Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Zweite Amtszeit für Paul Achleitner in Sicht

Insiderberichten zufolge hat der Aufsichtsrat Paul Achleitner Ende Oktober für eine weitere Amtszeit als Aufsichtsratschef nominiert. Allerdings sind noch nicht alle Großaktionäre davon überzeugt.

Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, im Mai 2016 auf der Hauptversammlung. Quelle: dpa

Deutsche-Bank -Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat nach Reuters-Informationen die Unterstützung des Kontrollgremiums für eine zweite Amtszeit sicher. Der 60-Jährigen sei bereits auf einer Sitzung Ende Oktober nominiert worden, sagte am Sonntag ein Insider mit Kenntnis der Beratungen im Aufsichtsrat. Noch seien nicht alle Großaktionäre von der Personalentscheidung überzeugt. Allerdings sei allen klar, dass die Bank angesichts ihrer schwierigen Lage Kontinuität an der Spitze brauche. Die Entscheidung über eine weitere Amtszeit des Österreichers, der dem Gremium seit 2012 vorsteht, trifft die Hauptversammlung. Über die erneute Nominierung hatte zuerst die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

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Schwaches KerngeschäftNach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt. Quelle: dpa
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Wie der Insider weiter sagte, muss Achleitner zudem im Zusammenhang mit der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor durch Händler der Bank kein juristisches Nachspiel fürchten. Eine interne Untersuchung habe keine Anhaltspunkte für eine Pflichtverletzung Achleitners ergeben. Bei der seit Anfang des Jahres laufenden Untersuchung ging es um die Frage, ob Achleitner mitverantwortlich dafür war, dass die Bank rund 100 Millionen Pfund mehr an die britische Finanzaufsicht zahlen musste als ursprünglich avisiert, weil sie bei der Aufklärung nicht ausreichend mit den Behörden kooperierte.

Hätte Achleitner eine Pflichtverletzung nachgewiesen werden können, hätte ihm möglicherweise Schadenersatz in Millionenhöhe gedroht. Die Behörden in Großbritannien und den USA hatte der Deutschen Bank wegen der Manipulation des Libor - einem Referenzzinssatz, auf den sich weltweit Finanzgeschäfte in Billionenhöhe beziehen - eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wollte sich weder zu den Informationen zur Vorentscheidung über Achleitners Zukunft noch zu seiner Entlastung in der Libor-Affäre äußern. Über diese hatte zuerst die "Süddeutsche Zeitung" (Montagausgabe) berichtet.

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