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Zahlungsdienstleister Wirecard-Partner Al Alam macht dicht – Aktie bricht ein

Die Wirecard-Papiere verloren am Freitag in der Spitze 13,6 Prozent und notierten mit 72 Euro so niedrig wie seit September 2017 nicht mehr. Quelle: REUTERS

Der Wirecard-Partner Al Alam aus Dubai gibt sein Geschäft auf und schickt die Aktie des deutschen Zahlungsdienstleisters damit auf Talfahrt. Zeitweise fiel die Wirecard-Aktie auf den niedrigsten Stand seit 2017.

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Der unter Manipulationsverdacht stehende Zahlungsdienstleister Wirecard hat einmal mehr für Turbulenzen am Aktienmarkt gesorgt. Der Konzern aus Aschheim bei München bestägte Stunden nach einem entsprechenden Bericht eines Wirecard-Kritikers, dass der Partner Al Alam in Dubai seine Tore schließt. Für das eigene Geschäft habe diese Entscheidung aber keine Konsequenzen, erklärte der Dax-Konzern am Freitag. Zuvor war die Wirecard-Aktie in der Spitze um 13,6 Prozent auf 72 Euro gefallen, dem niedrigsten Stand seit September 2017. Von Al Alam war keine Stellungnahme zu erhalten.

Wirecard arbeitet in Ländern, in den der Konzern keine eigenen Lizenzen besitzt, mit Partnern zusammen. Doch dieses sogenannte Drittpartnergeschäft (TPA) steht seit Jahren immer wieder im Zentrum der gegen Wirecard erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation, die der deutsche Zahlungsdienstleister stets zurückgewiesen hat. Dabei war Al Alam Medienberichten zufolge einer von drei umstrittenen Drittpartnern, mit denen Wirecard in der Vergangenheit rund die Hälfte der Einnahmen erwirtschaftet habe. Der Konzern hat entschieden, künftig verstärkt eigene Lizenzen beantragen zu wollen und das Geschäftsvolumen mit Drittpartnern zu reduzieren.

Wirecard erklärte am Freitag, der Geschäftspartner Al Alam übertrage sein Geschäft auf andere Konzerngesellschaften innerhalb seiner Dachorganisation und schließe die Gesellschaft Al Alam Solutions FZ LLC. Das Unternehmen reagiere damit auf den entstandenen Reputationsschaden durch die öffentliche Hinterfragung seiner Integrität. Wirecard selbst entstehe „durch diese Übertragung auf eine andere Gesellschaft keine Beeinträchtigung ihrer Abwicklungsfähigkeit oder bei den Transaktionsvolumina“, erklärte der Konzern.

KPMG-Prüfer können Geschäft von Al Alam und Co. nicht erhellen

Um die in Medienberichten in den vergangenen Jahren wiederholt erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation zu entkräften, hatte der Wirecard-Aufsichtsrat im Herbst die Wirtschaftsprüfer von KPMG mit einer Sonderprüfung beauftragt. Doch die KPMG-Prüfer konnten die Vorwürfe nicht vollständig aus dem Weg räumen. So erklärten die Wirtschaftsprüfer, sie hätten nicht feststellen können, ob die Umsätze mit den drei umstritten Drittpartnern im Zeitraum 2016 bis 2018 existierten oder der Höhe nach korrekt sind oder nicht. Außerdem warfen die KPMG-Prüfer dem Wirecard-Management vor, die Untersuchungen zum Teil behindert zu haben. Die Aktie brach daraufhin ein.

Seit der Veröffentlichung des KPMG-Berichts Ende April wetten immer mehr Hedgefonds auf einen Absturz der Wirecard-Aktie. Zudem fordern unter anderem der Großaktionär Deka und die Aktionärsvereinigung DSW den Rücktritt von Vorstandschef Markus Braun. Sie werfen dem Unternehmen, das die Vorlage seines Geschäftsberichts für 2019 bereits mehrfach verschoben hat, unter anderem mangelnde Transparenz vor.

Die Schließung von Al Alam wurde durch einen Tweet des Wirecard-kritischen Blog mcamathematik am Freitag publik, der auf eine entsprechende Mitteilung in der Zeitung „Gulf News“ vom Montag verwies. Die Zeitung bestätigte, dass die Mitteilung über die Abwicklung von Al Alam am 11. Mai erschienen sei. Mehrere Stunden nach Veröffentlichung des Tweets bestätigte Wirecard den Sachverhalt.

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Ein Sondergutachten sollte den Zahlungsdienstleister Wirecard von Betrugsvorwürfen freisprechen. Stattdessen wirft der Bericht neue Fragen auf – und auch Wirecards Buchprüfer EY gerät unter Rechtfertigungsdruck. Lesen Sie die Geschichte hier.

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