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Deutsche Bank - Commerzbank Gerüchte um Fusion: Sie reden – na und!

Gerüchte um Deutsche Bank und Commerzbank: Gespräche sind noch keine Fusion Quelle: dpa

Bundesfinanzminister Olaf Scholz spricht regelmäßig mit Deutscher Bank und Commerzbank, jetzt sogar mit deren Investor Cerberus. Soweit, so gut. Das als Zeichen für eine nahe Fusion zu sehen, ist aber übertrieben.

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Über zehn Jahre nach der Finanzkrise gehören deutsche Banken nicht gerade zu den Überfliegern ihrer Branche. Weder die Deutsche Bank noch die Commerzbank können in Sachen Profitabilität mit der Konkurrenz aus den USA oder anderen europäischen Ländern mithalten, beide stecken seit Jahren bis zum Hals im Umbau. Angesichts dieser bescheidenen Lage wäre es also mehr als fahrlässig, wenn ein deutscher Finanzminister sich nicht für die Risiken der Institute interessieren würde und sie stattdessen einfach so vor sich hin werkeln ließe.

Das gilt umso mehr, als der Bund bei der Commerzbank mit rund 15 Prozent größter Aktionär ist. Ein Anteilseigner, der sich nicht für sein Investment interessiert? Jeder Privatanleger checkt fast täglich den aktuellen Stand seines Depots, und hat dabei deutlich weniger Geld im Feuer als Scholz bei der Commerzbank.

Die Treffen von Finanzminister Olaf Scholz mit den Vertretern der Deutschen Bank und der Commerzbank sollten vor diesem Hintergrund zunächst nicht verwundern. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte vor kurzem berichtet, Scholz und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Banker Jörg Kukies, hätten sich im abgelaufenen Jahr insgesamt 23 Mal mit Abgesandten der Deutschen Bank getroffen. Nun heißt es, Scholz und Kukies hätten sich zusätzlich nicht nur mit Commerzbank-Vertretern regelmäßig unterhalten, sondern auch mit dem Finanzinvestor Cerberus, der Anteile an beiden deutschen Banken hält. Aber reicht das, um Gerüchte über eine möglicherweise anstehende Fusion zwischen den beiden Instituten zu säen?

Wohl kaum. Gerade David Knower, der Deutschland-Chef von Cerberus, gilt als exzellenter Netzwerker, bestens verdrahtet in Berlin, und als Kanzlerinnenfreund. Dass er des Öfteren bei Kukies in der Wilhelmstraße vorbeischaut, ist somit völlig normal. Vor allem, da Cerberus nicht nur bei Deutscher Bank und Commerzbank investiert ist, sondern auch große Teile der HSH Nordbank gekauft hat und unter den Bietern für die zur Rettung stehende Nord/LB ist.

Dass Kukies als ehemaliger Banker das Thema in Berlin betreut, ist nicht überraschend. Sicherlich macht er sich auch über die Zukunft der deutschen Banken so seine Gedanken. Eine baldige Fusion suggerieren die Treffen trotzdem nicht. Das glaubt wohl auch der Kapitalmarkt kaum. Die Deutsche Bank-Aktie machte zwar einen kurzen Satz nach oben, rauschte aber sogleich wieder auf Ausgangsniveau. 1,5 Prozent im Plus lag das Papier der Commerzbank. Immerhin.

Aber das bedeutet wenig, denn die Treffen machen aus einer denkbaren Fusion noch keine ökonomisch sinnvolle Lösung. Es ist gut, dass der Finanzminister sich für die Banken und seine Beteiligung interessiert und hoffentlich um deren Probleme weiß. Nicht mehr, nicht weniger.

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