Bertelsmann-Tochter: RTL lotet nach geplatzter Fusion Verkauf TV-Sender M6 aus
Die RTL Group hatte gemeinsam mit dem französischen Mischkonzern Bouygues am Freitag das Vorhaben gestoppt, die M6 Group und TF1 zu einem nationalen Fernseh-Champion zu fusionieren.
Foto: ReutersNach der gescheiterten Fernsehfusion in Frankreich lotet RTL erneut einen Verkauf seines TV Senders M6 aus. Seit der Ankündigung voriger Woche, den geplanten Zusammenschluss mit TF1 abzublasen, sei man mit Interessensbekundungen für den Kauf der M6-Beteiligung „überschwemmt“ worden, sagte RTL-Chef Thomas Rabe der „Financial Times“ vom Donnerstag.
„Deshalb testen wir den Markt“, ergänzte der Manager, der auch Chef der RTL-Mutter Bertelsmann ist. „Auf der Grundlage dieses Tests werden wir entscheiden, ob wir verkaufen oder nicht.“ Der Zeitplan sei nicht von Belang. Reuters erfuhr von einer mit der Sache vertrauten Person, dass erste vorläufige Angebote für M6 bis Freitag erwartet werden. RTL und Bertelsmann kommentierten dies nicht.
Die RTL Group hatte gemeinsam mit dem französischen Mischkonzern Bouygues am Freitag das Vorhaben gestoppt, die M6 Group und TF1 zu einem nationalen Fernseh-Champion zu fusionieren. Bouygues und RTL zogen die Notbremse, weil angebotene Zugeständnisse der französischen Wettbewerbsbehörde nicht ausgereicht hätten.
Demnach hätten die Kartellwächter wohl nur bei einem Verkauf des Hauptsenders TF1 oder M6 grünes Licht gegeben. Damit wiederum sei das Schmieden eines Schwergewichts im französischen Fernseh- und Video-Streaming-Markt – als Antwort auf die globale Konkurrenz von Netflix – strategisch nicht mehr sinnvoll.
Sollte RTL letztlich M6 verkaufen wollen, müsste der Deal bis Frühjahr 2023 über die Bühne sein. Denn dann wird die Sendelizenz von M6 erneut. Danach darf der Hauptanteilseigner seine Aktien fünf Jahre lang nicht verkaufen.
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