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Standard & Poor's Ratingagentur stuft Deutsche Bank herab

Deutsche Bank Quelle: REUTERS

Die Deutsche Bank kriselt weiter: Nach dem Abrutschen der Aktie durch die schlechte Bewertung der US-Notenbank Fed hat nun auch Standard & Poor's die Deutsche Bank herabgestuft. Die EZB dagegen ist zufrieden.

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Die Serie schlechter Nachrichten für die Deutsche Bank reißt und reißt nicht ab: Nachdem erst am Donnerstag bekannt geworden war, dass die amerikanische Notenbank das US-Geschäft des Instituts als „in schwierigem Zustand“ eingestuft hat, senkte am Freitag die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsnote des größten deutschen Geldhauses. Die Bewertung der Kreditwürdigkeit wurde um eine Stufe auf „BBB+“ von „A-“ gekappt. Dem Institut drohen nun höhere Finanzierungskosten an den internationalen Kapitalmärkten.

In Aufsichtskreisen hieß es am Morgen, die Bank verfüge inzwischen über eine „gute Kapital- und Liquiditätsausstattung“, wie eine Person mit Kenntnis der Beurteilung der Europäischen Zentralbank (EZB) Reuters sagte. Für den neuen Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing steht die Finanzstärke seines Hauses „auf Konzernebene außer Frage“, wie er in einem Brief an die rund 97.000 Mitarbeiter klarstellte. „Es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. (...) Wir werden beweisen, dass wir eine andere Bewertung an den Finanzmärkten verdient haben.“

Die Aktie erholte sich in Frankfurt etwas von ihren massiven Verlusten am Vortag und legte im frühen Handel um rund zwei Prozent zu. Sie notiert aktuell so niedrig wie zuletzt im Herbst 2016, als wegen einer drohenden Milliardenstrafe in den USA Zweifel an der Überlebensfähigkeit des Geldhauses laut wurden.

S&P begründete die Herabstufung, mit der am Kapitalmarkt gerechnet worden war, mit Zweifeln, ob die vom neuen Management unter Sewing auf den Weg gebrachte Strategie auch entsprechend umgesetzt werde: „Wir denken zudem, dass die Deutsche Bank im Vergleich zu den direkten Konkurrenten noch eine ganze Zeit der negative Ausreißer sein wird.“ Den Ausblick für das Rating hoben die Bonitätswächter allerdings an und drückte die Erwartung aus, „dass das Management die Strategie mit Nachdruck umsetzen wird, im Laufe der Zeit Fortschritte auf dem Weg zu ihren finanziellen Zielen für 2019 erzielen wird und so das längerfristige Ziel eines stabileren und besser funktionierenden Geschäftsmodells erreichen wird“.

S&P hatte die Überprüfung des Ratings der Deutschen Bank bereits Mitte April – kurz nach des Auswechslung des Vorstandschefs – angekündigt. S&P-Analyst Giles Edwards hatte Reuters gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung liege „bei mindestens 50 Prozent“. Auch Moody's prüft eine Herabstufung. Die dritte große Ratingagentur Fitch hat die Bonitätsnote und den Ausblick für die Bank nach dem Wechsel an der Spitze von John Cryan zu Christian Sewing Anfang April dagegen nicht angerührt. Nach einer Herabstufung im September ist die Bewertung mit „BBB+“ aber bereits eine Note schlechter als bei S&P und Moody's.

Der neue Chef hat der seit Jahren unter Druck stehenden Bank eine Schrumpfkur verordnet und sich zugleich von den globalen Ambitionen seiner Vorgänger verabschiedet. Sewing (48) will sich vor allem auf das Geschäft in Deutschland und Europa konzentrieren. Im zuletzt schwächelnden Investmentbanking hat er harte Einschnitte angekündigt – vor allem in den USA. Insgesamt soll die Zahl der Stellen der gesamten Bank von derzeit 97.100 auf „deutlich unter 90.000“ sinken, wie er vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung in Frankfurt erklärte. Der Großteil der Stellenstreichungen – vor allem in den USA und Großbritannien – soll bis Ende Juni abgeschlossen sein.

Mit der nun veröffentlichten Herabstufung durch S&P drohen dem Geldhaus weiter steigende Finanzierungskosten. Für Banken spielen diese eine wichtige Rolle: Je günstiger sie sich refinanzieren können, desto höher sind die Margen bei den ausgereichten Krediten. Die Einstufungen der Ratingagenturen liegen bei der Deutschen Bank allesamt in der unteren Hälfte des Investmentbereichs und sind drei beziehungsweise vier Stufen vom Ramschniveau entfernt.

Am Donnerstag war durch einen Bericht des „Wall Street Journal“ bekannt geworden, dass die US-Notenbank Fed das amerikanische Geschäft der Deutschen Bank bereits vor einem Jahr als „in schwierigem Zustand“ eingestuft hatte. Laut „WSJ“ ist der sogenannte „Troubled Condition“-Status eine der schwächsten Bewertungen, die die Federal Reserve als Aufsicht vergibt. In der Konsequenz habe die Bank wichtige Personalentscheidungen zu US-Managern mit der Notenbank abstimmen müssen. Die Notenbank wollte sich dazu nicht äußern.

Damit nicht genug: In der Nacht zum Freitag wurde außerdem bekannt, dass der Deutschen Bank in Australien eine Kartellklage im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) droht. Es geht dabei um eine 2,3 Milliarden Dollar schwere Platzierung von Aktien im Jahr 2015. Die Deutsche Bank und die Citigroup, zwei der drei Underwriter der ANZ, erklärten, sie rechneten damit angeklagt zu werden. Eine Deutsche-Bank-Sprecherin erklärte, das Institut werde sich energisch gegen die Vorwürfe verteidigen.

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