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Bertram Rickmers Das Comeback des Pleite-Reeders

Bertram Rickmers kommt nach Insolvenz mit neuer Reederei zurück Quelle: dpa

Die Insolvenz der Rickmers Reederei kostete Anleger mehr als 250 Millionen Euro. Jetzt kehrt der ehemalige Besitzer Bertram Rickmers zurück, mit einer neuen Reederei und Schiffen. Das sagt viel über die Branche.

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Die Spirit of Chennai ist kein besonders großes Schiff. Sie hat nur eine Kapazität von 1162 Containern – die größten Schiffe der Welt können über 20.000 Container tragen. Und doch ist die Spirit of Chennai ein mächtiges Symbol. Sie steht für den Fortbestand einer Dynastie. Sie zeigt: Die Reedertradition der Familie Rickmers ist noch nicht am Ende.

Es war eine der bittersten Pleiten der Schifffahrtskrise der vergangenen Jahre: Im Sommer 2017 musste Bertram Rickmers mit seiner Rickmers Holding Insolvenz anmelden. Ein Jahr später verkaufte auch Bertrams Bruder Erck Rickmers sein Schifffahrtsunternehmen. Es schien wie das Ende der Unternehmerfamilie.

Der Fall zeigt die Realität in der globalen Schifffahrt: Seit der Finanzkrise kämpft die Branche, um Marktanteile, um höhere Preise, oder gegen strengere Umweltvorschriften. Über Jahre schrieben Reedereien Verluste, viele mussten wie Rickmers aus dem Markt ausscheiden oder wurden von größeren Reedereien geschluckt. So wie Hamburg Süd: Die Traditionsreederei gehört heute zum Maersk-Konzern, der weltgrößten Reederei. Heute beherrschen oftmals staatlich subventionierte Großkonzerne die Weltmeere. Schifffahrtsdynastien wie Rickmers gibt es kaum noch.

Jetzt meldet sich Bertram Rickmers zurück, mit einer neuen Reederei namens „Asian Spirit Steamship Company“ und neuen Schiffen. Zwei Schiffe sind bereits im Wasser, die Spirit of Chennai und ihr Schwesterschiff. Acht weitere will Rickmers noch in diesem Jahr von der Werft übernehmen, berichtete er dem Branchenmagazin Hansa Online. Es ist ein Comeback, das viele überrascht. Besonders die Anleger, die mit der Insolvenz ihre Ersparnisse verloren hatten.
Denn die Schifffahrtskrise schädigte nicht nur Reedereien, sie schädigte auch viele Privatanleger. Besonders in Deutschland hatten viele Anleger ihre Ersparnisse in Schiffsbeteiligungen gesteckt. Sie sahen davon nur Bruchteile wieder.

Und auch Rickmers ließ sich durch die Anleger finanzieren. 2013 gab er eine Anleihe heraus, mit der Anleger der Reederei einen Kredit geben konnten. Insgesamt 275 Millionen Euro lieh sich die Rickmers Holding bei den Anlegern, und versprach ihnen noch 8,85 Prozent Zinsen. Viel übrig blieb von dem Geld nicht: Gerade mal 11,7 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse geht an die Anleger. Das sind nicht mal ein Prozent aller Forderungen gegen Rickmers. Insgesamt hatten Banken und andere Gläubiger mehr als 1,14 Milliarden Euro von Rickmers zurückgefordert.

Das Problem war: Rickmers hatte den Wert seiner Schiffe zu hoch angesetzt. Er besaß viele kleine Schiffe. Doch der Trend auf den Weltmeeren verlangte nach immer größeren Containergiganten. Andere Reeder verschrotteten die alten, kleinen Schiffe der sogenannten Panamax-Klasse massenhaft. Rickmers bewertete seine Flotte trotzdem weiter weit über dem Marktdurchschnitt. Dabei wurde es immer schwieriger, die Schiffe noch zu vermieten.

Die Charterreederei konnte ihre Forderungen nicht mehr bedienen. Ein Notfallplan scheiterte in letzter Sekunde. Die ebenfalls kriselnde HSH Nordbank, größter Gläubiger der Rickmers Holding, wollte der Sanierung nicht mehr zustimmen. Rickmers musste Insolvenz anmelden.

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