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Bertram Rickmers Das Comeback des Pleite-Reeders

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Rickmers setzt auf noch kleinere Schiffe

Verarmt ist Bertram Rickmers an seiner Insolvenz nicht. "Die gesellschaftsrechtliche Haftungsabschirmung hat offenbar bestens funktioniert", kritisiert Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger. Außerdem besitzt der Hamburger Unternehmer zahlreiche Wohnhäuser, Gewerbeimmobilien, Beteiligungen an Start-ups und sogar an einem Hamburger Luxusrestaurant.

Und auch von der Schifffahrt hat er sich nie ganz getrennt. Einen Teil des Geschäftes der Holding veräußerte er an die Bremer Reederei Zeaborn. Auch Bertrams Bruder Erck verkaufte an die Bremer. Bertram profitiert davon: Er hält 25,1 Prozent an Zeaborns Chartergeschäft. „Im operativen Geschäft spielt er aber keine Rolle mehr“, versicherte Zeaborn-Geschäftsführer Jan Hendrik Többe noch in einem Interview mit der "Welt".

Das reichte Bertram Rickmers wohl nicht. Nicht mal zwei Jahre nach seiner Insolvenz meldet er sich deshalb mit einer neuen Reederei zurück. Vom Familiennamen hat er dabei Abstand genommen. The „Asian Spirit Steamship Company“ – kurz ASSC – heißt die Reederei. Ins Handelsregister hatte Rickmers die Firma bereits vor vier Jahren eintragen lassen. In den Jahren darauf begann er, Schiffe zu ordern. "Wenn jemand so eine Pleite hingelegt hat und trotzdem noch soviel Vermögen besitzt, dass er daraus ein kapitalintensives Parallelgeschäft aufbauen kann, staunt man schon", sagt Kienle vom SdK. Bei Anlegern stoße das auf "Unverständnis gemischt mit Misstrauen".

Noch in diesem Jahr will ASSC acht Schiffe von den Werften in Empfang nehmen. Bis zu 1700 Standardcontainer soll ein Schiff tragen können. Die Schiffe sind sogenannte Feeder, eine der kleinsten Schiffsklassen auf dem Weltmeer. Mit ihnen will Rickmers Waren innerhalb von Asien transportieren, berichtet das Branchenmagazin Hansa Online. Solche Schiffe legen keine weiten Strecken zurück, sondern verteilen die Ladung zwischen einzelnen Häfen. Damit will sich Bertram Rickmers diesmal heraushalten aus dem Wettrüsten der großen Reedereien. „Der Wettbewerb im Feederverkehr ist weniger stark ausgeprägt als der typische Linienverkehr“, sagt Thomas Wybierek, Analyst der Nord LB. „Die großen Reedereien haben sich teilweise zurückgezogen oder ihr Engagement reduziert.“

Außerdem versichert Rickmers, seine Schiffe seien höchsteffizient und sollen so wenig Emissionen ausstoßen wie möglich. Beim Wettbewerb auf den Weltmeeren wird dieser Faktor immer wichtiger: Ab 2020 hat die Internationale Schifffahrts-Organisation IMO den erlaubten Schwefelgehalt im Treibstoff auf 0,5 Prozent begrenzt. Reeder müssen deshalb andere Kraftstoffe tanken, oder Abgasreinigungsanlagen einbauen. Und auch bei den Ballastwasser-Anlagen gelten bald strengere Vorschriften, damit Schiffe nicht weiter fremde Keime oder Tiere von Ozean zu Ozean transportieren. Überall auf der Welt müssen Reeder deshalb ihre Schiffe nachrüsten. Rickmers nicht. Er hat die Schiffe schon entsprechend der neuen Vorschriften bestellt.

Etwa 25 Millionen Euro koste ein solches Schiff, sagt der Analyst Wybierek von der NordLB. Geht es nach Rickmers, soll die Flotte noch auf zwanzig bis dreißig Schiffe wachsen. Finanzieren will Rickmers diesen Ausbau nicht mehr aus der eigenen Tasche, sondern durch Investoren.

Langsam will er sich aus dem Tagesgeschäft zurücknehmen. An der ASSC hält Rickmers laut Unternehmensregister nur eine Beteiligung von 41,5 Prozent. Seine drei Kinder sind mit je 19,5 Prozent beteiligt.

Das Tagesgeschäft soll nun sein langjähriger Geschäftsführer Ulrik Kriete übernehmen, zusammen mit Bertrams Sohn Rickmer Clasen Rickmers. Er trägt den Namen seines Urururgroßvaters, dem Begründer der Familiendynastie. Rickmer Clasen Rickmers gründete 1834 die Rickmers Werft in Bremerhaven. Dieses Jahr kann die Familie damit das 185. Jahr ihrer Schifffahrtstradition feiern - und das sogar mit einem Schiff im eigenen Besitz.

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