Volkswagen-Konzern: Teurer Strategieschwenk bei Porsche – VW senkt Prognose
Der Sportwagenbauer Porsche AG ändert seine Produktplanung und nimmt dafür Milliardenbelastungen in Kauf: Eine bisher vollelektrisch vorgesehene neue SUV-Baureihe oberhalb des Cayenne solle zunächst nur als Verbrenner und Plug-in-Hybrid angeboten werden. Zudem sollen Modelle mit Verbrennungsmotor länger erhältlich sein. Das teilte das Unternehmen am Freitagabend überraschend mit.
Dadurch fallen laut Porsche noch in diesem Jahr erhebliche weitere Sonderlasten in Höhe von rund 1,8 Milliarden Euro an. Insgesamt rechne das Unternehmen für 2025 dadurch mit außerordentlichen Aufwendungen für den Unternehmensumbau von etwa 3,1 Milliarden Euro. Die Dividende für 2025 solle „erheblich geringer ausfallen“, warnte das Stuttgarter Unternehmen.
Die Prognosesenkung schickte die Aktien des Sportwagenbauers nachbörslich auf Talfahrt. Im Frankfurter Späthandel verloren die Porsche-Papiere rund 2,5 Prozent. Auf der Handelsplattform Tradegate sackt der Porsche-Kurs um 4,1 Prozent ab.
Porsche-Vorstandschef Oliver Blume teilte mit: „Aktuell erleben wir massive Umwälzungen im Umfeld der Automobilindustrie, deshalb stellen wir Porsche umfassend neu auf“. Mit dem Schritt gehe man auf neue Marktrealitäten und Kundenbedürfnisse ein. Neben neuen Verbrenner-Modellen sollen auch für bestehende Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wie den Panamera und den Cayenne entsprechende Nachfolger entwickelt werden.
Den neuen großen Elektro-SUV, der vor allem auf den US-Markt abzielt, wird es hingegen zunächst nur als Verbrenner und Plug-in-Hybrid geben. Auch die Markteinführung bestimmter vollelektrischer Fahrzeuge soll aufgrund des verzögerten Hochlaufs der E-Mobilität zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Mit einer Mischung verschiedener Antriebe wolle man die gesamte Bandbreite an Kundenwünschen erfüllen, teilte Blume weiter mit.
Auch VW kappt Prognose
Der Großaktionär und Mutterkonzern Volkswagen teilte mit, er rechne durch die Prognosesenkung von Porsche und die Abschreibung auf die Beteiligung mit einer Belastung von 5,1 Milliarden Euro auf das operative Konzernergebnis. Die VW-Aktien verloren im Frankfurter Späthandel ebenfalls deutlich.
Europas größter Autobauer kalkuliert nur noch mit einer operativen Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent. Auch die Dachgesellschaft Porsche SE der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch kappte in der Folge ihre Prognose.
Bereits seit Jahresbeginn investiert Porsche wieder in neue Verbrenner. Mit den aktuellen Änderungen zeigt sich erneut, dass die Wende zum E-Auto bei den Zuffenhausenern nicht aufgeht. Keine andere Marke im VW-Konzern hatte sich ein ehrgeizigeres E-Ziel gesetzt. Doch davon ist nicht mehr viel übrig. Auch Pläne für eine eigene Batteriefertigung hat Porsche zuletzt aufgegeben.
Milliardenkosten belasten Porsches Bilanz
Mit der Neuausrichtung strebe man positive Folgen auf die Finanzergebnisse künftiger Geschäftsjahre an, hieß es. In diesem Jahr belastet der Schwenk aber enorm: Die operative Rendite im Gesamtjahr dürfte nur noch leicht positiv bis zu zwei Prozent betragen – vom angepeilten Umsatz von 37 bis 38 Milliarden Euro bleibt also weniger Gewinn übrig. Zuletzt hatte Blume noch mit fünf bis sieben Prozent gerechnet.
Der erfolgsverwöhnte Sportwagenbauer ist in den vergangenen Monaten immer weiter in die Krise gerutscht. Der Absatz ließ zu wünschen übrig – vor allem in China und den USA lief es schlecht. Auch die US-Einfuhrzölle belasteten das Geschäft. Der Gewinn rauschte deshalb in den Keller. Der Konzernüberschuss von Januar bis Juni lag bei 718 Millionen Euro – das waren 71 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
In der Region Stuttgart will Porsche daher sparen und Stellen streichen. Ein weiteres Sparprogramm soll nun verhandelt werden. Auch im Vorstand gab es zuletzt eine Reihe von Wechseln.
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