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Deutsche Bank Drohende Schlappe bei Hauptversammlung

Nach dem die Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank gescheitert sind, könnte es bei der Hauptversammlung zu einer weiteren Schlappe für die Führungsetage kommen. Quelle: AP

Für die Hauptversammlung der Deutschen Bank raten Stimmrechtsberater Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Die Entlastung gilt als Maßstab für das Vertrauen der Aktionäre, rechtliche Konsequenzen gibt es nicht.

Die Hauptversammlung der Deutschen Bank in zwei Wochen droht nach dem Scheitern der wochenlangen Fusionsverhandlungen mit der Commerzbank zum Scherbengericht zu werden. Nach dem einflussreichen Stimmrechtsberater Glass Lewis riet am Mittwoch auch der mächtige Institutional Investor Service (ISS) den Anlegern des größten deutschen Geldhauses dazu, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Die Gremien müssten sich für viele Jahre mit erheblichen Belastungen für Finanzen und Reputation verantworten, begründete ISS die Empfehlung in einem Bericht an die Investoren.

Die Deutsche Bank erklärte, dieser spiegele „nicht die aktuelle Situation unserer Bank (...) wider“. Beim Treffen der Aktionäre am 23. Mai in Frankfurt droht dem Management nun aber dennoch eine peinliche Schlappe. Nach den Empfehlungen von Stimmrechtsberatern wie Glass Lewis, dessen deutschem Ableger Ivox und eben ISS richten sich viele Fonds und Großanleger, insbesondere aus Großbritannien und den USA. Gegen die Ansichten von Glass Lewis und dem Konkurrenten ISS lassen sich daher nur sehr schwer Beschlüsse durch die Hauptversammlung bringen.

Bemerkenswert ist, dass sich ISS bei der Deutschen Bank zum ersten Mal gegen eine Entlastung stellt. „Wir sind bislang nie so weit gegangen, zu empfehlen, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten“, heißt es in dem Reuters vorliegenden Bericht, aus dem zuerst die „Financial Times“ zitiert hatte. „Ab einem bestimmten Zeitpunkt sollten die Aktionäre aber ihren Bedenken Gehör verschaffen“, meint ISS. Die Geldwäsche-Razzia bei der Bank im November oder die Tatsache, dass die Finanzaufsichtsbehörde BaFin bei dem Institut einen Sonderaufpasser installiert hat, stoßen den Stimmrechtsberatern unter anderem sauer auf.

Die Entlastung der Führungsmannschaft hat nur symbolische Bedeutung und keine rechtlichen Konsequenzen, aber sie gilt als Gradmesser für das Vertrauen der Aktionäre. Daran mangelt es in diesem Jahr bei einigen wichtigen Unternehmen: So kassierte etwa Bayer-Chef Werner Baumann wegen der Monsanto-Übernahme eine Niederlage, die Führung der Schweizer Großbank UBS wurde ebenfalls abgestraft und nicht entlastet. ISS und Glass Lewis hatten sich in beiden Fällen gegen eine Entlastung ausgesprochen.

Allerdings ist noch offen, ob es Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner ähnlich ergeht. Denn die Deutsche Bank hat mächtige Großaktionäre wie das Emirat Katar, die Finanzinvestoren Cerberus und Hudson Advisers, den US-Vermögensverwalter Blackrock und den chinesischen Mischkonzern HNA, sie kontrollieren mehr als 20 Prozent des Kapitals und sind teilweise im Aufsichtsrat vertreten. Im vergangenen Jahr wurden die Aufsichtsratsmitglieder mit über 84 Prozent entlastet, die Vorstände erhielten mehr als 94 Prozent Zustimmung.

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