen hohen durchschnittlichen Marktanteil von 49 beziehungsweise 45 Prozent bei Normal- und Schnellladepunkten“. In der Breite dominieren vor allem lokale Anbieter wie Ladesäulen-Könige im jeweiligen Reich. Das Bundeskartellamt monierte Ende des vergangenen Jahres, dass die Kommunen geeignete Flächen „exklusiv oder bevorzugt an das eigene kommunale Stadtwerk oder einen einzelnen Anbieter“ vergeben.

Wie es im Detail aussieht, haben sich Lichtblick und Statista für ihre „Monopolanalyse“ genauer angeschaut. Demnach beträgt der Marktanteil der jeweiligen starken Regionalanbieter im Schnitt 74 Prozent. In Wiesbaden stellt die Stadtwerke-Tochter ESWE 94 Prozent aller öffentlichen Ladesäulen, in Hannover 93 Prozent, in Köln sind es 72 Prozent. Durch die Marktkonzentration werde „systematisch“ Wettbewerb verhindert, findet Lichtblick. Das zeige sich auch an den „überhöhten Preisen beim Laden“.

Eine Meinung, mit der das Unternehmen nicht allein dasteht. Die Senkung der Strompreise durch die Bundesregierung hätte bei den Monopolisten vermutlich nur einen Effekt: Sie würde ihre Gewinne weiter erhöhen.

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