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Boeing 737 Ein Absturz mit globalen Folgen

Boeing 737 Max 8: Ein Absturz mit globalen Folgen Quelle: REUTERS

Der Boeing-Absturz in Afrika wirbelt die Luftfahrt durcheinander. Nicht nur der US-Flugzeughersteller gerät unter Druck, die Auswirkungen des Unglücks sind global. Es geht um viel Vertrauen.

Nach dem Absturz zweier baugleicher, neuer Flugzeugtypen binnen weniger Monate gerät der US-Flugzeugbauer Boeing weltweit unter Druck. Obwohl die zuständige US-Luftfahrtbehörde FAA die betreffenden Boeing 737 Max 8 weiter für zuverlässig hält, reagieren Passagiere verunsichert. Erste Flugverbote einiger Airlines lösen eine globale Dynamik aus, der sich immer mehr Betreiber und Regierungen anschließen. Mittlerweile sind viele Maschinen am Boden. Was bisher bekannt ist:

Der Unfall
Augenzeugen wollen gesehen haben, dass sich die Boeing vor dem Aufprall nahe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba am Sonntag um die eigene Achse gedreht hat, andere berichten von Flammen. Laut der Airline meldeten die Piloten dem Tower Probleme mit der Flugsteuerung. Die Bilder vom Unfallort deuten darauf hin, dass sich die Maschine nicht in der Luft zerlegt, sondern fast senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit in den Boden gebohrt hat. Die Trümmer liegen eng beieinander – ein Hinweis, dass der Rumpf beim Aufprall noch weitgehend intakt war. Die Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines war auf dem Weg nach Nairobi kurz nach dem Start abgestürzt. Konkrete Hinweise auf die Ursache erhoffen sich die Ermittler durch die Auswertung von Cockpit-Stimmenrekorder und Flugdatenschreiber.

Die Konsequenzen
Zunächst setzten Singapur und Australien alle Flugaktivitäten der Boeing-737-Max-8-Flugzeuge vorsichtshalber aus, diverse Airlines rund um den Globus erteilten Startverbote. Später sperrten dann auch mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland und Großbritannien, ihren Luftraum für Maschinen dieses Typs. Am Dienstagabend riegelte dann auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA den europäischen Luftraum für Boeing 737 Max 8 und Max 9 ab. In der Nacht zu Mittwoch schlossen auch Neuseeland, Fidschi, Vereinigte Arabische Emirate und Indien die Flieger aus ihrem Luftraum aus; auch das wichtige Asien-Drehkreuz Hongkong zog inzwischen nach.

Unternehmen wie der Tui-Reisekonzern handelten erst zögerlich, weil sie sich zunächst auf Empfehlungen der US-Luftfahrtbehörde FAA stützten. Diese hatte zunächst keine Notwendigkeit für Flugverbote gesehen, zumal Boeing selbst Software-Modifizierungen in Aussicht gestellt hat. Auch der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, warnte zunächst vor unbedachten „Schnellschüssen“ – kurz bevor Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dann die Luftraumsperrung verfügte. Laut der Deutschen Flugsicherung (DFS) gilt die Maßnahme zunächst bis 12. Juni.

Reaktionen von Passagieren
Die widersprüchlichen Airline- und Behörden-Entscheidungen steigerten die Verunsicherung bei vielen Passagieren noch. Verängstigte Fluggäste fragten nach und wollten Flüge mit dem betroffenen Boeing-Flugzeugtyp unbedingt vermeiden. Angesichts der nun verhängten Flugverbote ist noch unklar, ob es in Europa zu Annullierungen von Flügen kommt. Sie gelten als eher unwahrscheinlich: Bei der Flotte des Tui-Konzerns sind lediglich 15 Maschinen von insgesamt rund 150 Flugzeugen betroffen: sie wurden in Großbritannien und den Benelux-Ländern eingesetzt. Auch bei der Airline Norwegian, die ebenfalls den Einsatz des Boeing-Modells stoppte, sind nur relativ wenige Jets betroffen.

Bisherige Auswirkungen an deutschen Flughäfen
Reisende an deutschen Flughäfen müssen bisher kaum mit Einschränkungen rechnen. In Frankfurt am Main sind am Mittwoch von dem Flugverbot lediglich zwei Flüge betroffen. Dabei handelt es sich um einen Flug nach Warschau, wie ein Flughafensprecher sagte. Die betroffene Maschine werde durch einen anderen Flieger ersetzt. Außerdem sei ein Charterflug nach Mazedonien gestrichen worden. Die Passagiere würden auf andere Flüge umgebucht. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gibt es nach Angaben der Flughafensprecher keine Beeinträchtigungen; Gleiches gilt für die Flughäfen Köln/Bonn in Nordrhein-Westfalen, Hannover in Niedersachsen, Leipzig/Halle und Dresden in Sachsen sowie für Hamburg.

Boeing
Der US-Luft- und Raumfahrtriese kämpft ausgerechnet bei seinem hoffnungsfroh gestarteten jüngsten Kassenschlager gegen eine Vertrauenskrise. Die Aktie verlor schon kräftig. Die auf weniger Spritverbrauch getrimmte Boeing 737 Max 8 ist eine Neuauflage der seit den 1960er Jahren gebauten Boeing 737 und wird in der neuen Form mit größeren und sparsameren Triebwerken ausgeliefert. Konkurrenzmodell ist der Airbus A320neo. Noch unklar ist, ob und wie diese Vertrauenskrise dem europäischen Konkurrenten Airbus nutzt.

Behörden
Die Bewertung der Zuverlässigkeit des jüngsten Boeing-Flugzeugtyps drohte auch die Beziehungen der Luftfahrtbehörden in den USA und Europa zu belasten. Denn nachdem die Europäer bisher Entscheidungen der FAA regelmäßig mittrugen, scherte nun als erstes die britische Luftfahrtbehörde aus und folgte mit ihrem Flugverbot für den Jet der FAA-Einschätzung nicht. Andere Behörden folgten. Schließlich wandte sich auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA gegen die Amerikaner und sperrte den europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max.

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