Deutsche Bank "Wohl kein Aufsichtsrat arbeitet so viel wie unserer"

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank setzen Aufsichtsratschef Achleitner und Vorstandsvorsitzender Cryan auf Imagewandel. Die Aktionäre beklatschen den Bonusverzicht. Sie haben allen Grund, skeptisch zu sein.

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Die Deutsche Bank ist zu beinahe zehn Prozent in chinesischer Hand. Das Unternehmens- und Finanzkonglomerat HNA hat seine Beteiligung in der vergangenen Woche mehr als verdoppelt und hält nun 9,92 Prozent an dem Geldhaus, wie aus einer Pflichtmitteilung vom Dienstagabend hervorgeht. Das Aktienpaket der Chinesen, die erst im Februar bei der Deutschen Bank eingestiegen waren, ist rund 3,4 Milliarden Euro wert. HNA hat damit aller Voraussicht nach die Herrscherfamilie von Katar als größten Aktionär der Deutschen Bank abgelöst. Welche anderen Aktionäre Beteiligungen an der Deutschen Bank halten... Quelle: REUTERS
BlackRock Quelle: REUTERS
Katars HerrschaftsfamilieAuch die Königsfamilie aus Katar hält offiziell eine Beteiligung von gut sechs Prozent an der Bank. Nach eigenen Angaben liegen die Anteile sogar bei rund acht Prozent. Die Familie sollte außerdem über weitere Kaufoptionen verfügen. Ex-Premier und Mitglied der Königsfamilie Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani hält die Aktien zusammen mit... Quelle: REUTERS
Hamad Bin Khalifa Al-Thani Quelle: REUTERS
HNADenn die Spitzenposition haben nun die Chinesen eingenommen. Das Unternehmens- und Finanzkonglomerat HNA mit seiner Zentrale in Haikou hat seine Beteiligung mehr als verdoppelt und hält nun 9,92 Prozent an dem Geldhaus. Bereits bei seinem Einstieg hatten die Chinesen in Aussicht gestellt, die Anteile im Laufe der Zeit weiter aufzustocken, aber unter zehn Prozent bleiben zu wollen. Für größere Beteiligungen im Ausland gelten in China Beschränkungen. HNA ist bislang vor allem als Miteigentümer von Fluggesellschaften (Hainan Airlines), Flughäfen (Swissport) und Hotels (Hilton) bekannt, hat seinen Schwerpunkt zuletzt aber stark auf die Finanz- und Immobilien-Branche verlegt. Quelle: HNA
HNA Quelle: REUTERS

Der lange inflationär verwendete Begriff des Kulturwandels ist in der Deutschen Bank mittlerweile völlig verpönt. Schließlich erinnert er zu sehr an die erfolglose Amtszeit der 2015 abgetretenen Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Weder der aktuelle Vorstandschef John Cryan noch der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner nehmen ihn bei der Hauptversammlung des Instituts in den Mund. Und doch betreiben sie in ihren Ausführungen vor den zahlreichen, in der Masse erstaunlich friedlichen Aktionären eine Imageumkehr in eigener Sache. Seht her, so die Botschaft, wir sind eigentlich ganz anders als ihr denkt - und uns immer mal wieder vorwerft.

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Wie es die gute Ordnung will, macht Achleitner den Anfang. Ihm haben große Aktionäre und manche Gegner immer wieder vorgeworfen, dass er zu weich und wankelmütig für den Job sei. Zu lange habe er Jain und Fitschen machen lassen, zu unentschlossen habe er die diversen Skandale aufgeklärt, zu schwammig sei die von ihm in Auftrag gegebene Strategie ausgefallen. Mit den Vorurteilen will er nun ganz offensichtlich aufräumen. Hätte eine HV-Rede eine Überschrift, so könnte sie ohne Weiteres „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“ lauten. „Es lohnt sich für diese Deutsche Bank zu kämpfen“, sagt Achleitner gleich zu Beginn mit möglichst kraftvoller Stimme. Und damit auch keiner daran zweifelt, wie schwer dieser Kampf ist, nennt er eine Zahl. 303 mal hat sich das Kontrollgremium im Laufe seiner Amtszeit seit 2012 getroffen. „Wohl kein anderer Aufsichtsrat arbeitet so viel wie unserer“, sagt er.

Aber wer viel arbeitet, arbeitet ja nicht automatisch gut. Und so gibt der Chefkontrolleur ein paar Beispiele für seinen Lernwillen. In einem „von externen Beratern als vorbildlich bezeichneten Fortbildungsprogramm“ etwa habe das Gremium im abgelaufenen Jahr sechs Tage verbracht. Spärlichen Applaus gibt es jedoch erst, als Achleitner in Aussicht stellt, dass er sich von früheren Vorständen eine ganze Menge Geld zurückholen wird.

Aktionäre hoffen, das Ruhe einkehrt

Immerhin bleiben während der Rede größer Unmutsbekundungen aus. Vermutlich sind die leidgeprüften Aktionäre einfach froh, wenn bei der Bank endlich etwas Ruhe einkehrt. Diesem Wunsch der Investoren verdankt es Achleitner wohl vor allem, dass er trotz aller Turbulenzen und Kehrtwenden am Ende des Tages tatsächlich für eine zweite Amtszeit gewählt werden wird. Von seiner zur Schau gestellten Kompromisslosigkeit dagegen sind viele nicht wirklich überzeugt.

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Josef Ackermann, Angela Merkel Quelle: AP
Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998. Quelle: dpa Picture-Alliance
Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London. Quelle: REUTERS
Die Folgen der Immobilienkrise Quelle: dpa
Schwaches KerngeschäftNach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt. Quelle: dpa
Riskante Finanzierung Quelle: dpa
Wenig Reserven Quelle: dpa

Auch der demonstrative Optimismus von Vorstandschef John Cryan mag für viele Aktionäre überraschend sein. Schließlich gilt der Brite als eher mürrischer Chef, etliche zweifeln sogar daran, dass der Restrukturierer der Richtige ist, um die Bank zurück auf den Weg optimistischen Wachtsums zu führen. Die ersten Klatscher gibt es denn auch nicht für eine Zukunftsbotschaft, sondern für die Bekräftigung des Bonusverzichts für das abgelaufene Jahr.

Doch nach den Pflichtmeldungen über Sparerfolge und Altlastenabbau streut Cryan ein Beispiel nach dem anderen ein, das belegen soll, wie segensreich das Wirken der Deutschen Bank sein kann. Burda druckt mit der finanziellen Förderung der Bank Schulbücher für Afrika, in New York finanziert sie gleich ein ganzes Stadtviertel. Der aufmerksame Beobachter ahnt schon, worauf das hinausläuft. Und richtig, am Schluss fasst Cryan noch mal zusammen, wofür die Bank stehen soll. Für #positiveimpact nämlich, der Hashtag, der den alten Claim „Leistung aus Leidenschaft“ ersetzen soll. „Schon die ersten Tage zeigen, wie viel Energie das freisetzt“, sagt Cryan.

Damit ihm das auch jeder glaubt, zeigt der Chef anschließend ein kleines Filmchen, in dem ganz viele Menschen Smartphones benutzen und außerdem auffällig viel gebaut wird. Und ein paar Mitarbeiter erklären auch noch, wie gut sie es finden, dass sie jetzt auch mal wieder optimistisch sein dürfen. Cryan darf das jetzt offenbar auch. Die Aktionäre werden noch brauchen, bis sie glauben, dass es tatsächlich wieder aufwärts geht. 

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