Blackrock Warum Blackrock auch leise Töne nutzen

Blackrock-Zentrale in New York. Quelle: AP

Blackrock ist der mächtigste Vermögensverwalter der Welt. Seinen Einfluss spielt das Unternehmen ganz unterschiedlich aus.

Als Börsen-Aufsichtsratschef Joachim Faber in seiner Neujahrsansprache Partnern für das kritische Feedback in einem schwierigen Jahr dankte, erwähnte er dabei auch Blackrocks Deutschland-Botschafter Friedrich Merz. Der ehemalige CDU-Politiker saß an der Ehrentafel. Mit den angesprochenen Schwierigkeiten meinte Faber die geplatzte Fusion mit der Londoner Börse, an der Blackrock ebenfalls beteiligt ist, und den Rückzug von Börsenchef Carsten Kengeter, der wegen eines umstrittenen Deals mit Aktien des eigenen Unternehmens gehen musste.

Ein Jahr zuvor hatte sogar Blackrock-Chef Laurence D. Fink persönlich die Neujahrsrede bei der Börse gehalten. Gut vorstellbar also, dass Vorstände und Aufsichtsräte auch hinter den Kulissen auf Blackrock hören. Nicht nur bei der Börse.

Wer wann wem etwas sagt und welche Folgen das hat, dringt aber kaum nach außen. Blackrock sieht das als Stilfrage, schließlich betont das Unternehmen immer wieder, nur fremdes Vermögen zu verwalten. Deshalb will man sich wohl im Hintergrund halten. Wenn Blackrock wirklich so zurückhaltend ist wie es beteuert, hat selbst das seine Folgen, wie Ökonomen herausgefunden haben.

Der Befund: Blackrock und andere Großinvestoren halten sich operativ oft raus, weil sie gar nichts davon hätten, ihre Portfoliounternehmen zu schärferem Wettbewerb anzustacheln. Ein aggressiver Expansionskurs oder konkurrenzlos billige Preise eines Unternehmens würden den ebenfalls im Blackrock-Portfolio vertretenen Konkurrenten nur schaden. Das Nachsehen hätten die Kunden und kleinere Aktionäre, die ihr Vermögen nicht so breit streuen und nur in einzelne Aktien investieren können. Beispiel: Studien haben gezeigt, dass die Tickets genau bei solchen US-Fluggesellschaften teurer waren, an denen Großfonds wie Blackrock & Co. gleichzeitig Anteile hielten.

Auch bei US-Banken ließen sich höhere Gebühren und niedrige Zinsen aufs Ersparte bei Geldinstituten in Fondshand statistisch nachweisen. Bemerkenswert ist, dass Blackrock in dieser Debatte öffentlich Stellung bezieht und sich zum Beispiel auf Podiumsdiskussionen mit den kritischen Ökonomen auseinandersetzt.

Ein Gegenargument von Blackrock ist besonders interessant, denn es geht auf die von den Wissenschaftlern angesprochene Breite der Investments über alle Branchen ein: Der Fonds habe sehr wohl Interesse an Wettbewerb, denn auch die Portfoliounternehmen würden von sinkenden Marktpreisen profitieren. Beispiel: Sinken die Preise für Computer, jubeln alle Firmen dieser Welt, die PCs für ihre Büros kaufen. Bewiesen ist damit natürlich nichts, nur eines, dass Blackrock ökonomisch scharf denken und argumentieren kann.

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