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VDA-Chef gibt sein Amt auf Gesucht: Auto-Lobbyist fürs Dieselgate-Tesla-Greta-Zeitalter

Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) legt zum Jahresende sein Amt nieder. Quelle: dpa

Der Chef des Verbandes der Autoindustrie (VDA), Bernhard Mattes, gibt sein Amt auf. Hilfreich für die Suche nach einem Nachfolger: Er sollte das genaue Gegenteil von Mattes sein.

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Bernhard Mattes wäre der perfekte Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA) gewesen – vor 20 Jahren. In einer Zeit also, in der die Autowelt noch in Ordnung war.

Die Autos wurden damals mit jeder Fahrzeuggeneration ein bisschen größer, ein bisschen leistungsstärker und natürlich auch ein ganzes bisschen teurer. Elektro war schon ein Thema, aber ein deutlich schöneres als heute. Denn es ging eher um elektrisch verstellbare Außenspiegel, als um die Revolution des Antriebs und die damit einhergehenden, branchenweiten Verwerfungen und Zukunftsängste. Auch autonomes Fahren wurde damals thematisiert, aber mehr im Sinne von „Freie Fahrt für freie Bürger“ (ADAC) als von Roboter-Autos. Eine Technik, die das Silicon Valley heute schon kommerzialisiert, während die deutsche Autoindustrie schon damit überfordert ist, vernünftige IT-Abteilungen aufzubauen.

Die Skandale der guten alten Autowelt waren, im Vergleich zu Dieselgate, niedlich: Da fiel etwa die Mercedes A-Klasse in einem mit „Elchtest“ bezeichneten Fahrmanöver um. Der Hersteller schaffte das Thema mit ein bisschen Technik (ESP) und einem Plüsch-Elch für die Kunden schnell aus der Welt.

Bernhard Mattes wäre der perfekte Verbands-Kapitän für diese Schönwetterphase der Autoindustrie gewesen: Ein Verwalter, der niemandem wirklich auf die Füße tritt, der Probleme aussitzt, weglächelt, der die klare Kante scheut. So hat er es – so musste er es – früher als deutscher Ford-Chef machen. Denn in dieser Funktion war er Befehlsempfänger der Konzernzentrale im amerikanischen Detroit. So auch wollte er es als VDA-Chef machen – Befehlsempfänger der großen Macher in Wolfsburg, Stuttgart und München sein.

Das aber reicht nicht. Nicht nach Dieselgate, Tesla-Angriff, Greta und Zulieferer-Sterben. Aus dem selbstgefälligen Lobbyclub mit Direktzugang ins Kanzleramt ist eine Ansammlung unterschiedlichster, hoch nervöser, mitunter tief verstrittener Akteure geworden.

In der Stellenausschreibung des VDA-Chefs müsste stehen: „Unsere Mitgliedsunternehmen sind sich völlig uneins, wie Autos in Zukunft angetrieben werden. Manche setzen voll auf Elektro (Volkswagen), manche halten das für Blödsinn (Continental), manche können sich nicht entscheiden und halten sogar Wasserstoff für eine Lösung (BMW). Sie können zwischen den Herstellern vermitteln, Streit schlichten, ihnen helfen, einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden, zur Not auch mal ein Machtwort sprechen, das die mächtigen Hersteller und Zulieferer akzeptieren.“

Weiter müsste in der Anzeige stehen: „Sie geben dem VDA wieder eine Stimme in der Öffentlichkeit, die gehört und ernst genommen wird. Sie verblüffen in öffentlichen Auftritten durch Kompetenz, Schlagfertigkeit, Mut und Charisma. Sie scheuen nicht das Gespräch mit Umweltbewegungen und gewinnen sie als Berater für den Weg der Autoindustrie in eine CO2-freie Zukunft. Die Automesse IAA, die zu den wichtigsten Geldquellen unseres Verbandes zählt, aber inzwischen ein vorgestriges PS-Spektakel ist, verwandeln Sie in ein modernes, gesellschaftlich akzeptiertes Mobilitätsevent. Und vor allem: Sie beweisen, dass die global agierende Autoindustrie, die auch gut für sich selbst sprechen kann, überhaupt noch so etwas wie eine deutsche Interessevertretung braucht.“ Diese Nummer war dann doch zu groß für Mattes. Erkannt haben das die Chefs bei VW, BMW und Daimler schon länger und bald hätten sie wohl auch gehandelt. Gut, dass ihnen Mattes zuvorkam und seinen Abschied ankündigte.

Den Beweis, wie nötig dieser Schritt war, lieferte er vor einigen Tagen selbst: mit der Ausladung des Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der IAA. Der OB sollte bei der Messe-Eröffnung nicht sprechen, weil er vorhatte, die grün gesonnenen Anti-IAA-Demonstranten zu loben und die Autoindustrie zu tadeln. Mattes Affront war nicht nur taktisch unklug – in Greta-Zeiten konnte er damit nur verlieren – er war auch sachlich falsch. Denn Feldmann konnte gar nicht richtiger liegen mit seiner Kritik an der PS-Branche.

Wer es zuvor noch nicht gesehen hatte, musste spätestens dann erkennen: Nicht einer wie Mattes sollte VDA-Chef sein, sondern einer wie Feldmann.

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